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Flüchtlinge in Wittenburg : Gefangen in deutschen Vorschriften

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Viele in Wittenburg untergebrachten Flüchtlinge müssten sich jetzt eigentliche eine Wohnung suchen, doch das ist enorm schwer

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 21:00 Uhr

„Ich habe so langsam das Gefühl, dass hier alle Behörden ziemlich überfordert sind.“ Jürgen Baumgarten, Unternehmer aus Wittenburg, darf das in Sachen Flüchtlinge  sagen, hat er doch auf seinem Gelände seit Monaten 150 Flüchtlinge untergebracht. Offiziell läuft das unter Erstaufnahme, doch die geht  nicht ewig. Vor allem dann nicht, wenn sich der Status der Flüchtlinge ändert. Für gut 40 seiner Bewohner kann Baumgarten das schon bestätigen. „Sie haben einen Bescheid bekommen und müssten sich jetzt eine Wohnung suchen. Aber wie das gehen soll, das ist unklar. Klar ist nur, dass die Miete für die Wohnungen dann vom Jobcenter kommen soll. Bisher rechne ich die Unterkünfte mit dem Landkreis ab. Das geht aber eigentlich nicht mehr.“ Die deutschen Vorschriften wollen es aber so. Wer aus der Erstaufnahme raus ist, wird aus einem anderen Topf bezahlt und muss sich eine Wohnung suchen. Doch wie das in der Praxis gehen soll, weiß offenbar niemand so genau. Der Unternehmer, der wegen seines Engagements mal als „Asylmeister“ beschimpft oder auch als „geldgierig“ bezeichnet wird, kann da im Moment auch nicht helfen. Seine „Mieter“ kommen dennoch täglich zu ihm und seinen Mitarbeitern. Denn irgendwie scheinen die deutschen Vorschriften vorauszusetzen, dass Flüchtlinge mobil zu sein haben, sie  sind es aber nicht. Jeder Gang zu einem Amt, jede Kontoeröffnung und natürlich auch eine Wohnungssuche setzt Beweglichkeit voraus.

Baumgarten ist mit dem Thema nicht allein, auch beim Landkreis kennt man die Sorgen und ist ständig auf der Suche nach Wohnungen. Im Extremfall kommt es dann dazu, dass Flüchtlinge zahlreich in Schwechow landen, weil dort eben Wohnraum frei war. Baumgarten: „Ich hatte jetzt schon Anfragen von Flüchtlingen aus Schwechow, die lieber hier wohnen würden.“

Die Unterkünfte in Wittenburg sind vergleichsweise sehr gut ausgestattet, auch mit entsprechenden Fernseh- und Internetverbindungen und mit Anschluss an die der großen Flüchtlingsfamilie.  Im Moment sei doch jeder dabei, das Problem mit dem weiteren Umgang der Flüchtlinge hin- und herzuschieben. Mit der privaten Unterbringung ist der frühere Motorrad-Stuntfahrer inzwischen bundesweit berühmt geworden. Er könne die Zahl der Politikerbesuche, der Kamerateams und Presseanfragen kaum noch zählen, bekannte er gegenüber der SVZ.

Über das Weihnachtsfest herrschte erst einmal Ruhe, er habe seinen Leuten mit ein paar Süßigkeiten die Feiertag versüßt, erzählte er. Zu Silvester will er dann 150 Berliner kaufen, als kleine Aufmerksamkeit. Und im neuen Jahr will er dann mit den Behörden sprechen, wie das Problem  mit den Wohnungen geregelt werden kann. Für die Betroffenen wäre es im Moment am einfachsten, wenn sie einfach da bleiben können, wo sie sind.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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