Wir in Kogel : Ort der Raritäten

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Karte: Stepmap, 123map, OpenStreetMap, ODbL 1.0

Ehrenamtliche Bibo ist nicht nur ein Rückzug für Leseratten, sondern auch Treff

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28. März 2016, 17:31 Uhr

„In meiner Jugend war ich nach diesen Groschenromanen total verrückt“, verrät Volker Nickel schmunzelnd und hält ein altes Buch hoch, auf dessen Deckel groß und breit „Der Schwarm- von Perry Rhodan“ geschrieben steht. „Das ist nun mal das Gute an unserer Bibliothek in Kogel, wir haben hier noch Raritäten. Das kommt daher, dass die Leute immer fleißig ihre ausgelesene Lektüre spenden“, erklärt der 77-jährige Kogeler im SVZ-Gespräch. Ganz unscheinbar, hinter dem örtlichen Kindergarten, befindet sich die Bibo  samt 4000 literarischer Werke, die jeden ersten und zweiten Dienstag im Monat ausgeliehen oder auch nur mal durchgestöbert werden können. „Wir sind froh, dass uns die Gemeinde einen extra Raum zur Verfügung gestellt hat. Im März 2009 haben wir unsere Bibliothek eröffnet und es herrscht hier so gut wie immer reger Andrang“, sagt Beate Hoffmann, Vorsitzende des Vereins „Das Dorf für Alt und Jung“ e.V. in Kogel, der sich 2007 gegründet habe. „Wir Mitglieder des Klubs beabsichtigten, das Dorfleben lebendiger zu gestalten, Beziehungen intakt zu halten und Treffpunkte vor Ort zu errichten. Hier gibt es keinen Konsum und keine Gaststätte mehr, aber irgendwo müssen sich die Einwohner doch treffen können“, sagt sie. Daher sei sie sehr froh, dass es den Jugendclub, den Spielplatz sowie die Bücherei gäbe, die ehrenamtlich durch Volker Nickel betrieben werde. „Sobald ich geöffnet habe, dauert es nicht lange und es  kommen die Menschen in Scharen herein. Leihen Bücher aus oder schauen sich nur mal um. Manche kommen auch nur zum Klönen. Selbst Jugendliche und Kinder sieht man hier oft“, ergänzt der gebürtige Lübecker. Die Besucher könnten sich die Bücher unbegrenzt ausleihen. „Manche kommen und gehen mit riesigen Stapeln unter den Armen“, stellt Nickel fest und lacht.

Beate Hoffman geht zu einem der vielen Bücherregale und holt ein altes DDR-Kinderbuch hervor, auf dem „Ottokar“ steht. „Die Bücher von damals sind so liebevoll und bunt gestaltet“, sagt sie und streicht sachte über den Bücherrücken. „Selbst ich luschere ab und zu gerne mal hinein“, gesteht sie. „Wir haben auch ein gesamtes Regal mit der Überschrift ‚Gegenüberstellung: Ost-West‘“, sagt Nickel und zeigt ganze Stapel und Ansammlungen von alten historischen DDR- und BRD-Büchern. „Damals sind viele Leute aus dem Westen nach Kogel gezogen und es war uns wichtig, sie einander näher zu bringen. Das schafft man am besten, indem man sich mit Hilfe der Literatur über die Vergangenheit des anderen befasst und vielleicht so schon einmal mehr Verständnis für den jeweils anderen aufbringen kann“, meint Beate Hoffmann, die ebenfalls berufstätige Lehrerin und seit vier Jahren Hypno-Coach ist. „Etwa 2000 Bücher bekamen wir damals durch die Lassahner Schulauflösung. 

Er, Nickel, sei zwar  kein Mitglied des Dorfvereins, aber dafür sehr aktiv im Rentnerclub und eine kleine Leseratte, so sagt er. Beide Vereine und der Jugendclub würden jedoch so oft wie möglich versuchen gemeinsam Veranstaltungen in Kogel auf die Beine zu stellen, führt die 55-jährige Beate Hoffman weiter aus. Unteranderem kümmere sich der Verein auch um die Unterstützung bei Sportfesten, dem Kinderbasteln sowie Veranstaltung des Jugendclubs und der Seniorenweihnachtsfeier.

Volker Nickel und Beate Hoffmann mögen ihr Dorf sehr. „Ich habe hier viele Freunde gefunden, obwohl ich gebürtig aus dem Westen stamme“, scherzt Nickel. Beate Hoffmann nickt zustimmend: „Es ist ein wunderbarer Ort. Der Wald ist direkt vor der Haustür und am liebsten bin ich an dem Platz ‚Amors-Ruh‘, mitten im Wald.“

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