Flüchtlinge in MV : Gut besuchtes „Café Miteinander“

Der zehnjährige Ahmed (neben Charis Turlach) hat in zwei Monaten schon viel Deutsch gelernt.  Fotos: Maria Nielsen
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Der zehnjährige Ahmed (neben Charis Turlach) hat in zwei Monaten schon viel Deutsch gelernt. Fotos: Maria Nielsen

Initiative „Neuhaus hilft“ will Flüchtlinge mit Helfern und Bürgern zusammenbringen

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02. November 2015, 12:48 Uhr

Alle Stühle besetzt im großen Raum des Haus des Gastes und ein Stimmengewirr in der Luft. Die Initiative „Neuhaus hilft“ hatte eingeladen, mit den in Neuhaus lebenden Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, bei Kaffee und vielen mitgebrachten Kuchen. Mit so viele Resonanz hatten die Initiatoren wohl nicht gerechnet, denn sie veranstalten schon seit längerem einmal im Monat ein Kennenlern-Cafè, damit sich Bürger und Flüchtlinge näher kommen.

„Es sind auch Leute hier, die bisher keinen Kontakt zu uns oder zu einer Flüchtlingsfamilie hatten und es wurde auch von einigen Hilfe angeboten“, freute sich Rainer Ottliczky. Seine Frau Astrid und er und ein „harter Kern“ kümmern sich seit Monaten um die Flüchtlinge, die aus einer Erstaufnahme kommen und der Kommune zugewiesen werden. Hier leben sie in Wohnungen der Gemeinde solange, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. „Das ist gerade nach fast zweieinhalb Jahren mit einer Familie passiert. „Sie sind nun Deutsche“, freut sich Rainer Ottliczky.


Neue Helfer wurden gewonnen


Zukünftig mithelfen will zum Beispiel die ehemalige Lehrerin Helga Drenckhahn. Sie hatte sich bei Charis Turlach, bei der Gemeindeverwaltung zuständig in Flüchtlingsangelegenheiten, informiert und war von der gleich eingeladen worden, das Café Miteinander aufzusuchen.

Weitere Unterstützung ist auch notwendig, denn die Zahl der Untergebrachten wird weiter steigen. Zurzeit leben in Neuhaus in Obhut der Kommune etwa 50 Personen. Die Quote nach dem Königsteiner Schlüssel ist bis zum 31. Januar 2016 auf 70 Personen festgelegt. Ob es dabei bleibt weiß heute niemand und scheint eher unwahrscheinlich, angesichts des ungebremsten Zustroms. Die Gemeinde hat sich zusätzlich bereit erklärt, vom Landkreis weitere bis zu 50 Flüchtlinge aufzunehmen, sollten dort Engpässe entstehen. Leerstehenden Wohnraum gibt es in Neuhaus noch zu Genüge. In der Gemeindeverwaltung werden verwaltungstechnische Dinge abgearbeitet, wie zum Beispiel die Anmeldung und die Auszahlung des Asylgeldes. Die Sätze des Asylgeldes liegen leicht unter denen von Hartz IV. Sind die Asylbewerber in Wohnungen untergebracht, die mit dem Notwendigsten ausgestattet sind (Gardinen gehören in oberen Stockwerken zum Beispiel nicht dazu, Spielzeug fehlt, Kleinmöbel, Lampen), versorgen sie sich selber und bestreiten von dem Asylgeld ihren Unterhalt. Die Willkommensinitiative, die sich schon Ende des vergangenen Jahres gegründet hat, sorgt dafür, das Spenden gesammelt und verteilt werden, dass Deutschunterricht stattfindet, dass Flüchtlinge zum Arzt oder zum Ausländeramt nach Lüneburg gefahren werden. Bis auf die Gleichstellungsbeauftragte Astrid Ottliczky, die bei der Gemeinde geringfügig beschäftigt ist, sind alle anderen ehrenamtlich unterwegs. „Wir können also jede Hilfe gebrauchen“, so Rainer Ottliczky. Das beim Kaffeetreff am vergangen Sonnabend nun plötzlich so viel mehr Menschen da waren, liegt zum Teil wohl auch daran, dass das Thema mit der Einrichtung der Notunterkunft in Sumte in aller Munde ist.


Für Sumte ist das Land zuständig


Dabei ist diese Einrichtung eine Einrichtung des Landes und hat mit der Gemeinde nichts zu tun. In der Noterstaufnahmestelle in Sumte leben die Flüchtlinge auf engem Raum, werden versorgt und bekommen lediglich ein Taschengeld. Die hier untergebrachten Kinder gehen nicht in die Kita oder die Schule.

Die Kinder der Familien in Neuhaus besuchen Kindergarten und Schule und wer sich mit dem zehnjährigen Ahmed aus Syrien unterhält, kann nur staunen, wie gut der Junge nach zwei Monaten Schule schon Deutsch gelernt hat: „Morgens lerne ich in der Schule und am Nachmittag spiele ich Fußball.“

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