Fahrradtour : „Geschichtsradler“ in Vockfey

Die Radler-Gruppe an der Gedenkstätte in Vockfey.
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Die Radler-Gruppe an der Gedenkstätte in Vockfey.

Teilnehmer einer Radtour entlang der innerdeutschen Grenze machten Halt an Gedenkstätte und hörten Zeitzeugin der Zwangsaussiedlung

svz.de von
09. Juli 2014, 14:50 Uhr

„Man muss sich daran erinnern, wie es hier an der innerdeutschen Grenze war, welchen Repressalien die Menschen ausgesetzt waren. Menschen sind ideologisch beeinflussbar und die Demokratie ist nicht garantiert, man muss dafür einstehen.“ Andreas Eigendorf aus Wismar war einer von etwa 30 Teilnehmern einer Radtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die vor Kurzem einen Halt an der Mahn- und Gedenkstätte zur Zwangsaussiedlung in Vockfey machten. Organisiert hatte die Tour die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen der Stasi-Behörde und die Landeszentrale für Politische Bildung MV. Begleitet wurden die Teilnehmer durch die Autorin des kürzlich erschienen Buches „Ihr könnt doch nicht auf mich schießen!, Die Grenze zwischen Lübecker Bucht und Elbe“, Sandra Pingel-Schliemann.

Eigendorf hat das Angebot im Internet entdeckt und auch seinen zwölfjährigen Sohn Timm mitgenommen. Der ist in der Gruppe der jüngste Teilnehmer. Etwa die Hälfte der Radler auf historischen Spuren sind Schüler aus 11. Klassen des Gymnasiums Eldenburg. Als sie in Vockfey ankommen, haben sie schon einige Kilometer in den Beinen, Vockfey ist vor Hitzacker die vorletzte Station auf dem 140 Kilometer langem Trip, der vor drei Tagen vorher in Herrnburg gestartet war. Sie haben Museen und Gedenkstätten besucht und Gespräche mit Zeitzeugen geführt.

In Vockfey warteten die Autorin Karin Toben und Zeitzeugin Marie-Luise Busse auf die Radler. Es ging um das Thema Zwangsaussiedlungen. Karin Toben ist Verfasserin des Buches „Heimatsehnen“, in dem sie die Geschichten von 20 Familien, die aus dem Amt Neuhaus zwangsausgesiedelt wurden, erzählt. Sie liest vor, was der Familie Voß aus Zeetze widerfahren war. Der jüngste Sohn, Udo Voss, konnte mit seiner Frau nach der Wende wieder in das Elternhaus einziehen. Er wurde am Tag, als die Radler in Vockfey waren, in Stapel beerdigt. Die Hofstelle von Magdalena Riecken wurde dem Erdboden gleichgemacht. Tochter Marie-Luise Busse fand in Brandenburg ein neues Zuhause, kommt aber immer wieder an die Elbe. Als sie den Radlern von ihren Erinnerungen an den 7. Juni 1952 erzählt, kann sie auch heut noch die Tränen nur schwer unterdrücken. Der Zettel „Aktion Ungeziefer“, den sie als Zwölfjährige am Eisenbahnwaggon, der sie aus ihrer Heimat wegschaffte, las, ist ihr unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt. Die „Geschichtsradler“ hörten bewegt zu und stellten noch viele Fragen.

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