Bantin : Für Lina hält der Schnellbus nicht

Streitfall Bantin: Die kleine Nina wird hier von Mama Janin Gradl und Bürgermeister Klaus Draeger vom Bus abgeholt.
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Streitfall Bantin: Die kleine Nina wird hier von Mama Janin Gradl und Bürgermeister Klaus Draeger vom Bus abgeholt.

Amt Zarrentin saniert Fußweg neben der Bushaltestelle. Verkehrsbetriebe des Kreises lassen Erstklässlerin morgens nicht in Direktbus

svz.de von
28. September 2017, 05:00 Uhr

Sichere Schulwege - nicht nur für Erstklässler. In jedem Herbst kommt das streitbare Thema für Eltern, Lehrer, Verkehrsbetriebe und Ämter auf die Tagesordnung. Doch welchen Anspruch haben Eltern eigentlich? Muss für jede gewählte Schule auch die entsprechende Fahrt gewährleistet werden, gibt es „Kann-Entscheidungen“ oder muss strikt nach Fahrplan gehandelt werden? Der Kreis steht  mit seinen Verkehrsbetrieben auch in diesem Schuljahr vor zum Teil schwierigen Einzelfällen.

In Bantin gibt es jetzt ein ganz besonderes Beispiel dafür. Die kleine Lina ist gesundheitlich eingeschränkt und besucht die evangelische Schule in Hagenow. Um dort hinzukommen, muss sie von ihren Eltern jedoch jeden Morgen nach Waschow gebracht werden - acht Kilometer zusätzliche Wegstrecke für die Bantiner mit dem Auto. Denn erst hier hält der Bus der VLP, der als Schnellbus seinen Fahrplan einhalten muss. Ein Stopp am Abzweig Bantin ist nicht vorgesehen. Auf Nachfrage heißt es: „Nach diesem Einzelfall könnten ja noch mehr Eltern darauf bestehen, dass es für ihre Kinder zusätzliche Stopps auf der Strecke zwischen Zarrentin und Hagenow gibt. Wir müssen darauf achten, dass der Fahrplan eingehalten wird“, sagt Frank Möller von den VLP.

Das Mädchen wird scheinbar also auch künftig nicht auf direktem Weg von Bantin nach Hagenow kommen. Alternativ angeboten wird der Weg mit dem Bus aus Bantin nach Zarrentin oder Wittenburg, wo das Mädchen umsteigen müsste, um weiter nach Hagenow zu kommen. Umsteigen lassen  wollen die Eltern ihr Mädchen, das noch kleine Rückstände in der Entwicklung aufholen muss, jedoch nicht. „Es macht doch gar keinen Sinn, dass Lina morgens nicht in Bantin Abzweig einsteigen darf und nach Hagenow fährt, aber am Nachmittag genau diesen Weg zurückkommt - ohne Unterbrechung“, so Mama Janin Gradl.

Erklärung folgt von den Verkehrsbetrieben Ludwigslust Parchim  mit Hinweis auf den Status des Schnellbusses. „Morgens ist das Fahrzeug als Schnellbus ausgewiesen und der Fahrplan muss eingehalten werden. Nachmittags fällt dieser Status weg und der Halt am Abzweig Bantin ist fahrplanmäßig“, so Möller.

Zarrentins Bürgermeister Klaus Draeger stellt sich auf die Seite der Eltern. „Das kann doch niemand verstehen, dass die Kleine hier morgens nicht mitgenommen wird, obwohl der Bus hier durchfährt.“

Wie es ganz unbürokratisch geht, zu helfen, hat er jetzt mit seinem Bauhof bewiesen. Für die kleine Schülerin wurde der Zustand neben der Haltestelle in Ordnung gebracht. So, dass die Sechsjährige jetzt sicheren Fußes vom Bus zum Auto ihrer Eltern gelangt.  „Wir müssen uns hier mal ausdrücklich beim Bürgermeister und Norman Thorn vom Bauamt bedanken. Sie waren mit dem Bauhof der Stadt Zarrentin maßgeblich dafür verantwortlich, dass unserer Kleinen geholfen wird. Bis vor kurzem war nämlich neben der Halteplattform direkt der Straßengraben. Viel zu gefährlich“, so die besorgte Mutter Janin Gradl.  Wie schnell dann jedoch alles in Ordnung gebracht wurde, war für die Eltern außergewöhnlich. Innerhalb von nur 48 Stunden war alles erledigt. Das Amt Zarrentin schickte die Mitarbeiter des Bauhofes und mit Recycling-Material war alles schnell in Glanzform gebracht. „Eine Selbstverständlichkeit für uns. Wenn ich als Bürgermeister, Papa und Opa höre, dass es hier eine Notlage gibt, da muss doch geholfen werden“, so Bürgermeister Dräger.

Und bei der Frage nach den Kosten, gibt er eine beeindruckende Antwort. „Ist das denn wirklich wichtig, was das gekostet hat? Es ging doch hier darum, dem kleinen Mädchen den Schulweg sicher zu machen. Da ist die Preisfrage nicht das Wichtigste.“ Für den Landkreis und die Verkehrsbetriebe aber möglicherweise schon.

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