Selbsthilfe bei Parkinson : Gemeinsam gegen Isolation

Prof. Dr. Björn Hauptmann bei seinem Vortrag bei der Regionalgruppe des dPV in Boizenburg.
Prof. Dr. Björn Hauptmann bei seinem Vortrag bei der Regionalgruppe des dPV in Boizenburg.

Die regionale Parkinsongruppe für Betroffene und ihre Angehörigen trifft sich einmal im Monat in Boizenburg/Vortrag zu Sport- und Kunsttherapien

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04. April 2017, 13:30 Uhr

Zittern, ein schaukelnder Gang, Freezing - all das zählt zu den typischen Symptomen der Parkinson-Erkrankung. 300    000 Menschen leiden in Deutschland darunter, 23  000 davon sind in der Selbsthilfe-Vereinigung „Deutsche Parkinson Vereinigung“ (dPV) mit 450 Regionalgruppen organisiert. Eine davon ist die Regionalgruppe Boizenburg für Betroffene und ihre Angehörigen, die Jochen Weeck leitet. Seine Frau erkrankte 2005 an Parkinson.

„Im Moment sind wir etwas über 20 Mitglieder. Wir waren aber auch schon mal über 40. Aber einige sind inzwischen verstorben oder kommen einfach nicht mehr“, meint der Regionalgruppenleiter am Rande eines Vortrags zu aktuellen Erkenntnissen der Parkinsonforschung. Die Gruppe gibt es seit 2011 und sie entstand auf Anregung der Landesbeauftragten für Parkinson. „Wir treffen uns immer am letzten Mittwoch im Monat um 15 Uhr im Waldhotel Schwartow“, erklärt Jochen Weeck. Bei diesen Treffen gibt es immer ein Programm und: „bei jedem Treffen wird eine Gymnastik durchgeführt. Bänder nicht vergessen!“ heißt es in der Einladung.

„Alle Gruppenmitglieder freuen sich schon immer auf die Treffen“, kann Weeck erzählen. Denn die Krankheit ist bei den Betroffenen oft mit einer zunehmenden Depression und einer daraus folgenden Isolation verbunden, die dann auch schnell die Angehörigen belasten kann.

Genau dieser Aspekt war ein Teil des Vortrags, den Prof. Dr. Björn Hauptmann von der Fachklinik für Parkinson und Bewegungsstörungen an den Segeberger Kliniken im Waldhotel Schwartow hielt. Denn neben den eingangs genannten Symptomen gehören eben auch Stimmungsschwankungen, Schlaf- und Sprechstörungen zu der Krankheit. Und gerade diese Symptome würden viele Angehörige als belastender empfinden als motorische Einschränkungen. Diese standen bisher jedoch vor allem im Focus der Ärzte, wie Prof. Hauptmann ausführte. „40 Prozent der Angehörigen berichten von einer Verschlechterung des eigenen Zustandes“, erklärte der Fachmann den Zuhörern, „es gibt eine hohe Depressionsquote.“ Zusätzlich würde sich eine zunehmend eingeschränkte Erwerbstätigkeit der Angehörigen durch die fortschreitende Erkrankung des zu Pflegenden negativ auswirken. „Denn dadurch werden die Kontakte weniger und die Isolation nimmt zu.“ Frauen würden die Pflege des Erkrankten mit allen Folgen als belastender empfinden als Männer in derselben Situation.

„Aber es gibt künstlerisch-aktivierende Therapien für Parkinson-Patienten, die auch zusammen mit den Angehörigen möglich sind“, konnte Prof. Hauptmann den Anwesenden mitteilen. Tanz beispielsweise, und dabei vor allem Tango Argentino, hätte sehr positive Effekte auf Parkinsonerkrankte. Nach einer aktuellen Studie von 2014 konnten die Forscher nach zwei Jahren Tango sehr positive Effekte feststellen. Der Krankheitsverlauf wurde nicht nur aufgehalten, sondern es konnte sogar eine leichte Verbesserung registriert werden.

Aktivität generell und Bewegung im besonderen würde zur Entstehung von neuen Nervenzellen im Gehirn und zu neuen Nervenverbindungen führen. Das ist wichtig bei Parkinson, weil durch die Krankheit die Nervenzellen im Gehirn absterben, die für die Produktion des Botenstoffes Dopamin zuständig sind, der die Körperbewegungen steuert. Sportliche Bewegung wiederum stärke das Immunsystem, verbessere den Blutfluss und führe zur Ausschüttung von Wachstums-Hormonen. Und Tango führe zu einer Verbesserung des Gleichgewichts und durch den Spaß zu einer Erhöhung der Lebensqualität.

„Sollte man Tango besser mit oder ohne den Partner tanzen“, fragte der Professor in die Runde. „Ohne“, kam es von einer Frau wie aus der Pistole geschossen, wofür sie im Saal herzliches Lachen erntete.

Am 11. April ist übrigens Welt Parkinson Tag.

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