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Hagenower Kreisblatt

16. August 2017 | 19:27 Uhr

Hagenow : Gebet zum Wohl des Landesherrn

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In der Hagenower Synagoge bekam eine wertvolle Gebetstafel aus dem Jahr 1828 nach abgeschlossener Konservierung ihren Platz

„Die historische Gebetstafel aus dem Jahre 1828 ist zusammen mit einem Fragment des Toraschreins das einzige Objekt, das von der Einrichtung der Hagenower Synagoge erhalten geblieben ist“, sagt Thomas Kühn, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Hagenower Museum gestern im SVZ-Gespräch. In der vergangenen Woche wurde die 1,83 Meter x 120 Meter große Tafel, die konserviert ist und einen neuen Rahmen bekam, wieder in der Synagoge angebracht.

„Die Holztafel mit hebräischer und deutscher Inschrift wurde am 15. August 1828 anlässlich der Einweihung der Synagoge gestiftet“, ist von Thomas Kühn weiter zu erfahren. Ob allerdings die Gebetstafel während des jüdischen Lebens in der Synagoge genau an diesem Platz hing, kann aufgrund der Quellenlage nicht mehr genau festgestellt werden. Bei dem in Deutsch und Hebräisch geschriebenen Text handelt es sich um eine Fürbitte für den Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin (1756-1837).

Während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde auch die Hagenower Synagoge im Inneren von Hagenowern Nazis total zerstört. Es ist sogar überliefert, dass sie das Gebetshaus nicht in Brand steckten, weil zu befürchten war, dass ein Feuer auf die dicht bebauten Gebäude im Umfeld der Synagoge in der Hagenstraße übergreifen könnte. Nach den Worten von Thomas Kühn gibt es keine Innenansicht der Synagoge, nicht zuletzt aufgrund der wechselvollen Geschichte des Gebäuden in den folgenden Jahren.

Es sei dem historischen Instinkt von Mitarbeitern der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Bäckerhandwerks zu verdanken, die zeitweilig in der Synagoge untergebracht war, dass die Tafel heute wieder dort hängt. Sie übergaben nämlich am 25. November des Jahres 1971 den Gründern des Hagenower Museums Kuno Karls und Ernst Schneider die stark beschädigte und von Schädlingen befallene Tafel aus Kiefernholz.

„Im Jahre 1998 restaurierte Andreas Volkmar die Tafel fachgerecht. Uri Faber vom Moses-Mendelssohn-Zentrum der Uni Potsdam übersetzte den hebräischen Text. Aus einem Zusatz, der nur in der hebräischen, aber nicht in der deutschen Fassung vorhanden ist, geht zudem hervor, dass es sich bei dem Schreiber der Tafel um den ehemaligen Gemeindevorsteher Bernhard Meyer handelt. Er war der Sohn von Jonas Meyer, der sich 1764 als erster Jude in Hagenow ansiedelte. Bei der Umsetzung des Vorhabens haben sich nach Informationen von Thomas Kühn verschiedene Handwerker aus der Region mit eingebracht, so Ulf Liesberg und Rainer Grzebiela aus Hagenow sowie Joachim Siebert aus Zarrentin.

 

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erstellt am 30.Jun.2014 | 15:28 Uhr

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