Marsow : Glockengeläut auf Knopfdruck

Henry Lösche beim Einbau der neuen Technik für die Glocken.  Fotos: Sven Moritz
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Henry Lösche beim Einbau der neuen Technik für die Glocken. Fotos: Sven Moritz

Moderne Technik hält in Marsower Feldsteinkirche Einzug / Fast 700 000 Euro in Erhalt des Gotteshaus investiert

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09. Juli 2015, 11:50 Uhr

Die Bewohner von Marsow und Umgebung werden sich wochentags an ein abendliches Geräusch gewöhnen müssen. Von Montag bis Sonnabend läuten um 18 Uhr die beiden Glocken der im 14. Jahrhundert errichteten Feldsteinkirche. Um das in der 1950-er Jahren im thüringischen Apolda gegossene Geläut zum Schwingen zu bringen, muss allerdings niemand allabendlich das Gotteshaus im Ortsteil der Gemeinde Vellahn aufsuchen und kräftig am Seil ziehen. Das Glockenwerk ist seit wenigen Tagen automatisiert.

Die Umstellung von Hand- auf Elektrobetrieb hat der 2001 gegründete Förderverein zum Erhalt der Feldsteinkirche in die Wege geleitet, wie dessen stellvertretender Vorsitzender Detlef Westphalen berichtet. Auf die Idee dafür sei man 2014 gekommen, als die Klöppel der Glocken gewartet und überprüft worden seien, erinnert sich der frühere Verwaltungsbeamte aus Hamburg. Der Verein holte Angebote ein, setzte sich mit Kirchenverwaltung und Denkmalpflege in Verbindung und fällte im Vorstand die abschließende Entscheidung. Um der Kirchgemeinde etwas Gutes zu tun, übernimmt der Förderverein die Kosten für den Einbau der neuen Technik in Höhe von rund 9000 Euro.

Für die Arbeiten am Glockengeläut zeichnete eine auf die Wartung und den Einbau von mechanischer und automatischer Glockentechnik und Turmuhren spezialisierte Firma aus Berlin verantwortlich. Mitarbeiter Henry Lösche brauchte knapp zwei Tage dafür, dass die Glocken von Marsow nun mithilfe eines Motors bewegt werden. „Ich habe oben die Seile für den Handläutebetrieb demontiert und die beiden vorherigen sogenannten verkröpften Stahljoche jeweils durch ein gerades Holzjoch aus Eiche ersetzt“, wie der Glockentechniker ausführt. Durch den Umbau zu einer elektrischen Anlage ließen sich die Glocken jetzt über Knopfdruck ganz leicht anstellen und bedienen. Das Feierabendläuten wird Lösches Angaben zufolge automatisch über eine Zeitschaltuhr gesteuert, mit der auch die gewünschte Minutendauer für das Glockengeläut eingestellt wird. Die Glocken zum Schwingen bringt eine eingebaute Reaktionsschiene, die durch einen Magnetmotor angetrieben wird.

Der Einzug von Elektrizität in den mit einer Zwiebelhaube verzierten Kirchturm ist nur eine Etappe von mehreren bei der umfangreichen Restaurierung des Sakralbaus in Marsow. Der Förderverein hat laut Westphalen in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass unter anderem das Kirchendach, der Westanbau, der Glockenturm und die Orgel saniert sowie ein Teil der 1911/12 neu gestalteten Wandmalereien gesichert werden konnten. Fast 700 000 Euro sind bislang in die Feldsteinkirche investiert worden. Das Geld kam neben dem Förderverein von Stiftungen, der Kirche, Denkmalpflege und privaten Spendern. Nächstes Ziel des Fördervereins ist laut Westphalen die Rekonstruktion der von Feuchtigkeit angegriffenen Malereien.

Die Feldsteinkirche von Marsow
Die Kirche ist ein Felsensteinbau. An der Nordwand stand eine angebaute, aber bereits abgerissene Grabkapelle. Es war die der Herren von Schilden.  Auf die Familie von Lützow folgte 1798 wieder die Familie von Schilden, von denen Marsow durch Erbschaft 1860 an Familie von Bülow kam.  In den Chorfenstern, eine Stiftung der Familie von Bülow, sind Szenen aus dem Leben Jesu zur Darstellung gekommen.  In zwei Schiffsfenstern sind die Wappen der früheren Besitzer Marsows (von Marsow, von Züle, von Pentz, von Schilden, von Lützow, von Bülow) und die der Frauen der letztgenannten Familien angebracht. Der Förderverein kümmert sich um die Sanierung der Kirche.

Quelle: Förderverein für die Feldsteinkirche

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