Landkreis Ludwigslust-Parchim : Führerschein, ja oder nein?

Bei so einem Fahrzeug ist normalerweise ein Lkw-Führerschein nötig.
Bei so einem Fahrzeug ist normalerweise ein Lkw-Führerschein nötig.

Regelung bei Feuerwehren sorgt im Landkreis noch für Unstimmigkeiten / Der Bund sollte zwingend eine einheitliche Lösung schaffen

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18. Juni 2015, 08:00 Uhr

Die Neuregelung der Führerscheinklassen 1999 hat vielen freiwilligen Feuerwehren bereits Kopfschmerzen bereitet. So dürfen alle Führerscheinneulinge nur noch Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht bis 3,49 Tonnen fahren. Das ist für die meisten Fahrzeuge der Feuerwehren aber nicht ausreichend. Deshalb kann eine Sonderfahrgenehmigung erworben werden.

Wie sieht es damit in unserem Landkreis aus? Der Frage sind wir auf den Grund gegangen und haben uns bei den Feuerwehren umgehört.
Der Kreisfeuerwehrverband hat von der Sonderregelung mittlerweile Abstand genommen. Den Grund dafür sehen die Verantwortlichen in der Landespolitik. Nach Auffassung von Christian Porst, Leiter der Rettungsdienstschule Schwerin und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Ludwigslust, sei die Versicherungsfrage auch weiterhin ungeklärt. Würde die Feuerwehr-Unfallkasse die Kosten bei einem Fahrschul-Unfall übernehmen?
Geübt werde nämlich mit den Einsatzfahrzeugen im normalen Straßenverkehr. Zu dem sei auch kein Ausbilder nötig. Es reiche ein punktefreier Beifahrer mit Lkw-Führerschein. Sollte es zu einer Gefahrenlage kommen, könne der Beifahrer jedoch technisch nicht eingreifen, weil kein Bremspedal wie im Fahrschulwagen vorhanden sei. Die Prüfung müsse aber von einem ehrenamtlichen Prüfer abgenommen werden.

Zu dem treffe es für den Landkreis Ludwigslust-Parchim kaum zu. Von 250 Feuerwehren im Land würde es nur etwa 30-40 Fahrzeuge betreffen oder von 6500 Kameraden nur 200 Mann.

Porst würde es begrüßen, wenn die Mitglieder eine vernünftige Ausbildung erhielten. Die Gemeinden gäben in etwa 180 000 Euro für Fahrzeuge aus, dann sollten sie auch an die etwa 2500 Euro Führerscheinkosten denken, meinte Porst weiter.

Auch bestätigte er die Angst der Gemeinden, dass die ausgebildeten Fahrer, mit dem über die Feuerwehr erworbenen Lkw-Führerschein, diesen beruflich als Kraftfahrer nutzen könnten. Im Falle eines Einsatzes seien sie dann nicht einsatzbereit. Porst sieht die Gemeinden in der Pflicht. „Diese sollte lieber versuchen, Personal zu binden, das feuerwehrtauglich ist“, so Porst.
Uwe Puls von der Feuerwehr Zarrentin, sieht die Lage etwas entspannter. Dort ließe man im Jahr einige Fahrer mit der Sondergenehmigung von Profis ausbilden. Aber auch er tendiere zum großen Führerschein.

Bei der Feuerwehr Hagenow bestehe gar nicht die Notwendigkeit, für die Ausbildung mit der Sondergenehmigung. Man verfüge über keine Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen, so Jan Meyer, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Hagenow.

Heinz-Egon Müller, Amtswehrführer für das Amt Hagenow-Land, bestätigte die Auffassung von Christian Porst und geht noch einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach sollte zu jedem Maschinisten-Lehrgang der Führerschein mit erworben werden können. „Fahren mit Sonderrechten wie Martinshorn und Blaulicht ist gar nicht so einfach, wie so manch einer denkt“, sagte Möller.

Thomas Heldberg, Fraktionsvorsitzender der FDP im Kreistag Ludwigslust-Parchim, pflichtet den Kameraden der Feuerwehren bei. Es sei aber auch vorrangig eine Aufgabe des zuständigen Innenministeriums.

„Auf dieser Ebene sollte eine einheitliche Lösung, für alle Bundesländer gefunden werden. Gemeindezuschüsse bewirken da recht wenig.“ Somit sei ein gutes Konzept zwingend notwendig, sagt Heldberg, der ebenfalls Mitglied in einer Freiwilligen Feuerwehr ist.

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