Wittenburg : Galgenfrist für vier Kameraden

Sybill Moß ist das älteste Mitglied des Ausschusses. Hartwig Kolthof (M.) wurde erneut zum Vorsitzenden gewählt. Bernd Ankele (l.) und Jörn Koch (r.) sind nun seine Stellvertreter.
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Sybill Moß ist das älteste Mitglied des Ausschusses. Hartwig Kolthof (M.) wurde erneut zum Vorsitzenden gewählt. Bernd Ankele (l.) und Jörn Koch (r.) sind nun seine Stellvertreter.

Wittenburg: CDU verhinderte Rausschmiss von Feuerwehrleuten. Stefan Schwarz aus der Wehr geworfen.

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14. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Es kam, wie es eigentlich schon im Vorfeld von vielen Beobachtern vermutet worden war, Stefan Schwarz, der Ex-Ortswehrführer der Wittenburger, wurde mit mehrheitlichem Beschluss der Stadtvertretung am Mittwoch Abend aus dem Team der örtlichen Feuerwehrleute geworfen. Der Versuch eines Kameraden, zuvor in der öffentlichen Einwohnerfragestunde zu dem Thema noch etwas anzumerken, scheiterte am Redeverbot, das Bürgervorsteherin Sybill Moß aussprach, da er kein Wittenburger sei.

„Es gibt offenbar nur noch ein Gesetz in Wittenburg und das heißt Frau Dr. Seemann. Ich werde alle rechtlichen Schritte einleiten, die möglich sind, um wieder in die Feuerwehr zu kommen“, sagte ein tief enttäuschter Stefan Schwarz im SVZ-Gespräch nach der Sitzung. Dass er als einfaches Mitglied der Wehr rausgeworfen worden sei, bezeichnete Schwarz als falsch. „Mich als Ehrenbeamten zu entlassen, das konnte die Stadtvertretung. Alles andere regelt jedoch unsere Feuerwehrsatzung in Paragraf 8. Über den Ausschluss aktiver Mitglieder, die ihre Pflichten gröblich verletzt oder sich unwürdig erwiesen haben oder ihre Tätigkeit nicht mehr ordnungsgemäß ausüben können, entscheidet die Mitgliederversammlung auf Antrag des Vorstandes mit Zweidrittelmehrheit.“ Die Bürgermeisterin Margret Seemann als Dienstvorgesetzte berufe sich jedoch auf den Paragraf 9 des Landesbrandschutzgesetzes.

Doch damit nicht genug: Als Tischvorlage bekamen die Mandatsträger Anträge ausgehändigt, die darauf zielten, vier weitere Brandbekämpfer, die Maschinisten sind, ebenfalls sofort aus der Wehr zu entfernen. Pflichtverletzung, nachhaltige Störung des Vertrauensverhältnisses sowie das Nichtwahren des betrieblichen Friedens, so einige der Vorwürfe. Patrick Brehmer, Sebastian Schwarz, Manuel Pey sowie Daniel Leistikow hätten sich über soziale Netzwerke abwertend über Bürgermeisterin, die Stadt sowie deren gewählten Vertreter geäußert, führte Stadtoberhaupt Margret Seemann als schwerwiegende Gründe an. Fast eine halbe Stunde lang versuchte sie außerdem, sichtlich aufgebracht, sich nicht nur in Medienschelte, sondern ließ die zusammengetragenen Beleidigungen Seite für Seite an die Wand werfen. Und sprach unter anderem von unwahren Behauptungen, Lügen sowie einem großen Imageschaden für die Stadt. Das Material sei ihr von empörten Bürgern zugesandt worden. Seemann kündigte für 2018 unter anderem auch Einzelgespräche mit Mitgliedern der Wehr an. Und, im Vorfeld der Sitzung, dass sie im Stadt- und Landboten alles das richtig stellen werde, was ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit bewusst falsch dargestellt worden sei.

Mangelnde Loyalität und unkameradschaftliches Verhalten warf Bürgervorsteherin Sybill Moß als Kritik in die Tischrunde. „Es ist ein kleiner Personenkreis, der sich pflichtwidrig verhält. Wir sind auch nicht sonderlich glücklich darüber, dass uns diese Entscheidung nun aufgezwungen wird.“

Dr. Barbara Gubalke von den Sozialdemokraten stellte klar: „Wir sind keine Marionetten. Es ist beschämend, was dort gepostet wurde.“

Die zündende Idee des Abends zauberten schließlich die Christdemokraten nach einer kurzen Auszeit aus dem Hut. Deren Fraktionschef Michael Luchs ärgere sich nach eigenem Bekunden zwar maßlos darüber, ständig das Thema Ortswehr auf der Tagesordnung zu wissen, wolle aber endlich ein Klima, in dem man wieder vernünftig miteinander spricht. „Fakt ist, der Bogen wurde überspannt. Dennoch sollten die vier Kameraden, statt rausgeworfen, drei Monate suspendiert werden und dann ein Jahr Probezeit in der Ortswehr erhalten.“

Mit zehn Dafür- und sieben Dagegen-Stimmen wurde dieser Vorschlag nach kontroverser Diskussion angenommen. Der SPD-Vorstoß von Sven Moß, die Vier ein Jahr zu suspendieren und eine öffentliche Entschuldigung einzufordern, scheiterte mit elf Gegenstimmen.

„Für mich sind sie gedankenlose Mitläufer“, betonte Christian Kluth von den Linken. Auch er warb für eine Bewährung. „Wir wollen endlich wieder Frieden haben. Ich bin auch in der Feuerwehr als Kreisausbilder und Gruppenführer. Wir müssen anfangen, uns wieder die Hände zu reichen, uns Zurückbesinnen und Zusammenhalten.“

Volker Siering von der CDU bezeichnete die Beiträge auf Facebook so wörtlich als primitiv, die ihn tief enttäuschten. Er nehme das persönlich. Dennoch attestierte er den vier Kameraden eine bislang gute Arbeit und ein hohes Maß an Einsatzwillen.

Fazit: Die Stadtvertreter machten trotz der Querelen deutlich, dass sie die ehrenamtliche Arbeit der örtlichen Feuerwehr sehr zu schätzen wissen.

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