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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 20:35 Uhr

Frisch poliert statt ausrangiert

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 06:13 Uhr

Zarrentin | Bald knattert er wieder über die Straßen. Der alte Framo von Wolfgang Pupke steht frisch lackiert, poliert und aufgemöbelt in Mannis Werkstatt in Zarrentin. Einer von 20 in ganz Deutschland. "Ist das nicht ’ne schöne Knatterkiste?", schwärmt der Oldtimer-Fan aus Brahlstorf. Seine Hand streift sanft über den roten Lack. Noch vor sechs Monaten steht er vor einem rostigen Haufen in einer Scheune im Spreewald, den er vor der Schrottpresse retten will (SVZ berichtete).

"Verrückt ist das nicht", sagt Wolfgang Pupke. "Vielleicht will ich damit auch beweisen, was wir damals hatten", begründet er seine Passion. Alles, was die DDR zu bieten hatte, zieht ihn magisch an. Von der Küste bis in die Berge sind er und seine Frau Annegret dafür unterwegs. Nicht selten ohne einen Schatz im Rückreise-Gepäck. Ob alte Mopeds, Autos, Landmaschinen oder Originalteile - der Brahlstorfer sammelt. "Das liegt in der Familie", sagt er.

Ein teures Hobby. Wie teuer, wollte er aber nicht verraten. Geschätzter Wert des Framo mit verlängertem Pritschenwagen: mehrere 10 000 Euro. "Es ist einfach ein wunderschönes Stück", sagt Wolfgang Pupke nur. "Und das macht einen glücklich."

Noch vor wenigen Wochen liegt der Framo in alle seine Einzelteile zerlegt in der Werkstatt. Fred Rahn bastelt die Originalteile auseinander und neu oder aufpoliert wieder zusammen. Ein Rundum-Projekt, das auch der Autospezialist so noch nicht vor sich hatte. Wolfgang Pupke ist oft zu ihm in die Werkstatt gekommen. Um zu schauen oder neue Teile aus der Framo-Szene vorbeizubringen. Nicht ganz einfach. Die Reifen etwa werden gar nicht mehr hier produziert. Nur noch in Tschechien. Bei der Farbwahl hat Ehefrau Annegret den Ton angegeben. Und sie entschied sich für ein sattes Rot und gegen den originalen grünen Lack.

Dass Leute wie Wolfgang Pupke einen Wert in den oft schrottreifen Überbleibseln aus alten Zeiten erkennen, findet Fred Rahn toll. Zumal es eine Herausforderung sei, heute noch gut erhaltene Gefährte zu finden. "Nach der Wende waren unsere ja nichts mehr wert", pflichtet ihm Geschäftspartner Manni Bolduan bei. Entweder sie landeten gleich auf dem Schrott oder verrosten in irgendwelchen Scheunen, bis Liebhaber sie entdecken.

Zu Dorffesten, Oldtimer-Treffen und Rallyes will Wolfgang Pupke seinen neuen Schatz jetzt wieder auf die Straßen lassen. Und auch wenn er schon jetzt kaum mehr alle seine herausgeputzten Fahrzeuge fahren kann, denkt der Brahlstorfer schon wieder ans nächste Projekt: ein Framo, nur diesmal in der Bus-Variante.

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