Wir in Karft : Der Herr über die Holzschieber

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Bäcker- und Konditormeister Erik Puhlemann hält die Familientradition hoch

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01. August 2016, 11:00 Uhr

Der Beginn des Bäckerhandwerks wurde in grauer Vorzeit wahrscheinlich vom Zufall begünstigt: Ein Rest Getreidebrei, der in der Sonne vergessen worden war, oder zufällig verschüttet auf einem heißen Stein landete, buk so vielleicht zum ersten Fladenbrot.

Ein Gedanke, der Erik Puhlemann, gefallen dürfte. Der 60-Jährige betreibt in der örtlichen Dorfstraße in zweiter Generation das immer mehr vom Aussterben bedrohte Handwerk. „Die Bäckerei hat mein Vater Bruno Puhlemann 1949 gegründet, ich habe den Betrieb 1980 übernommen“, erinnert sich der gebürtige Karfter. Sein Start sei begleitet worden von Engpässen der DDR-Mangelwirtschaft, rekapituliert der Bäcker- und Konditormeister heute schmunzelnd. „Es gab nicht viel. Rohstoffe waren knapp, Südfrüchte wurden zugeteilt.“ Heute backt Kuhlemann alles, was auf dem Dorf benötigt wird. Brot, Brötchen und Kuchen. Die Kundschaft aus nah und fern dankt es ihm mit Treue. Nicht nur wegen des phänomenalen Streuselkuchens, der so schmeckt, als käme er geradewegs aus dem Paradies. „Beliebt ist auch unsere selbst kreierte Schwänchentorte. Die gibt es schon seit 35 Jahren und sie wird gern für Hochzeiten, Jubiläen jeder Art sowie Geburtstagen bestellt“, wirft Ehefrau Heidrum im Gespräch mit der Redaktion in die Runde. Sie hält ihrem Mann den Rücken frei, managt den Verkauf im Laden, in dem die Türklingel nie stillzustehen scheint. Sie, die aus Gresse stammt, hat Kuhlemann vor 19 Jahren in Büchen im Freibad kennengelernt. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, gesteht der Bäckersmann. „Man hat gleich unverpackt gesehen, was man bekam“, grinst er spitzbübisch und erntet dafür neben einem Knuff an die Schulter auch einen liebevollen Blick seiner Holden.

Eigentlich wollte Erik Kuhlemann Koch werden, doch der Familienbetrieb bedeutete auch ein bisschen freiwilligen Zwang. „Ich lernte in einer Großbäckerei, arbeitete auch eine Zeit lang dort, um schließlich festzustellen, das es in diesem Umfang nicht mein Ding ist. Ich habe es nie bereut, in die Fußstapfen meines Vaters getreten zu sein“, rekapituliert der Karfter heute. Zumal er sich als zweites Standbein heute erfolgreich den Partyservice aufgebaut habe. Von der Suppe bis zum Dessert, sei alles möglich. „Man muss sich heutzutage schon was einfallen lassen, wenn man überleben will. Nur mit Backwaren reicht das längst nicht mehr“, sagt Kuhlemann nachdenklich und betont Sekunden später, dass es die Rezepte des Vaters seien, die von der Kundschaft so geschätzt würden.

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