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Wir in Gammelin : Dorf der Kümmerer

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gammelin ist schön aber nicht reich, die Gemeinde punktet mit ihren Aktiven

von
erstellt am 02.Apr.2016 | 08:55 Uhr

Sie waren Kreissieger, Landesgewinner und haben auch bundesweit im Dorfwettbewerb schon mal den zweiten Platz belegt. Gammelin hat für seine geringe Größe sehr viele Vereine, die auch noch extrem viel machen und anbieten. Der Jahresplan der Ereignisse in der Gemeinde fasst auch eng beschrieben mehr als zwei Seiten. Die Zahl der wirklich Aktiven im Dorf liegt jenseits der 50. Das ist das eine Gammelin, das des Faschings, des rührigen Schulvereins, der Sportfrauen, der Feuerwehr und der Kirchengemeinde, und und...

Doch es gibt auch das Gammelin der kaputten Straßen, das ohne Laden. Ein Dorf, das schön und abgelegen liegt und sich auch noch die Last der Trägerschaft einer Schule zumutet. Auch wenn es von außen her keiner glauben mag, die Gemeinde ist alles andere als reich. Die Gewerbesteuer bringt unwesentlich mehr ein als die Hundesteuer. Gammelin und Bakendorf sind, wirtschaftlich gesehen, Schlafdörfer im besten Sinne. Gut gelegen zwischen Hagenow und Schwerin, und in Nachbarschaft der Autobahn A 24. Doch Gammelin ist anders als andere, beweglich, trickreich, aktiv. „Früher konnte die Gemeinde noch die Vereine unterstützen. Heute ist es bei uns so, dass die Vereine die Gemeinde stützen“, fasst Bürgermeister Manfred Kebschull die Lage zusammen. Er hätte es gern anders herum. Seine Art, auf jeden Cent in der Gemeinde zu gucken, hat das kleine Gammelin bisher unbeschadet durch die Finanzwirren kommen lassen. Und es gibt ein Zauberwort im Dorf, dessen Wert niemand so richtig beziffern kann: Eigenleistungen.

Ob bei der Feuerwehr, bei der Sanierung in der Schule, einem der vielen Feste, immer sind Einwohner da, die ohne zu fragen mehr machen als sie müssten. Aber auch in Gammelin gibt es die große, schweigende Mehrheit, die nicht aktiv ist, die sich aber wenigstens von den Angeboten, die gemacht werden, inspirieren lässt. Am Ende geht es ums Geld. Die Siedlungsstraßen, die 25 Jahre alt sind, müssten gemacht werden. Die völlig kaputte Kreisstraße, die nach Wittenburg führt, ist wie ein Fluch für Gammelin. Und niemand kann sagen, wann man von dem durch Sanierung befreit wird. Trickreich hat sich Gammelin seinen Zugang zum schnellen Internet gesichert, es gibt einen Schulwald, ein Backhaus, an dem auch der gleichnamige Minister seinen Anteil hat. Die Feuerwehr hat von ihrer Partnerwehr in Berlin-Schönefeld profitiert. Doch das alles hängt von einigen wenigen ab, die sich kümmern. Und nicht wenige fragen sich, was aus Gemeinde wie Gammelin wohl werden wird, wenn die Generation der Kümmerer in wenigen Jahren abtritt.

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