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Die „Lütten Hütte“ aus Boizenburg : Geht Ära des Hexenhauses zu Ende?

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Der Boizenburger Stephan Schlegel hat lange an seiner „Lütten Hütte“, die alle nur das „Hexenhaus“ nennen, gebaut. Nun steht zu befürchten, dass es zugebaut wird, weil auf der Nachbarschaft ein Mehrfamilienhaus entsteht.

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erstellt am 13.Apr.2012 | 07:40 Uhr

Boizenburg | Zum 18. Mal öffnen hunderte Künstler aus verschiedenen Genres vom 26. bis 28. Mai zur Aktion "Kunst offen" ihre Galerien, Werkstätten, Ateliers und Ausstellungen für den Besucher und bieten zusätzliche Programme und Mitmachaktionen an. Das lange Pfingstwochenende wird auch Stephan Schlegel nutzen, um seine "Lütte Hütte" am Bollenberg 1 zu präsentieren. Vielleicht sogar zum allerletzten Mal.

"Ich hatte mich schon im letzten Jahr für diese Kunstaktion angemeldet. Deshalb werde ich mich auch in diesem Jahr wieder beteiligen, um am Sonntag von 10 bis 17 Uhr Bilder, Malereien, Grafiken, Aquarelle und Keramiken von ortsansässigen Hobby-Künstlern und Töpfern wie Frederike Schmidt rund um das kleine Hexenhäuschen zu zeigen", erklärt der 52-Jährige, dessen Wiege unverkennbar am Dialekt im Thüringischen gestanden hat. Seit 2003 lebt Schlegel in Boizenburg. "2011 konnten wir etwa 150 Besucher begrüßen. Selbst der NDR hat hier bei uns gedreht. Wir kamen mit dem Kaffee-Kochen gar nicht mehr nach", berichtet er schmunzelnd. Dann erstirbt jedoch sein Lächeln. Mit dem Finger weist er auf einen Bauzaun in unmittelbarer Nachbarschaft. "Dort entsteht fast an der Grundstücksgrenze ein großes Wohnhaus für acht Familien. Geplant ist auch ein Lagerraum, der bis an die Hütte rangehen soll. Eine Seite wäre dann völlig zugebaut", sagt Schlegel. Das wäre dann das Ende seiner selbst gebauten Hütte. Dieser traurige Umstand würde nicht nur ihn betrüben, sondern auch viele Einheimische. "Die Stadtführer haben das Hexenhäuschen bereits fest auf ihrem Routenplan. Es ist längst eine Sehenswürdigkeit in der Region. Viele Besucher kommen eigens dafür her, um sich das winzige Gebäude, das eine Grundfläche von etwa fünf Quadratmetern aufweist, anzuschauen und zu staunen", sagt Schlegel und streicht liebevoll über die alten Balken. Im Innern der lütten Hütte steht ein Tisch, kleine Bänke laden zum Verweilen und Träumen ein. Eben eine andere, märchenhafte Welt, die den Gast empfängt.

"Wenn hier wirklich alles zugebaut wird, kann ich die Hütte auch gleich abreißen. Denn das würde schon etwas komisch aussehen. Wer sie also nochmal sehen möchte, sollte sich den Termin zu Pfingsten nicht entgehen lassen", rät Stephan Schlegel. Im letzten Jahr hatten er und seine Mitstreiter mit Türen, die sie in der Straße aufgestellt hatten, für die Ausstellung geworben.

"Das hat den Leuten damals sehr gefallen", erinnert sich der Wahl-Boizenburger, der sich ehrenamtlich bei der Mobilen Bücherei einbringt und immer mittwochs Kindern im örtlichen Plattenbaugebiet Am Weg der Jugend Lust aufs Lesen macht.

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