Einfach grauenhaft : Große Schlachtstätte für Wildtiere

So und noch schlimmer sieht es auf diesem Feldstück nahe Bobzin aus.
So und noch schlimmer sieht es auf diesem Feldstück nahe Bobzin aus.

Spaziergängerin stieß nahe Bobzin auf Reste von Schwarzkittel, Reh und Co./ Untere Jagdbehörde will den Fall untersuchen / Kreisjägermeister fassungslos

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05. März 2015, 14:45 Uhr

Der Ort des Grauens liegt versteckt am Rande eines Wäldchens, nahe der alten Bahnlinie, zwischen Zapel und Bobzin. Dort, zwischen zwei mobilen Hochsitzen, liegen Tierschädel, abgenagte Skelette, Knochen, Fellreste, Läufe von Tieren in einem Umkreis von gut 50 Metern. Das Ganze sieht auch auf den zweiten Blick aus wie eine einzige große Schlachtstätte. Hier sind Wildtiere gestorben, viele. Ihre Zahl lässt sich nur schätzen, es dürften Dutzende gewesen sein. Ein halb verwester Wildschweinkopf findet sich, der Brustkorb eines Rehes, das Bein eines großen Laufvogels, andere Schädel und jede Menge Knochen. Ganz in der Nähe liegt so etwas wie ein wilder Maisschlag, praktisch eine Futterstätte zum Anlocken der Tiere der Umgebung. Auch jetzt Anfang März, liegt hier noch genügend Mais herum. Gefunden hat diese offenkundige Schlachtstätte für Wildtiere eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund in der Gegend unterwegs war. Ihren Namen will sie öffentlich nicht nennen, aus Angst vor möglichen Reaktionen von Nachbarn. Ganz schweigen wollte sie aber zu den Funden auch nicht. Und so wandte sie sich an das Hagenower Kreisblatt.

Zufällig auf den grausigen Ort gestoßen
Die Spaziergängerin, die die Gegend gut kennt, stieß eher zufällig auf diesen abgelegenen Ort und ist fassungslos ob der vielen Reste, die dort herumliegen. Sie habe  nach dem Fund mit einem Förster ihres Vertrauens darüber gesprochen. Der fand das Ganze auch sehr  merkwürdig, die Frau wandte sich an die Öffentlichkeit. „Ich möchte, dass das geklärt wird und vor allem aufhört. Kinder kann man hier nicht herlassen. Und wenn die Knochen nicht durch andere Tiere abgenagt würden, sähe es hier noch schlimmer aus,“ sagt die Finderin, die auch überlegt, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Kreisjägermeister Hans-Jürgen Schmidt hört sich den Fund einigermaßen fassungslos am Telefon an. „So etwas macht ein Jäger nicht, überhaupt nicht.  Tierreste müssen vergraben werden. Das muss man klären. Ich werde mich mit der Unteren Jagdbehörde des Kreises verständigen.“ Diese Behörde erfuhr von dem Fund ebenfalls  von unserer Redaktion und will nun zügig Untersuchungen einleiten.

Der Verdacht, dass hier über einen langen Zeitraum Widlfrevel zur billigen Fleischgewinnung betrieben wurde, liegt nahe. Bewiesen ist er nicht. Normale Jäger brechen zwar ein erlegtes Stück auf, dabei geht es aber meist um Innereien. Dass das  Wildfleisch vor Ort zerteilt wird, ist ebenfalls völlig unüblich. Das erlegte Stück wird meist im Ganzen weggebracht, untersucht, und erst dann geht es um das Wildbret. Und auch für die Jäger ist das nicht kostenlos.

Die Behörden wollen nun erst einmal herausfinden, wer in der Gegend für die Jagd zuständig ist. Die zentrale Frage, die sich auch stellt, ist die, warum solch ein Treiben lange unbemerkt blieb? Auf dem Gelände stehen zwei Hochsitze auf Metallkufen, die offenkundig von Fahrzeugen an diese Stelle gezogen wurden. Und es stellt sich schnell die Frage nach der Beseitigung der Reste. Das muss zügig geschehen, wenn erst die nächsten Tage wärmer werden, wird sicherlich auch die Geruchsgefahr steigen.

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