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Mühle Wittenburg : Gut behütet mit Überseeschindeln

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wittenburger Erdholländermühle bekam gestern ihre 17 Tonnen schwere Kuppel mit zwei Spezialkränen aufgesetzt

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2014 | 15:47 Uhr

Leider ist der exotisch-kernige  Geruch des nordamerikanischen Rot-Zedernholzes  seit gestern nur noch in rund 15 Meter Höhe   wahrzunehmen. Aus diesem robusten Naturmaterial, geliefert aus Übersee,  sind nämlich die Schindeln gefertigt, die künftig die Kuppel der Wittenburger Erdholländermühle behüten sollen. Zwei Spezialkräne haben sie Dienstag  in der elften Tagesstunde  in einer spektakulären Aktion auf das historische Gebäude gehievt. Zentimeter für Zentimeter.

Im Inneren der Kuppel befindet sich wieder die Originaltechnik, sie hatte die Stadt einst gesichert und restaurieren lassen. Über eine halbe Million Euro Förderung kommt für das Projekt aus  öffentlicher Hand. Insgesamt wird das Sanierungsvorhaben auf dem Mühlenberg rund 700 000 Euro kosten.

„So etwas passiert nicht mehr alle Jahre, dass eine Windmühle wieder in ihren funktionsfähigen Zustand zurückversetzt wird. Das ist heute ein ganz, ganz  besonderer Tag“, schwärmt Lothar Wilken, seit 2014  Landesvorsitzender des Mühlenvereins Mecklenburg-Vorpommern. Bei den Wassermühlen passiere seit geraumer Zeit nämlich genau das Gegenteil. „Hier verlieren wir immer mehr Möglichkeiten, diese  zu bewahren, weil beispielsweise Fischtreppen Vorrang haben. Man könnte aber so bauen, dass Umweltziele und Schauanlage miteinander harmonieren. Man muss es nur wollen“, sagt der 60-Jährige. Insgesamt gäbe es im Land noch 101 Windmühlen, berichtet er. „Davon ist aber leider nur noch ein Viertel in einem Zustand, dass wir von einem kompletten Gebäude als Denkmal sprechen können“, bedauert Wilken. Deshalb sei das jahrelange Bemühen des örtlichen rührigen Mühlenvereins um die Bewahrung dieses Wittenburger Wahrzeichens gar nicht hoch genug einzuschätzen. „Diese Tatsache und eine sehr aufgeschlossene Stadtvertretung sowie die Förderung durch die EU haben diesen Tag erst möglich gemacht“, freut sich Wilken wie ein kleiner Junge.

Ähnlich geht es auch Wittenburgs Bürgermeisterin Dr. Margret Seemann. Sie bezeichnet den gestrigen Tag als ein sehr schönes Ereignis. „Ich freue mich, dass die Mühle nun wieder ihre Kuppel hat und wir im Zeitplan sind.“ Das Stadtoberhaupt dankt im SVZ-Gespräch dem engagierten Planer und der Baufirma, die so wunderbar mitgezogen haben. „Da können wir uns  glücklich schätzen, mit solchen Menschen zusammen zu arbeiten.“

Worte, die dem Planer Norbert Fenske runtergehen dürften wie Öl. Doch zum Geschmeicheltsein hat der gar keine Zeit. Auch für ihn gibt es an diesem Tag noch vieles zu bedenken. Doch zuvor schenkt er Lothar Wilken zur Erinnerung an das außergewöhnliche Ereignis eine übrig gebliebene Rot-Zeder-Schindel. Diese seien mit speziell geriffelten Edelstahlstiften an der Lattung befestigt, erklärt Fenske. „Das ist heute ein ganz toller Tag für mich“, gesteht der Wölzower, der auch Mitglied im Wittenburger Mühlenverein ist. „Ich freue mich  riesig.“ Mit dem Aufsetzen der  17 Tonnen schweren Kuppel sei dem technischen Denkmal von 1890  ein großes Stück   Identität zurückgegeben.

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