zur Navigation springen

Illegales Feiern und Zelten bei Moraas : Gegen Wildcamper: Landwirt sprüht mit Gülle

vom

Weil Partygäste am Sonnabend uneinsichtig waren und einen Acker bei Moraas nicht freiwillig verlassen wollten, besprühte der Landwirt ihre Autos, Zelte und Sachen mit Gülle.

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2012 | 06:41 Uhr

Moraas | Illegales Feiern und Zelten in der Natur richten in der Region großen Schaden an, wie nach dem Vorfall am Wochenende bei Moraas laut wurde. Landwirte können ihren Kollegen deshalb gut verstehen, der am Sonnabend eine Party auf recht drastische Weise beendete, nachdem mehr als 40 junge Leute auf seinem Acker zu lauter Musik tanzten (SVZ berichtete).

Er selbst wollte sich gestern gegenüber der SVZ nicht dazu äußern. Dafür berichteten Kollegen auf Nachfrage von ähnlichen Erfahrungen und den wirtschaftlichen Verlusten durch solch exzessive Sommerausflüge. Doris Schell vom Landwirtschaftsbetrieb Lothar Schell in Moraas kennt die Folgen vor allem für die Viehhalter nur zu genau: "Der Landwirt bestreitet mit den Futterflächen seinen Lebensunterhalt." Er sei auf gutes Futter angewiesen. In den nahe gelegenen Sudewiesen ihres Familienbetriebes aber ließen sich öfter Wildcamper nieder, die alles platt fahren und treten, Lagerfeuer veranstalten und Müll und Unrat hinterlassen. Bei der Futterernte in den Wiesen mit dem Rufnamen "Zur Hölle" gebe es dann mitunter die eine oder andere Überraschung: zurückgelassenes Totholz etwa, das den Klingen der Mähmaschine in die Quere kommt. "Das kann einen Schaden von tausenden Euro anrichten", so Doris Schell, die darüber schon oft mit Jugendlichen gesprochen hat. Meist seien die dann auch einsichtig gewesen.

Kollege Dirk Schmüser aus Granzin sieht durch den Müll solcher Zeltausflüge sogar die Qualität seiner Milch in Gefahr. Schmutz, Unrat, schädliche Abfallstoffe auf Futterflächen - das alles könne ins Tier gelangen und schließlich in die Milch. "Und wir wollen und sollen hochwertige Nahrungsmittel liefern", betonte der Viehhalter. Er habe vor einigen Jahren eine ähnliche Situation wie sein Kollege aus der Nähe von Moraas erlebt und selbst gehandelt, um den Schaden gering zu halten. Denn wenn so viele Menschen auf den Flächen ungeachtet der Natur hausen, sei das schon ein Problem.

Die Polizei in Hagenow weiß um die illegalen Camper in der Region. Jedoch komme laut Revierleiter Uwe Mathews kaum ein Vorfall zur Anzeige. Viele würden die Sache dulden. Wenn allerdings etwas beschädigt wird, sollten Landwirte den Weg zur Polizei nicht scheuen. Mathews sieht aber noch ein anderes Problem: An heißen und trockenen Wochenenden wie dem vergangenen seien solche Partys potenzielle Gefahrenquellen für einen Waldbrand.

Wie er, appelliert auch Landwirt Dirk Schmüser an die Vernunft der vermeintlichen Naturfreunde. "Sie sollten das Eigentum anderer mehr achten und die ausgewiesenen Plätze für ihren Zeltausflug nutzen." Ein Ansatz, der Vorfälle wie am Sonnabend bei Moraas verhindern könnte. Weil die Partygäste dort uneinsichtig waren und den Acker nicht freiwillig verließen, besprühte der Landwirt ihre Autos, Zelte und Sachen mit Gülle. Die Strafanzeige der Feierlustigen gegen den Bauern liegt jetzt dem Staatsanwalt vor, der laut Revierleiter Mathews über den Fall entscheiden werde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen