Wir in Bandenitz : Nudel-Otto an der Autobahn

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Karte: Stepmap, 123map, OpenStreetMap, ODbL 1.0

Unscheinbarer Imbiss mit rustikalem Charme, Hausmannskost, Klatsch und Tratsch

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21. März 2016, 12:00 Uhr

„Na, Schätzelein. Mit roter Beete?“, fragt Antje Ebert. Die Frau in orangefarbener Straßenmeister-Kluft nickt und geht mit ihrem Kollegen in die Raucherzone, in den „Wintergarten“. Sie warten auf den Mittagstisch. „Ich komme gern hierher“, sagt sie. Ihr Kollege stimmt zu. Nicht nur wegen des guten und günstigen Essens. „Es ist immer lustig. Otto muntert einen auf.“ Nudel-Otto heißt eigentlich Frank Ebert und führt seit 14 Jahren den Imbiss „Zum Frühaufsteher“ direkt an der Autobahn. Der 48 Jahre alte Hagenower baut den einstigen Imbiss-Wagen selbst um und bietet seitdem 30 Plätze für Frühstücker und Mittagesser. Von der Oma aus dem Dorf bis hin zu feinen Herren mit noblen Karossen kehren sie bei ihm und seiner Frau Antje ein. Dabei bekommen sie so einiges an Klatsch und Tratsch mit, was sie eigentlich gar nicht wissen wollen.

Der Zufall macht den Kfz-Schlosser zum Imbissbetreiber. Er ist arbeitslos, als er von der Option erfährt. Da entsteht die „Schnapsidee“: Ein Imbiss, wie er ihn sich als jahrelanger Montagearbeiter gewünscht hätte. Rustikal, gemütlich, locker. Mit Brötchen und Spiegelei zum Frühstück und selbstgemachter Hausmannskost zum Mittag.

Der Anfang ist jedoch schwer gewesen. „Zwei, drei Jahre haben wir wirklich gekämpft“, erinnert sich Antje Ebert. Dann etabliert sich ihr Angebot. Heute leben die Betreiber von den vielen Stammgästen – Rentner, Familien, Arbeiter aus dem Dorf – und von den Pendlern in Richtung Hamburg. „Manche sind fast jeden Tag hier.“

Ab 5 Uhr morgens steht Frank Ebert hinterm Tresen. Dutzende Eier türmen sich neben dem Gasherd. „Die brauchen wir hier“, sagt er und lacht. Und so habe er sie immer griffbereit. Fürs Bauernfrühstück zum Beispiel. Das sei dort der Renner.

Frank Ebert steht am Herd, seine Frau Antje bedient die Gäste. „Komm rein, Ömchen“, sagt sie zu einer Seniorin, die gegen 12 Uhr den Imbiss betritt. „Was möchtest du essen?“ Die Rentnerin setzt sich, als der nächste Gast eintritt. „Tag Franz, willkommen im Irrenhaus.“

Der Jargon lockert auch die Zungen so mancher Kunden. „Jeder erzählt, was er weiß“, sagt Frank Ebert. Das sei wie beim Friseur, so seine Frau. Ob Kummer, Sorgen oder ein schwerer Unfall – die Eberts wissen es sofort. Vom „tristen Äußeren des „Frühaufstehers“ sollten sich die Gäste nicht abschrecken lassen, sagt Antje Ebert. „Das Drinnen zählt.“

Der Beitrag ist Teil unserer Gemeindeserie. Die gesamte Seite lesen Sie in unserer Printausgabe am Montag.

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