Ludwigslust-Parchim : Gesucht: Die schlechteste Straße

Udo Brummund und sein Topfavorit auf den Wettbewerbstitel: die K 27 bei Luckwitz
Udo Brummund und sein Topfavorit auf den Wettbewerbstitel: die K 27 bei Luckwitz

Mit einem Wettbewerb will Udo Brummund maroden Zustand vieler Kreisstraßen aufzeigen. Opposition im Kreistag scheint begeistert

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19. Februar 2018, 05:00 Uhr

Es ist seine Art der Frustbewältigung. Mit Humor möchte Udo Brummund aus Gammelin auf den schlechten Zustand der K 27 zwischen seinem Heimatort und Dreilützow hinweisen. Vor allem der Streckenabschnitt bei Luckwitz nervt den Röntgentechniker. „Meine Frau fährt jeden Tag auf dieser Straße zur Arbeit. Wir sind aber nur Nutzer. Die Anwohner hier im Ort tun mir richtig leid.“ Und da doch irgendwer mal was machen müsse, hat er nun den Wettbewerb „Schlechteste Kreisstraße im Landkreis Ludwigslust-Parchim“ angeregt.

Einen konkreten Anlass dafür habe es laut Udo Brummund nicht gegeben. Es hätte sich seit langer Zeit etwas angestaut. Das Thema K 27 beschäftigt die anliegenden Orte nämlich schon seit vielen Jahren und genauso lange werden sie schon vertröstet. „Denn der für die Straße zuständige Landkreis hat schon mehrfach erklärt, dass für den sicherlich nötigen Ausbau der Straße schlicht kein Geld da ist“ - hieß es bereits am 27. April 2011 in dem SVZ-Artikel: „Die Staubgeplagten von der K 27“. Knapp sieben Jahre später, im Winter 2018, sind sie eher die Schlamm- und Schlaglochgeplagten.

Ein Grund für Udo Brummund nun erneut aktiv zu werden und auf die Missstände hinzuweisen. Dabei überlegte er eine Weile, wie er es am besten anstellt. „Es ist doch so: Auf Wutbürger machen, ist Quatsch, aber auch Nett saniert keine Straßen.“ Deshalb will der 53-jährige Ingenieur das Problem auf humorvolle, ungewöhnliche Art und Weise angehen.

In einem Brief an den Landrat und alle Fraktionen im Kreistag erklärt er : „Hiermit möchte ich anregen, in einen Wettbewerb um die schlechteste Straße im Landkreis einzutreten. Die K 27 zwischen Gammelin und der Auffahrt auf die L 042 wäre ein aussichtsreicher Kandidat. Ich empfehle einmal selbst von Wittenburg in Richtung Gammelin zu fahren. Sie werden nach wenigen Metern überzeugt sein, da Sie auf der „Sommerweg“-Seite unterwegs sind.“

In Luckwitz ist die befestigte Straße nämlich so schmal, dass sie mit einem Streifen aus Sand bzw. Schotter, den sogenannten Sommerweg, ergänzt wird. Bei Gegenverkehr müssen Autofahrer auf diesen ausweichen. „Der Sommerweg, eine nette Bezeichnung für eine Ansammlung von Schlaglöchern und Schlamm, wird vom Landkreis immer wieder amateurhaft in Stand gesetzt“, heißt es weiter in Udo Brummunds Brief. „Ich habe oft überlegt, warum der Landkreis Geld für sinnlose Versuche der Reparatur der Straße ausgibt, langfristig ist das doch ökonomischer Unfug.“ Allerdings, wäre die Straße schon von Grund auf saniert worden, könne man den Titel nicht mehr gewinnen. Deshalb schreibt er dem Landrat: „Ich glaube die K 27 hat, dank Ihrer Untätigkeit, wirklich Potential zu gewinnen.“

Dabei möchte Udo Brummund, wie er selbst sagt, nicht nur dem Landkreis die Schuld an den schlechten Straßen geben. „Eigentlich helfe ich dem Kreis durch solche Sachen, Druck aufs Land zu machen. Ich schätze Landrat Rolf Christiansen wirklich sehr, aber er muss auch zusehen, mehr Geld vom Land zu bekommen.“

Auf eine Antwort des Landrats wartet der Röntgentechniker bisher vergeblich. Dafür hat sich unter anderem Gustav Graf von Westarp gemeldet. Der Fraktionsvorsitzende „Umwelt, Piraten, Freie Wähler“ im Kreistag schreibt: „Einte tolle Idee. Das wird mit Sicherheit den Handlungsdruck erhöhen. Ich stifte als Wanderpokal einen defekten Stoßdämpfer mit Schleife.“

Auch „Die Linke“ hat bereits geantwortet. In dem Schreiben des Vorsitzenden der Kreistagsfraktion, Wolfgang Bohnstedt, heißt es: „So amüsant die Ironie Ihres Briefes auch ist, so sehr verstehe ich natürlich die zugrunde liegende Brisanz des Themas. Wie Sie richtig beschreiben, sind die Kreisstraßen politisches Dauerthema. Wie viele andere Landkreise in Deutschland schiebt auch Ludwigslust-Parchim einen enormen Investitionsstau vor sich her, ausgelöst durch strenge Konsolidierungsvereinbarungen zum Schuldenabbau mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern.“ Für 2018 seien im Kreishaushalt rund sieben Millionen Euro für Investitionen in den Straßenbau eingeplant. Auch wenn die Summe höher als in den vergangenen Jahren sei, decke sie nicht den gesamten Investitionsbedarf im Kreis.

Grund genug für Udo Brummund den Wettbewerb voranzutreiben. „Die Erneuerungsrate in der Infrastruktur ist unzureichend. Die Leute sind so frustriert, dass sie schon darüber streiten, wer die schlechteste Straße hat.“

Kennen auch Sie einen würdigen Anwärter auf den Titel: „Schlechteste Kreisstraße in Ludwigslust-Parchim“? Dann teilen Sie uns Ihren Favoriten mit. Per E-Mail unter hagenow@svz.de oder postalisch an: Hagenower Kreisblatt, Schweriner Straße 1, 19230 Hagenow

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