zur Navigation springen

Streit in Bitter : Großer Ärger um die Gulaschkanone

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Dorfbewohner lieh das Gerät aus und gab es nicht zurück. Inzwischen waren zwei Gerichte mit der Sache befasst. Beschwerdebrief an den Landgerichtspräsidenten

von
erstellt am 01.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Er ist noch nicht ganz ausgestanden, der Ärger um die Gulaschkanone des Dorfvereins Elbaue, in dem sich die Bewohner von Bitter, Herrenhof und Brandstade vor 14 Jahren zusammengetan haben. Seit ein Dorfbewohner aus Bitter die Gulaschkanone vor vier Jahren ausgeliehen und nicht wieder herausgerückt hat, schwelt der Streit. Inzwischen waren erst das Amtsgericht und dann auch noch das Landgericht damit befasst und gestern ging ein Beschwerdebrief des Vereins an den Präsidenten des Landgerichts.

Eigentlich mag sich die Vorsitzende des Vereins, Stefanie Handstedt, gar nicht mehr damit befassen. „Wir würden uns viel lieber mit unserem Vereinshaus beschäftigen und dort mit der Sanierung weiter machen“. Aber so stehen lassen kann man die Geschichte auch nicht. Denn die Vereinsmitglieder fühlen sich besonders vom Amtsgericht falsch beurteilt und haben für eine Beschwerde gestimmt.

Um das ganze Kuddelmuddel zu verstehen, muss man weit zurück gehen ins Jahr 1990, als die NVA ihre Bestände auflöste. Die Feuerwehrleute haben als geschlossene Kameradschaft gegen eine Verwaltungsgebühr die Gulaschkanone in ihren Besitz genommen. Als sich die Ortswehr 2002 auflöste und sich dann gleich der Dorfverein gründete, ging die Gulaschkanone wie selbstverständlich in den Besitz des Vereins über. Sie wurde bei den Festen benutzt und wurde ausgeliehen, wenn jemand vom Verein sie brauchte. Bis der besagte Dorfbewohner, der sich dazu nicht äußern und auch seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, das Gerät nicht zurück ins Vereinshaus brachte.

„Wir haben mehrfach um die Rückgabe gebeten und versucht, ihn umzustimmen, so Stefanie Hanstedt. Aber das gelang nicht. Schließlich verklagte der Verein den Nachbarn auf Herausgabe. Alle dachten, der Fall sei sonnenklar, aber der Amtsrichter sah das überraschenderweise nicht so. Für ihn war der Verein nie der Besitzer der Gulaschkanone. „Wenn man etwas in gutem Glauben erwirbt, dann geht es schließlich in den eigenen Besitz über“, erläutert Klaus Witte aus dem Verein. Der Richter aber habe die Feuerwehr als Einheit gesehen, deren Rechtsträger die Gemeinde war, und gefolgert, dass die Gemeinde damals Eigentümerin der Gulaschkanone war. Die Feuerwehrleute hätten nach Ansicht des Amtsgerichts die Kanone also gar nicht übergeben dürfen. Und die Vereinsmitglieder hätten quasi „in bösem Glauben“ gehandelt, als sie sie annahmen. Das wollen besonders die, die damals bei der Übergabe dabei waren, nicht auf sich sitzen lassen. Witte ist sich auch ziemlich sicher, dass man zwischen der Gemeinde als Rechtsträger und der Kameradschaft der Feuerwehr unterscheiden muss. „Das sind zwei Gruppen und folglich gehörte die Gulaschkanone der Kameradschaft.“

Der Verein ging in Revision und die „Affäre Gulaschkanone“ lag dem Landgericht vor. Das setzte kurzerhand den auf 1000 Euro angesetzten Streitwert auf 240 Euro herab und schlug den Fall wegen zu geringen Streitwerts nieder. Nun sind in den drei Elbranddörfern alle gespannt, wie die Sache ausgeht. Die Dorfgemeinschaft ist darüber nicht entzweit, denn im Grund geht es hier um einen gegen alle. „Dem Dorfverein sind in jüngster Zeit sogar weitere Bewohner beigetreten“, so Stefanie Hanstedt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen