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Lese-Rechtschreibschwäche : Für jedes Kind einen eigenen Plan

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Doris Pink begleitet seit vielen Jahren auch in Hagenow Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche nach speziellem Therapieprogramm

Mit einem positiven Bauchgefühl ist Nico* ins zweite Schulhalbjahr gestartet. Der Drittklässler hat sich ganz fest vorgenommen, seine hart erkämpfte Deutschnote, eine Zwei, zu „verteidigen“. Deshalb hat der Neunjährige auch die Winterferien gut genutzt und sich für die schulfreie Zeit von seiner Therapeutin Doris Pink Hausaufgaben geben lassen.

Denn Nico besitzt eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Dabei handelt es sich um ein Handicap, das genetisch bedingt und mit herkömmlichen Übungsmethoden nicht zu bewältigen ist. In der 45 bis 50 Minuten langen Einzeltherapie einmal wöchentlich erarbeitet sich Nico unter Anleitung von Doris Pink Strategien, wie er das Problem eigenverantwortlich und selbstbewusst beherrschen lernt, um selbstständig lesen und schreiben zu können. „Diktate pauken bringt unter Umständen nur kurzfristig Hilfe. So lernt das Kind nicht schreiben“, unterstreicht die Therapeutin. Vielmehr gehe es darum, im Gehirn des Betroffenen ein neues Sprachmuster zu schaffen, indem die „Festplatte“, die ja an einer Stelle unvollständig ist, neu beschrieben wird. Doris Pink setzt dabei auf das wissenschaftlich fundierte Konzept von Carola Reuter-Liehr, auf das sie während einer Fortbildung als Förderlehrerin aufmerksam wurde. Nach der Basisausbildung absolvierte sie auf eigene Rechnung die mehrjährige berufsbegleitende Fortbildung zur Therapeutin. Seit 17 Jahren bietet sie nun schon das Training an. Unterrichtsorte sind Parchim, Ludwigslust und Hagenow. In Hagenow ermöglicht ihr die dort ansässige Europaschule sogar in einem extra bereit gestellten Raum die Therapiestunden während der regulären Schulzeit, um Eltern bzw. Kindern zusätzliche Wege zu ersparen. Ohnehin sei dort die Vernetzung mit den Lehrern sehr eng: Nach einer von ihr angebotenen und dankbar von den Lehrern angenommenen Fortbildung wurden sogar Strategien des Therapiekonzeptes mit in den Unterricht übernommen, wovon auch andere Schüler profitieren würden. In Parchim wird Doris Pink ab 1. April ihr neues Büro und ihren Unterrichtsraum im Parchim-Center in der Ludwigsluster Straße im Raum 211 haben. Zeitnah zum Umzug möchte sie bei einem Tag der offenen Tür einen Einblick in ihre Tätigkeit geben.

„Ich bin happy, mit dem, was ich machen kann“, ist Doris Pink, die in Plau am See zu Hause ist, Therapeutin aus vollstem Herzen. Der Blick auf das Halbjahreszeugnis von Nico war ihr die jüngste Bestätigung für ihre Arbeit. Doris Pink erinnert sich auch noch sehr gut an ein Kind, das mit elf Jahren sogar schon als selbstmordgefährdet galt, weil es mit den vielen schulischen und als Demütigungen empfundenen Misserfolgen trotz unverhältnismäßig hoher Fleißarbeit zuhause nicht mehr fertig wurde. Heute lernt eben dieses Kind an einem Gymnasium und die Deutschnote hat sich zwischen 2 und 3 eingepegelt. Ebenfalls helfen konnte die Therapeutin einem Jungen, bei dem parallel zur Lese-Rechtschreibschwäche ein hochgradiges Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom festgestellt wurde. Etwa zwei bis vier Jahre begleitet sie in der Regel einen Betroffenen. Eine Therapie in Gruppen bietet Doris Pink nicht an: „Eine richtige, effektive Hilfe kann ausschließlich in einer Einzelförderung erreicht werden“, unterstreicht die Therapeutin. Bedauerlich findet das Mitglied im Therapeutenverband Legasthenie, dass Familien betroffener Kinder die Therapiestunden aus eigener Tasche finanzieren müssen, weil die Gesellschaft hier den präventiven Aspekt nicht anerkennt. Eine unterstützende Förderung nach Paragraph 35a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes wird unabhängig von der Einkommenssituation der Eltern erst bewilligt, wenn Kinder wegen dauernder Misserfolge in der Schule von seelischer Behinderung bedroht sind. Doch bis das ganze Antragsverfahren durch ist, kann schon mal ein Jahr verstreichen ...

Kontakt zu Doris Pink: Telefon 0171/1974583

 

*Name von der Redaktion geändert


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