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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 11:29 Uhr

Picher : Glaube als Sprung ins Ungewisse

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Pastor Matthias Galleck aus Picher ist ein nach Antworten Suchender und versucht sich neuerdings an der orientalischen Küche

svz.de von
erstellt am 02.Mai.2014 | 18:48 Uhr

Ja, was oder wer ist ein Christ? Diese Frage stellen wir „Gottlosen“ (Autor mit eingeschlossen) uns des Öfteren. Mögliche Antwort: Einer, der gemerkt hat, dass das Leben ein sagenhaftes Geheimnis ist. Und der glaubt, dass es einen gibt, der es lüften wird.

Glauben und Zweifel seien für ihn untrennbare Zwillinge, gesteht Matthias Galleck, seit 2001 Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde in Picher. Und damit zuständig für 702 Kirchengemeindemitglieder aus Picher, Strohkirchen, Warlow, Kummer, Mäthus, Bresegard bei Picher, Neu und Alt Krenzlin sowie Krenzliner Hütte. Er sei ein nach Antworten Suchender, sagt der gebürtige Nordhäuser. Und Sätze wie: „Glaube ist kein Besitz, sondern ein Bestärktwerden durch Menschen, Musik, eigene Erfahrungen und Worte aus der Bibel.“ Glaube sei mitunter aber auch ein Sprung ins Ungewisse, nichts Festgelegtes, Starres, sondern die Lebenskunst, Widersprüche auszuhalten. Im blühenden Garten hinter dem Pfarrhaus, beantwortete der 48-Jährige SVZ-Redakteur Thorsten Meier die beliebten Fragen zum Wochenende.

 

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Picher?

Zuhause, im Garten, dort, wo jetzt alles so herrlich blüht.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Nach dem Abitur war ich bei Tabak Nordhausen als Transportarbeiter beschäftigt. Die großen Tabakballen mussten getragen und gestapelt werden. Ein Knochenjob zwar, aber auch eine wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Wahrscheinlich gespart, aber das weiß ich wirklich nicht mehr so genau.

Was würden Sie als Bürgermeister sofort anders machen?

Ich würde sofort einen Jugendclub in Picher einrichten, damit die Heranwachsenden sich treffen können. Und einen öffentlichen Spielplatz bauen lassen.

Wo findet man Sie am ehesten?

Im Gespräch mit Menschen, auf der Straße oder im Laden.

Was würden Sie gerne noch können?

Gelassener sein, Unabänderliches akzeptieren. Es fügt sich so vieles, man muss nur darauf vertrauen.

Was stört Sie an anderen?

Überheblichkeit, Arroganz und Schwarz-Weiß-Denken.

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Jeder Lebensretter, der sein eigenes Dasein aufs Spiel setzt, um anderen zu helfen. Vor diesen Menschen ziehe ich meinen Hut. Und vor Leuten, die unbeirrt ihren Weg gehen, ohne egoistisch zu sein und sich selbst nicht aufgeben, die ihre Ansichten mutig vertreten.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Es ist mehr ein Bildband über die Werke des rumänisch-jüdischen Malers Arnold Daghani. Der Künstler mußte 1942 bis 1944 für eine deutsche Firma Zwangsarbeit im Straßenbau in der Ukraine verrichten. Seine grauenhaften Erfahrungen dokumentierte er in Bildern sowie einem Tagebuch, das als entscheidendes Dokument in den sechziger und siebziger Jahren in der Bundesrepublik diverse Ermittlungsverfahren gegen Nazi-Verbrecher auslöste.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich schaue gar kein Fernsehen, bin ein bekennender Radio-Hörer. Wenn, dann nur ausgewählte DVD’s.

Was bedeutet Ihnen Glück?

Dass ich so leben kann, wie ich lebe. In Freiheit, mit einer tollen Familie. Und mit meinem Glauben.

Was kommt bei Ihnen auf den Tisch? Griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?

Sehr gerne italienische Küche. Ich habe in letzter Zeit wieder das Kochen für mich entdeckt, besonders orientalische Küche probiere ich jetzt öfter aus. Das macht Spaß, und ich bin sogar ein bisschen stolz drauf.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Angela Merkel, das ist, wie ich finde, eine sehr interessante Frau und Politikerin.

Was werden Sie als Rentner machen?

Mich hoffentlich um ganz viele Enkelkinder kümmern dürfen. (lacht lausbubenhaft und grient eine Weile still in sich hinein). Als Rentner möchte ich mehr Zeit zum Lesen und Reisen haben.

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?

Eine Reise nach Israel und vielleicht auch noch Indien.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Ulrike und Georg Blume, zwei ehemalige Lehrer aus Picher, interessante Leute. Ich hoffe, sie machen mit.

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