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Lebenshilfe plant Kaffeerösterei im ehemaligen Ratskeller : Frischer Kaffeeduft für Hagenows Bummelmeile

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Hagenow bekommt eine Kaffeerösterei mit Café am Rathausplatz. Der Mietvertrag ist unterschrieben, die Pläne stehen. Am 1. April 2014 soll eröffnet werden. Seit Anfang 2012 gab es Verhandlungen über den Ratskeller.

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erstellt am 05.Nov.2013 | 10:49 Uhr

Hagenow | Es ist besiegelt. Hagenow bekommt eine Kaffeerösterei mit Café am Rathausplatz. Der Mietvertrag ist unterschrieben, die Pläne stehen. Am 1. April 2014 soll eröffnet werden. Schon seit Anfang 2012 verhandeln die Lebenshilfe Mölln-Hagenow als künftiger Betreiber und die Ratskeller-Inhaber Kauschka über diese Idee. Nun soll alles ganz schnell gehen.

Und Bürgermeisterin Gisela Schwarz als "leidenschaftliche Kaffeetrinkerin" kann die frisch gerösteten Bohnen schon förmlich riechen. Sie ist froh, dass aus ersten "Fantasien" und "Spinnereien" mehr geworden ist. Etwa zehn Jahre steht der Ratskeller leer. "Das war mal eine traditionelle Gaststätte. Jetzt wird sie wieder belebt." Sie hofft, dass dadurch auch die Lange Straße als einstige Bummelmeile attraktiver wird. Und sie ist fest davon überzeugt, dass die Rösterei gleichzeitig Menschen von außerhalb anzieht.

Das Besondere: Zehn Beschäftigte der Lebenshilfe-Werkstätten sollen später den Kaffee rösten, verpacken, Snacks verkaufen und Gäste bedienen. Auch mit Handicap. "Es ist wichtig, auch nach außen zu zeigen, wie selbstverständlich ihre Beteiligung am öffentlichen Leben ist", sagt Gisela Schwarz. "Es ist ein inklusives Projekt. Ich glaube, dass das gut ankommt", ergänzt Hans-Joachim Grätsch, Geschäftsführer des Lebenshilfewerkes.

Bei seinen Terminen mit der Bürgermeisterin im Rathaus gegenüber, habe er schon immer zum Ratskeller geschaut. Dann sieht er das Schild "Vermietung" und denkt, "das kann schön werden". Zwei Jahre suchen Hendrik und Hartmut Kauschka nach einem Mieter. Zwar habe es einige Interessenten gegeben. Aber keinen mit dem passenden Konzept, sagt Hendrik Kauschka. Seit drei Jahren sanieren beide das historische Haus weitgehend in Eigenregie. Immer bestrebt, Barrieren möglichst zu vermeiden. Im Obergeschoss soll eine Pension entstehen, auch mit zwei, drei Zimmern, die einen barrierefreien Zugang bekommen. "So etwas findet man bisher eher schlecht in Hagenow", sagt Hendrik Kauschka, der diese Erfahrungen mit der eigenen Familie gemacht hat. Deshalb würden sie so darauf achten. Auch das Café bekommt einen barrierefreien Zugang über den Hinterhof und zur Toilette. "Schön, dass es selbstverständlich für Sie ist, so umzubauen", sagt Hans-Joachim Grätsch.

180 000 Euro fließen in die Ausstattung der Rösterei, finanziert über den Landkreis aus einem Fördermitteltopf zur Förderung behinderter Menschen. Ein ähnliches Projekt sei auch für den Boizenburger Ratskeller geplant, verrät der Geschäftsführer. Erste Gespräche mit Bürgermeister Harald Jäschke laufen. In der Elbestadt soll allerdings Schokolade statt Kaffee hergestellt werden. Beide Cafés beliefern sich dann gegenseitig mit Kaffee oder Schokolade.

Die Beschäftigten der Werkstätten sind jedenfalls gespannt und neugierig, sagt der Hagenower Leiter Detlef Postler. Viele hätten sich auf die Stellen beworben. Die Auserwählten üben dann einige Wochen vor der Eröffnung im April gemeinsam mit einem Kaffeeröster. Woher der Rohkaffee kommt, sei noch nicht klar, sagt Hans-Joachim Grätsch. Auf jeden Fall soll es eine biologische Mischung sein, mit spezieller Note für Hagenow. "Dafür müssen wir noch viel Kaffee probieren", sagt die künftige Rösterei-Leiterin Antje Prolingheuer. Sie ist gespannt auf ihre neue Aufgabe.

In drei Räumen mit großen Tresenbereichen, Sofas, Stühlen und Tischen, und draußen auf dem Rathausplatz, kann der Gast später sein Heißgetränk genießen oder beim Rösten zusehen. Damit will die Lebenshilfe keine Konkurrenz fürs nahe Roseneck sein. "Wir spezialisieren uns ja auf Café, Snack und vielleicht kleine Süppchen", sagt Grätsch.

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