Pogress : Glasfaser für öffentliche Gebäude

Hauchdünn und extrem schnell: Glasfaserkabel gelten als Medium für künftige Highspeed-Netze.
Hauchdünn und extrem schnell: Glasfaserkabel gelten als Medium für künftige Highspeed-Netze.

Wittendörper halten denkwürdige Sitzung ab: nach persönlichen Angriffen zeigen sie beim Breitbandausbau dann doch fast Einigkeit

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02. April 2018, 21:00 Uhr

Leicht machen sie es sich nicht. Und sie brauchen sich auch nicht vorwerfen lassen, dass sie nicht engagiert genug seien – ganz im Gegenteil. Der ein oder andere scheint übermotiviert. In den Sitzungen der Gemeindevertreter von Wittendörp geht es jedenfalls zur Sache, oft auch durcheinander. Das alles in einem rauen Ton und zuweilen in einem Jargon, der in einer politischen Diskussion eigentlich nichts zu suchen hat. Es sei denn, man ist Mitglied im englischen Parlament oder eben in der Gemeindevertretung von Wittendörp – in beiden Gremien scheinen jedenfalls persönliche Attacken an der Tagesordnung zu sein.

Apropos Tagesordnung, die gab es auf der jüngsten Sitzung der Gemeindeverteter Wittendörps in Pogreß auch. Ein Punkt darauf war der Breitbandausbau in der Gemeinde. Allerdings ging es dabei nicht um Privathaushalte, sondern nur darum, öffentliche Gebäude mit schnellem Internet zu versorgen und sie mit einem Glasfaseranschluss auszustatten. „Wir wollen die Kindertagesstätten in Dodow und Boddin anschließen lassen.“, erklärt Jana Berger vom Amt Wittendörp die Beschlussvorlage. „Die Frage ist nun, ob wir auch andere Gebäude gleich mit anschließen oder nur die Leitungen dorthin legen lassen.“

Hintergrund ist ein Angebot der Firma Wemacom. Diese könne laut Beschlussvorlage durch Förderung von Bund und Land einen Glasfaseranschluss kostenlos installieren. Natürlich nur, wenn auch ein Vertrag mit dem Internetanbieter abgeschlossen wird. Andernfalls, wenn nur die Leitungen gelegt werden, kostet ein Anschluss rund 600 Euro.

Bei 17 Gebäuden, neben den Kitas in Boddin und Dodow, hatten die Vertreter der Kommune also zu entscheiden, ob sie für Gemeindeverhältnisse viel Geld in die Hand nehmen. „Ich bin immer für sparen, aber man kann sich auch tot sparen“, meint Jürgen Nadzeika. „Ein Glasfaseranschluss gehört heute einfach mit dazu.“ So sieht es auch Jörn Koch: „Er gehört zur Grundversorgung, wie ein Strom- oder Wasseranschluss.“ Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zu dem Vorhaben. „Wer nutzt das denn? Ist das für die Kiddies und ihre Smartphones?“, fragt Georg Etmanski. „Ich bin nicht dafür, dass die Gemeinde die Gebühr für die Nutzer übernimmt.“

Und dann kommt er, so ein kleiner persönlicher Angriff. „Na, du nutzt es wahrscheinlich nicht. Mit alten Leuten kann man das einfach nicht bereden. Es geht darum, die Gemeinde ein bisschen attraktiver zu machen“, so Jürgen Nadzeika. Letzteres sehen die meisten anderen Gemeindevertreter genauso. Sie stimmen dafür, dass die beiden Kitas in Boddin und Dodow einen Anschluss sowie Vertrag erhalten sollen. Daneben werden auch die meisten Feuerwehren und Gemeinderäume Wittendörps zumindest mit einem Anschluss ausgestattet. Lediglich die Feuerwehren in Dreilützow, Woez und Püttelkow gehen komplett leer aus.

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