Granzin : Granziner bewahren Zeitzeugen

Katharina Herbst und Nick Werbycki postierten an ihrer Feldsteinmauer in der Dorfstraße 21 drei Mühlensteine.
Katharina Herbst und Nick Werbycki postierten an ihrer Feldsteinmauer in der Dorfstraße 21 drei Mühlensteine.

Katharina Herbst und Nick Werbycki haben an ihrer Feldsteinmauer in der Dorfstraße 21 drei historische Mühlensteine platziert.

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16. Januar 2018, 08:00 Uhr

Sie fallen sofort ins Auge und sind nicht zu übersehen. Die drei gewaltigen Mahlsteine in der Dorfstraße 21, die an einer Feldsteinmauer lehnen. Und sie scheinen schon etliche Jährchen auf dem Buckel zu haben. Denn um 1230 herum wurde das kleine Dorf, das heute neben Sternsruh, Lüttenmark und Leisterförde zur Gemeinde Greven zählt, bereits erstmals urkundlich erwähnt. Neben der imposanten Kirche mit seinem Fachwerk-Glockenturm, einem klassizistische Backsteinbau von 1842, wohnen heute Katharina Herbst und Nick Werbycki, seit einem Jahrzent ein selbstständiger Gerüstbauer. „Haus und Grundstück habe ich von meiner Großtante Christel Wetzel übernommen“, berichtet der 46-Jährige auf SVZ-Nachfrage. Denn an diesem Standort habe sich bis in die 90er-Jahre eine Mühle befunden. „Die vier Mahlsteine waren darin eingebaut. Ich wollte sie nicht wegwerfen, deshalb habe ich sie erstmal an die Mauer gestellt. Klauen wird sie schon keiner, denn jeder Stein wiegt etwa eine Tonne“, erklärt der gebürtige Grevener schmunzelnd weiter, der seit 1994 in Granzin lebt. Später solle aber einer von ihnen im Garten aufgestellt werden, um an die Mühlengeschichte des Ortes zu erinnern. „Denn schräg gegenüber auf dem Feld stand ganz früher einmal eine Windmühle, die abgebrannt ist. Daraufhin wurde die Mühle hierher verlegt“, weiß Werbycki zu berichten. „Fast alle, die anhalten, staunen über die Steine. Und viele wissen noch, dass sich hier mal eine Mühle befunden hat.“

Dass er in dem heutigen Gebäude drei Wohneinheiten errichte, erzählt der Unternehmer ebenfalls. Und dass er mit Schilf heizen wolle, welches er und seine Lebensgefährtin auf dem Feld gegenüber selbst angepflanzt hätten. „Das ist ein nachwachsender wie umweltfreundlicher Rohstoff. Und wer wie wir, zwei Wohnungen vermieten will, muss sich gut überlegen, wie er das ganze Haus auf Jahre gesehen gut warm bekommt“, erklärt Werbycki die kostengünstige Heizart.

Und liegt damit gar nicht mal so falsch. Denn die Ernte auf einem Hektar Land entspricht in etwa einem Brennwert von rund 6000 bis 7000 Litern Heizöl. Da das Schilf, dass sich über viele Jahre immer wieder selbst aussät, überdies eine günstige Kohlendioxid-(CO2)-Bilanz hat, wird das junge Paar nur darin bestärkt, sich für diese ökologische Pflanze zu entscheiden. Denn durch die herabfallenden Blätter düngt sie sich nicht nur selber, sondern bietet Wildtieren im Winter Unterschlupf und Nahrung.

„Außerdem sind wir so auch unabhängig von den Preisen für Öl, Gas und Holz,“ betont Katharina Herbst. Die 40-Jährige freut sich über diese klimafreundliche Alternative ebenso wie über die Möglichkeit, nach dem Umbau des Hauses dessen Stil im Inneren festzulegen. „Ich mag die Mischung aus Alt und Neu.“

Was sie denn beide mit einem plötzlichen Lottogewinn täten?, wollen wir als Lokalredaktion abschließend noch wissen. Wie aus der Pistole geschossen kommt die Antwort: „Dann würden wir die alte Windmühle auf dem Acker wieder aufbauen. Denn die Fundamente existieren ja noch.“

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