Treffen in Hagenow : Gestatten, wir sind die Bestatter...

Bestatter aus ganz Deutschland und Österreich trafen sich in Hagenow zum Erfahrungsaustausch. Empathie ist ihr täglich Brot. Tod und Trauer sind mehr als ein Geschäft.
Bestatter aus ganz Deutschland und Österreich trafen sich in Hagenow zum Erfahrungsaustausch. Empathie ist ihr täglich Brot. Tod und Trauer sind mehr als ein Geschäft.

Fachpersonal aus Deutschland und Österreich traf sich in Hagenow zum Erfahrungsaustausch. Von Tod, Trauer und den nackten Zahlen

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22. Januar 2018, 21:00 Uhr

Es mag für den Außenstehenden ein wenig befremdlich wirken, wenn sich Bestatter aus ganz Deutschland und sogar Österreich im Hagenower Bestattungshaus Kohlmann zu einem Erfahrungsaustausch treffen, und sich unter anderem über die Anzahl der jährlichen Beisetzungen, den damit verbunden prozentualen Anteil an Erdbestattungen, die Aufschlüsselung der Kosten oder die durchschnittliche Verweildauer der Leichname im Bestattungsinstitut austauschen. „Als Institut für Deutsche Bestattungskultur haben wir im vergangenen Jahr alle Betriebe angeschrieben, um das Interesse an einem gemeinsamen Austausch zu erfahren. Etwa zwanzig Betriebe haben dahingehend Interesse bekundet, so dass wir heute in Hagenow im Bestattungshaus von Kaj Rux beginnen können“, sagt Hermann Hubing, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Bestattungskultur (DIB) mit Sitz im hessischen Bad Wildungen, am vergangenen Sonnabend im Gespräch mit der SVZ. Sein Verband kritisiere schon seit langer Zeit, dass letztendlich jeder Bestatter werden könne. „Lediglich zwei Bedingungen müssen hierbei erfüllt werden. So sollte man nicht überschuldet oder noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sein. Aber sie brauchen keinerlei menschliche oder fachliche Qualifikation vorweisen“, gab Hubing zu bedenken. Deshalb komme diesen Treffen eine ganz besondere Bedeutung zu, um unter anderem auch den pietätvollen Umgang mit den Hinterbliebenen zu schulen. Kaj Rux, seit dem Jahr 2008 Geschäftsführerin und Eigentümerin des Bestattungshauses Kohlmann, kritisierte die fehlende rechtliche Grundlage. „Unser Bestattungsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern gibt uns keine Möglichkeiten zum Ahnden in die Hand. Zwar sind dort die Kriterien für die Aufgabenbereiche eines Bestatters eindeutig und unmissverständlich formuliert, allerdings fehlen sämtliche rechtliche Regularien“, bedauert Kaj Rux im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie sei als Vorstandsmitglied im Bestatterfachverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. mit Sitz in Sternberg sowohl vor als auch nach den Landtagswahlen in den Parteien vorstellig gewesen. „Das Bestattungsgesetz wurde zwar von uns überarbeitet, doch leider wurde dieses noch nicht in den Landtag eingebracht“, bedauert Kaj Rux. Seitdem im Jahr 2004 das Sterbegeld weggefallen ist, habe besonders die Anzahl der Sozialbestattungen deutlich zugenommen. Auch mit der Zahlungsmoral der Kunden habe die Bestatterbranche leider zu kämpfen. „Wir müssen als Geschäftsleute diesbezüglich Regularien schaffen, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen. Leider geht es dann nicht ohne Anzahlung, auch bei Sozialbestattungen“, sagt Kaj Rux. „Bestatter klagen dabei allerdings im Vergleich zu anderen Gewerken auf einem relativ hohen Niveau, weil im Hintergrund immer noch die moralische Keule mitschwingt. Trotz alledem nehmen diesbezüglich die Probleme zu“, bedauert Hermann Hubing. Der Erfahrungsausstauch der Bestatter soll in dieser Form auf jeden Fall fortgeführt werden. „Dann allerdings in einer kleineren Runde, um die Effektivität der Arbeit zu erhöhen“, sagt Hermann Hubing am Ende des Tages.




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