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Gospelchor "The Ciscoes" aus Zarrentin : Gesang aus der Seele: Gospel

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Der Gospelchor "The Ciscoes" aus Zarrentin hat derzeit 26 Mitstreiter, Tendenz steigend. Elmar Roetz aus Drönnewitz leitet seit 2005 die sangesfreudige Truppe.

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erstellt am 27.Aug.2012 | 02:42 Uhr

Zarrentin/Drönnewitz | Balladen, die unter die Haut gehen, fetzige Rhythmen, die die Bühne zum Beben bringen. Das alles schafft der Gospelchor "The Ciscoes" e. V. mit seinen aktuell 26 Sängerinnen und Sängern. Das Ensemble sorgt bei seinen Auftritten für eine knisternde Atmosphäre, vermittelt eine Stimmung und den Sound, der die Zuhörer auf faszinierende Weise berührt. Diese menschliche Vielfalt spiegelt sich im abwechslungsreichen Repertoire und in der (welt)offenen Ausstrahlung der Gospel-Liebhaber wider.

Der Gospelchor aus Zarrentin konnte sich unter der Leitung von Elmar Roetz aus Drönnewitz mit seinen stimmungsvollen Konzerten einen guten Ruf erarbeiten. Längst wird die sangesfreudige Truppe auch für Familienfeiern und Anlässe verschiedenster Art gebucht.

Elegantes lila Halstuch ist ihr eindeutiges Erkennungszeichen

Das elegante lila Halstuch ist ihr eindeutiges Erkennungszeichen. Vor etwa sieben Jahren gab Pastor Jürgen Meister von der evangelischen Gemeinde den Anstoß zur Gründung. Er wollte damit den künstlerischen wie musikalischen Horizont von Konfirmanten erweitern. Mit Roetz, dem gebürtigen Niederrheiner, der seit 1998 in Drönnewitz lebt, wurde auch schnell ein kompetenter Chorleiter gefunden, der nun über die Mitglieder zwischen 20 und Anfang 70 den Stab führt.

"Meine Frau, Sabine Stein, und ich, wollten über die Musik etwas neues ausprobieren. Meine Frau kommt aus Norddeutschland, sie ist Schauspielerin, und wusste von einem Kollegen, der ganz in der Nähe eine Kate gekauft und ausgebaut hatte, wie schön es in und um Drönnewitz sein soll. Die Stille und Weite haben uns von Anfang an fasziniert. Das Leben hat uns hergespült und wir haben es noch keinen Moment bereut", erinnert sich der 47-Jährige. Sich selbst bezeichnet er schmunzelnd als freien Musiker und Lebenskünstler. Alles, was er könne, habe er sich selber beigebracht. So leite er nicht nur den Gospelchor sondern auch den Schaalsee-Chor in Zarrentin. Ebenso den Dorfchor in Rögnitz und einen Kammerchor in Hamburg. Er gäbe Klavierunterricht, spiele auf etlichen Orgeln in den Kirchen in und um die Schaalseestadt, musiziere auf Hochzeiten und Beerdigungen, böte Liedbegleitungen und Jazzprogramme. Er spiele auch in der fünfköpfigen "Stiff la Wolf Band", allesamt Leute aus der Region. "Ich sitze am Keyboard und texte und komponiere für die Jungs."

Um die Geschichte des Gospel nachvollziehen zu können, muss man eine Zeitreise in das Amerika des 16. Jahrhunderts machen und sich mit der Entstehung der Spirituals befassen. 1619 trafen die ersten aus Afrika verschleppten Sklaven im amerikanischen Bundesstaat Virginia ein. Sie wurden auf den großen Tabak- und Baumwoll-Plantagen zur Zwangsarbeit eingesetzt. Diese Arbeit war hart, kleinste Vergehen wurden streng und brutal geahndet. Die tiefe Verwurzelung der christlichen Kirche in der weißen Bevölkerung erklärt die Skrupel, Christen als Sklaven zu halten. So erklärt sich auch, warum niemand auch nur das geringste Interesse hatte, diese Menschen zu missionieren. Man hätte sie nicht mehr als Sklaven halten und einsetzen können. Diesem "Dilemma" entkamen die Sklavenhalter durch ein Gesetz im Jahr 1667, welches festlegte, dass der Übertritt eines Sklaven zum Christentum an dessen sozialer Stellung nichts änderte. Für die Entstehung der Spirituals wichtig zu wissen ist, dass die Afrikaner selbstverständlich Dinge aus ihrer Heimat mitbrachten: ihre Überlieferungen, ihren Mehrgottglauben und die religiöse Ekstase. So entstanden langsam eigenständige schwarze Kirchen und die afrikanische Religiosität vermischte sich mit der christlichen Lehre. Da Musik, Tanz und Gesang untrennbar mit dem afrikanischen Alltag verbunden war, wurde sie zu einem wichtigen Bestandteil der schwarzen Gottesdienste.

"Die Menschen müssen sich fallen lassen"

"Die Menschen müssen sich fallen lassen", erklärt Elmar Roetz, der überzeugt davon ist, dass auch die Deutschen die Seele des Gospels spüren können. Er selber lehne deutsche Texte ab, nur reine Originalversionen kämen für ihn in Frage. Wer Lust zum Mitsingen habe, sei jederzeit willkommen. Immer donnerstags um 19 Uhr werde in Zarrentin geprobt. Weitere Infos gäbe es unter der Telefonnummer 038853-20074.

"Man muss bei uns keine Noten können, doch eine gewisse Musikalität sollte schon dasein. Weil wir heute auch mehrstimmig singen", betont Roetz, der vor allem den Grove beim Gospel ganz besonders liebe. In der Gemeinschaft zu singen und sich zu bewegen, das lasse den berühmten Funken überspringen, gesteht der Musikliebhaber.

Bleibt letztlich nur noch die Frage zu beantworten, warum es gerade der Name "The Ciscoes" sein musste. Der Chor sei nun mal von je her in Zarrentin am Schaalsee beheimatet. Der Schaalsee sei bekannt für seine interessanten Fischbestände. Dazu gehörten eben auch die Maränen, die sich im englischen als Ciscoe bezeichneten, erklärt der Wahl-Drönnewitzer.

Ach, ja, übrigens: Am Sonnabend gab der mittlerweile über die Region hinaus bekannte Chor sein einstündiges Sommerkonzert in der Zarrentiner Kirche St. Petrus und St. Paulus. Auf dem Programm standen natürlich in erster Linie wieder Gospels und Spirituals, aber auch Blues und flotte Weisen, mehrstimmig und zum Teil a cappella vorgetragen. Das nächste Konzert findet am Sonntag, dem 9. September, um 15 Uhr in Picher beim Gemeindefest statt. Wer mag, kann die Zarrentiner auch am Sonnabend, dem 22. September, um 17 Uhr in der Marsower Kirche erleben. Am Dienstag, 30. Oktober, gastiert der Gospelchor anlässlich der Stunde der Musik 19 Uhr im Wittenburger Rathaus.

"Gospel ist Balsam für die Seele, ist Glauben singen, den Fragen und Hoffnungen Töne zu geben. Und es macht Spaß. Wer Herzen bewegt, bewegt die Welt", sagt Elmar Roetz auf die Frage, was Gospel ihm ganz persönlich bedeute.

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