Boizenburg : Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit

Manuela Ullrich (2. v. l.) zusammen mit Beate Benz (m.) und Heidrun Dräger an der Waffel. Das fehlende Stück symbolisiert die Menge an Geld, die Frauen durchschnittlich weniger als Männer verdienen.
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Manuela Ullrich (2. v. l.) zusammen mit Beate Benz (m.) und Heidrun Dräger an der Waffel. Das fehlende Stück symbolisiert die Menge an Geld, die Frauen durchschnittlich weniger als Männer verdienen.

Verschiedene Aktionen zum Equal Pay Day: Drei Gleichstellungsbeauftragte informierten und buken Waffeln

svz.de von
22. März 2016, 12:00 Uhr

Auch die Männer am Bratwurststand fanden: „Es ist richtig, dass ihr euch wehrt!“ Die Rede ist vom Equal Pay Day (EPD), dem „Tag der gleichen Bezahlung“, zu dem es am Sonnabend in Boizenburg verschiedene Aktionen gab.

Jedes Jahr errechnet das Statistischen Bundesamt das Datum, bis zu dem Frauen durchschnittlich pro Jahr unentgeltlich arbeiten. In diesem Jahr war es der 19. März. Um über den EPD und die Ursachen für die Entgelt-Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu informieren, hatten sich am Sonnabend die Gleichstellungsbeauftragten von Boizenburg, Ludwigslust und dem Landkreis Ludwigslust-Parchim zusammen getan. Unter einem roten Schirm buken Beate Benz, Monika Ullrich und Heidrun Dräger gemeinsam Waffeln und sprachen mit den Besuchern des Wochenend-Marktes. Viele hatten noch nie etwas vom EPD gehört, der seit 2009 in Deutschland und mittlerweile auch in 19 weiteren europäischen Staaten begangen wird.

Die Gründe für den Unterschied in den Portemonnaies von Männern und Frauen sind vielfältig: Typische Frauenberufe werden schlechter bezahlt als Männerberufe. Aber auch bei gleicher Qualifikation verdienen Frauen oft weniger als Männer, denn häufige Erwerbs-Unterbrechungen von Frauen zu Gunsten von Kindern und ihrer Pflege verhindern, dass sie die Karriereleiter genauso schnell wie ihre männlichen Kollegen erklettern können. Diesen Unterschied symbolisierten am Sonnabend Katja Wiebke aus der Stadtverwaltung und Beate Benz’ Ehemann Roland in der Montur von Zahntechnikern. In diesem Beruf verdienen Frauen im Durchschnitt 1  494 Euro im Monat, während ihre männlichen Kollegen 1  726 Euro monatlich zur Verfügung haben.

Hinzu kommt die Teilzeitfalle, in der viele Frauen gefangen sind. 60 Prozent der Frauen im Einzelhandel arbeiten in Teilzeit, 56 Prozent derer, die im Erziehungs- und Unterrichtsbereich arbeiten und 51 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen.

Um auf die Ungerechtigkeit beim Verdienst aufmerksam zu machen, konnte Beate Benz in diesem Jahr elf Boizenburger Unternehmen gewinnen, die beim EPD mitmachten. Die meisten von ihnen gewährten ihren Kundinnen am Sonnabend genauso viel Prozent Rabatt, wie sie jährlich im Geldbeutel weniger haben als die Männer.

„Bei mir war heute mehr los als sonst“, schmunzelte Grit Franke vom Modegeschäft Franke Fashion. „Aber nur die Hälfte meiner Kundinnen wusste vom EPD. Das ist der richtige Tag für ein Dankeschön an sie. Ich finde das Anliegen des EPD wichtig!“

Optiker Schröder auf der Siedlung bedauerte, dass er an diesem Tag nur zwei Kundinnen hatte. „Viele wussten anscheinend nichts davon.“

Friseurin Tina Koch hatte sich mit ihren Kolleginnen Kristin Beese, Nancy Döscher und Azubi Paulina Weidner eine besondere Aktion für den Equal Pay Day ausgedacht, das „Frühlingserwachen“. „Ich finde der EPD ist wichtig für die Frauen“, meinte Tina Koch. „Man kann sich nicht immer aus allem raushalten. Und ich finde auch, dass wir hier in der Stadt zusammen halten müssen.“

Annett Eilfeldt, die Chefin des Fitness-Studios FIB am Bahnhof, fand ebenfalls: „Das ist eine tolle Aktion mit dem EPD, mal nur etwas für Frauen. Schade, dass es in diesem Jahr ein Sonnabend ist, da kommen traditionell weniger Frauen als Männer ins Fitness-Studio.“

Auch Eisen Heinrich, Gumz und Mieck, das Kino Boizenburg, Gehrke Optic, die Bäckerei Stenschke sowie die Boize und Sude Apotheke machten beim Equal Pay Day am Sonnabend mit.

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