Neuhof lebt in Angst : Ganz allein gegen die Hells Angels?

<strong>Er führt seit Wochen</strong> gegen die Hells-Angels seinen Privatkrieg: Bisher hat es der 53-jährige Michael Kolz abgelehnt, seine zahlreichen Plakate und Sprüche gegen den Rockerclub abzuhängen. Nicht nur in Neuhof ist man in Sorge, was eines Tages kommen könnte.
1 von 2
Er führt seit Wochen gegen die Hells-Angels seinen Privatkrieg: Bisher hat es der 53-jährige Michael Kolz abgelehnt, seine zahlreichen Plakate und Sprüche gegen den Rockerclub abzuhängen. Nicht nur in Neuhof ist man in Sorge, was eines Tages kommen könnte.

Der 53-jährige Michael Kolz aus Neuhof hat Hof und Haus in ein einziges Schmähplakat gegen den berüchtigten Rockerclub "Hells Angels" verwandelt. Doch nicht nur in Neuhof hat man Angst, das bald etwas passiert.

svz.de von
04. Juli 2012, 11:18 Uhr

Neuhof | Wüste Beschimpfungen und Schmähungen an einem Haus im Zarrentiner Ortsteil Neuhof gegen den Rockerclub "Hells Angels" sorgen seit Wochen für Aufsehen und Spannung zugleich. Nicht nur die Behörden haben angesichts der unübersehbaren Provokation Angst, dass bald etwas passiert. Gestern unternahmen Polizei und Ordnungsamt des Landkreises einen erneuten Versuch beim 53-jährigen Michael Kolz, seinen Schmähungen doch wieder abzubauen. Umsonst, er habe keine Angst, erklärte der ursprünglich aus Hamburg kommenden Klempner. Und er kenne die möglichen Konsequenzen.

Mut? Wahnsinn oder doch Verzweiflung? Das schießt jedem in den Kopf, der in der Boissower Straße vorbeifährt. Von dort schreit einem der Protest gegen die Hells Angels von zahlreichen hölzernen Plakaten, von Wimpeln, bemalten Figuren und großen Schriftzeichen nur so entgegen. Dahinter steckt der 53-jährige Michael Kolz, der aus seiner Abneigung gegen den Rockerclub auch im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung keinen Hehl macht. Er sei dafür, dass die Hells aufgelöst werden und wolle seinen Beitrag leisten, sagt er auf die Frage, warum es das Ganze veranstaltet. In der Folge berichtet der Mann, der mit seinen Tätowierungen und langen Haaren auch wie ein Rocker aussieht, von seinen Erfahrungen mit dem Club. Er sei mal vor Jahren so eine Art Anwärter gewesen, ohne es zu wissen. Vieles sei ihm erst später aufgegangen. Dann berichtet er von grausamen Vorfällen, die seine Familie betroffen haben sollen. Er selber sei auch kein Kind von Traurigkeit gewesen und habe wegen eines Messer angriffs auch mal im Knast gesessen. Kolz sieht sich auch in seiner Nachbarschaft umgeben von Ex-Hells-Angels, Dealern und Sympathisanten des Rockerclubs. Er habe beschlossen, nun nicht mehr still zu halten und seine Meinung deutlich zu sagen.

Seine provokativen Plakate sind dann auch an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Kolz, der seit mehr als zwölf Jahren in Neuhof wohnt, gilt in der Nachbarschaft als sehr schwierig, um es vorsichtig zu formulieren. Der Ex-Hamburger wollte auch schon mal Bürgermeister in Zarrentin werden und bekam bei den Wahlen 2009 als Einzelbewerber 1,5 Prozent der Stimmen. Viele winken bei der Nennung seines Namens ab, kaum einer glaubt ihm seine Geschichten. Dagegen sind seine Provokationen sehr real. Er habe auch schon einen Anruf von einem Anwalt bekommen, erzählt er. Der habe behauptet für die "Hells Angels" tätig zu sein und ihn aufgefordert, die Sachen abzunehmen. Das sei schließlich Verleumdung. Gestört habe ihn das, so Kolz, nicht.

Die Behörden stecken derweil in der Zwickmühle. Zum einen gibt es das Recht auf freie Meinungsäußerung, zum anderen bestreitet auch bei den Behörden niemand die offenkundige Provokation.

Synke Kern, Sprecherin des Landeskriminalamtes, bestätigte gestern auf Anfrage unserer Redaktion, dass Michael Kolz einschlägig registriert sei. Allerdings sei der Neuhofer in Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenhang mit Rockerkriminalität noch nicht aufgefallen. "Wir beobachten den Fall schon eine ganze Weile. Doch mehr als zu appellieren, die Plakate wieder abzuhängen, können wir im Moment nicht tun. Uns sind hier die Hände gebunden. Wir hoffen nun sehr, dass das Ordnungsamt das Problem erkennt und handelt."

Mit dem Ordnungsamt ist konkret das Landratsamt gemeint, die Stadt Zarrentin hatte für sich schon mal keine Zuständigkeit erkannt. Im Kern geht es darum, ob durch die Aktionen des Motorradfahrers eine Störung der öffentlichen Ordnung vorliegt oder nicht. Dann könnten ihn die Behörden auffordern, die Plakate abzunehmen. Ganz aussichtslos ist das Unterfangen nicht, schließlich ist die Wortwahl auf den Plakaten nicht gerade jugendfrei.

In Bikerkreisen gibt es meist nur mitleidiges Kopfschütteln für die Kamikaze-Aktion. Auch wenn etliche Motorradfahrer die "Angels" differenzierter sehen und nicht immer der öffentlichen Meinung glauben, so ist deren Gefährlichkeit doch unumstritten. Die meisten Motorradfahrer meiden das Thema und halten, wenn sie auf einen "Höllenengel" treffen, vor allem eines - Abstand.

Die Polizei, das wurde gestern bestätigt wird den Fall weiter beobachten, vor allem wird sich die "Ermittlungsgruppe Rockerkriminalität" mit dem Fall beschäftigen. Doch im rechtlichen Sinne ist bisher nichts passiert. Eine Meinungsäußerung, so provokant sie sein mag, ist kein Delikt. Doch die Spannung vor dem, was möglicherweise kommt, bleibt. Und nicht nur die Neuhofer werden so lange ein mulmiges Gefühl haben, wie die grellen Plakate hängen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen