Mahnwache in Horst : Friedlicher Protest vor Flüchtlingsunterkunft

Ernst-Ludwig Iskenius (r.) mit einem seiner drei „Stammmitstreiter“ vor dem Pavillon der Mahnwache an der Erstaufnahmestelle in Horst.
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Ernst-Ludwig Iskenius (r.) mit einem seiner drei „Stammmitstreiter“ vor dem Pavillon der Mahnwache an der Erstaufnahmestelle in Horst.

Verein will mit Mahnwache in Horst auf die Probleme von Flüchtlingen aufmerksam machen

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02. Februar 2018, 12:00 Uhr

Ein seltsames Bild bietet sich dem Betrachter dieser Tage vor der Außenstelle des Bundesamts für Migration in Horst. Wohnwagen, die zum Teil mit Symbolen der Anti-Atomkraft-Bewegung und Solaranlagen ausgestatten sind, stehen zusammen mit einem großen Pavillon in einer Reihe – nur knapp 50 Meter vom Eingang der Einrichtung entfernt. Zusammen getragen wurde all dies im Zuge einer Mahnwache, die der Verein Pro Bleiberecht seit dem vergangenen Sonntag vor der Erstaufnahmeeinrichtung abhält. Ein Vertreter des Vereins ist Ernst-Ludwig Iskenius. Er gehört zum Stamm der drei Männer, die ganze acht Tage, bis zum 4. Februar, friedlich vor der Einrichtung in Horst alleine durch ihre Anwesenheit in gewisser Weise demonstrieren wollen.

Zu Beginn der Mahnwache herrschte dennoch erst einmal viel Aufregung. Der Leiter des Boizenburger Polizeireviers, Fredo Kreft, hat zusätzlich Leute mobilisiert und zeigte mit diesen eine massive Präsenz vor Ort. „Wir wussten nicht genau, was uns erwartet. Die Veranstaltung war mit bis zu 100 Teilnehmern angemeldet“, so Kreft. Schnell zeigte sich jedoch, dass von den unter anderem aus Rostock und Schwerin angereisten Versammlungsteilnehmern keine Gefahr ausging. Der Dialog stand im Vordergrund. Die anfängliche Aufregung war rasch verzogen.

Iskenius und seine Mitstreiter sehen ein Ziel ihrer Aktion darin, die zahlreichen Probleme, die es ihrer Meinung nach in Horst und anderswo im Umgang mit Flüchtlingen gibt, aufzuzeigen. „Uns geht es aber auch darum, einfach nur anwesend zu sein. Zum einen um den Verantwortlichen zu zeigen, dass da jemand ist, der genau hinschaut, was passiert. Zum anderen wollen wir Ansprechpartner für die Menschen hier sein“, so der ehemalige Arzt, der den Migranten unter anderem Beistand leistet, indem er ihnen beratend zur Seite steht. „Manche kommen mit konkreten Problemen aber einige auch nur um sich einmal auszusprechen“, so Iskenius. Manchmal ist die Hilfe für die Migranten aber auch schon durch einen Apfel, den die drei Männer in ihrem Pavillon haben gegeben.

Bei dieser Arbeit müssen sie natürlich auch den permanenten Wetterkapriolen trotzen. „Es musste aber jetzt sein“, ist Ernst-Ludwig Iskenius, nach der Wahl des Zeitpunkts der Mahnwache befragt, der festen Überzeugung. Er hat die aktuelle Flüchtlingsdebatte hinsichtlich der neuen Regierungsbildung im Blick. „Das Fernziel ist die Auflösung dieser Einrichtung“, gibt sich Iskenius kämpferisch. Er hofft, dass die Mahnwache zu einem Umdenken und Dialog beitragen kann, ist sich aber auch bewusst, dass die Bretter die dafür noch immer zu bohren sind, eine ziemlich Dicke aufweisen.

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