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Vorwurf vor dem Hagenower Gericht : Gewalttäter würgt Freundin bewusstlos

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Der vorbestrafte Silvio S. aus Neu Brenz soll seine damalige Lebensgefährtin nach einem Streit am Morgen des 2. Februar 2013 bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Er bestreitet die Tat jedoch.

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erstellt am 10.Jun.2013 | 10:12 Uhr

Hagenow/Neu Brenz | "Sie mochte es, ein bisschen härter angefasst zu werden", sagt Silvio S. gestern im Hagenower Gerichtssaal. Der Angeklagte klatscht dabei mit der Faust in die Handfläche. Blümchensex sei nicht ihr Ding gewesen. Von hinten, harte Griffe unterm Hals, an den Schultern, "am Hintern, an den Titten", beschreibt er die Praktiken vom Tatabend.

Der Vorwurf: Der vorbestrafte Silvio S. aus Neu Brenz soll seine damalige Lebensgefährtin nach einem Streit am Morgen des 2. Februar 2013 bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Mit beiden Daumen drückte er immer fester auf den Kehlkopf, so die Staatsanwältin. "Na, wie fühlt sich das an?", soll der 35-Jährige gefragt haben. Mit letzter Kraft und röchelnder Stimme konnte die 20 Jahre alte Freundin ihre Mutter anrufen. Die verständigte sofort die Polizei. Beamte finden die junge Frau später bewusstlos in der gemeinsamen Wohnung - mit dem Gesicht im Sofa und Schaum vor dem Mund. Es habe Lebensgefahr bestanden, sagt die Staatsanwältin.

Silvio S. bestreitet die Vorwürfe. Mit leiser Stimme nuschelt der schmal gebaute Mann seine Version in den Raum: Es hatte an der Tür geklingelt. Er stand auf, ging durchs Wohnzimmer, um zu öffnen. Und "sie lag schon da. Ich wusste gar nicht, was los war", beteuert Silvio S.. "Schatz, warum machst du nicht die Tür auf?", habe er gefragt. "Kümmert man sich da nicht eher um seine Freundin?", fragt Richter Thomas Rehbein. Und: Was denn aus seiner Sicht der Grund gewesen sei, warum seine Freundin bewusstlos da lag? Sie habe öfter mal Atemprobleme, erklärt Silvio S.. Asthma.

Der Widerspruch: In Briefen aus der JVA Bützow an seine damalige Freundin entschuldigt sich der Angeklagte mehrfach, aber unkonkret. "Es hätte nie soweit kommen dürfen... Das war der größte Fehler meines Lebens...", zitiert Thomas Rehbein. "Ich möchte wieder alles gut machen." Und: Zu den Spuren am Hals solle sie der Polizei sagen, dass sie beide auf harten Sex stehen. Nur ein Grund, warum auch versuchte Einflussnahme auf Zeugen im Raum steht.

Aber "wofür entschuldigen Sie sich eigentlich ständig?", hakt der Richter angesichts der "rührenden" Zeilen nach. "Was hat Sie denn in den Knast gebracht?" "Pwww..." Der Angeklagte atmet tief durch und stammelt. "Die Beleidigungen, der Alkohol... Für das ganze", sagt er.

Der Neu Brenzer ist mehrfach vorbestraft. Aus der Haft ging es in die U-Haft. Er saß bereits wegen körperlicher Misshandlungen seiner Ex-Freundin und deren neuen Freund. Er lauerte ihnen mehrfach auf, trat auf sie ein. Ende 2011 fuhr er betrunken zu ihr nach Hause, wollte seine Tochter sehen. Sie lehnte ab, wollte die Polizei rufen. Er nahm ihr das Handy, drückte die andere Hand in ihr Gesicht, den Daumen in ihren Mund, bis ins Wohnzimmer aufs Sofa. Die damals vier Jahre alte Tochter schrie aus Angst vor ihrem Vater. Mit einem Faustschlag ins Gesicht der Ex-Freundin verabschiedete sich Silvio S. wieder. Die Mutter beschimpfte er später noch per Handy-Nachrichten. "Du fette Sau. Du Schwein machst mein Leben kaputt, Du kranke..."

Zum aktuellen Vorwurf: Seine neue Freundin kann gestern aus Zeitgründen nicht mehr als Zeugin vernommen werden. Zusammen mit ihrer Mutter betritt die junge Frau nur kurz den Saal. Mit schwarzen High-Heels und engem kurzem Kleid. Sie wird sich in der Anschluss-Verhandlung am 20. Juni äußern. Genauso wie die vorherige Freundin von Silvio S.. Am 27. Juni geben dann Sachverständige aus Rechtsmedizin und forensischer Psychiatrie ihr Urteil ab.

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