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Hagenower Kreisblatt

17. Dezember 2017 | 20:46 Uhr

Besitz : Frau Störchin sendet nicht mehr

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die besenderte Störchin aus Besitz ist wahrscheinlich in Tansania verhungert. Der Gülzer Storch sendet weiter Daten nach Preten

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Letztes Jahr im Sommer besenderten Helmut Eggers, Storchenbeauftragter für Ludwigslust-Parchim, und Steffen Hollerbach von der Storkenkate in Preten die Brutstörchin aus dem Nest von Besitz und den Brutstorch vom Nest im Gülze (SVZ vom 29.Dezember 2016). Ziel dieses Vorhabens der Storkfoundation ist es zu ermitteln, welche Orte der Storch zur Nahrungssuche besonders gern aufsucht. Damit sollen Antworten auf die Frage gefunden werden, warum die Storchenpopulation derzeit zurück geht.

Die Sender der Störche funktionierten bisher tadellos und zeichneten jede Bewegung auf. Natürlich funktionierte die Technik auch während des Zuges nach Afrika und im dortigen Winterquartier.

Im Dezember war der letzte Aufenthaltsort der Besitzer Störchin Uganda. Nach langer Nachrichtenpause meldete sie sich dann aber aus Kenia. Die Störchin durchquerte die kenianische und danach die tansanische Serengeti. Dann ging es weiter durch ganz Tansania bis fast zur Grenze nach Mosambik. Es schien bald so, als wollte dieser Storch wie andere Artgenossen bis nach Südafrika fliegen.

Doch es kam anders, am 21. Dezember wandte sich die Störchin aus Besitz wieder Richtung Norden. Sie flog aber nur 300 Kilometer weit und hielt sich seit dem 8. Januar in der Region Dodoma auf. Durch das lückenhafte Mobilfunknetz dort erhielt die Storkenkate in Preten nun nicht mehr täglich Informationen von der Störchin. Erst am Dienstag, 17. Januar, gab es wieder Signale. Die Störchin flog, offenbar nach Nahrung suchend, im Gebiet umher und schlief nachts in der Savanne. Alles schien normal.

Die nächste Nachricht mit den Positionen des Storches erreichte die Storkenkate dann am Freitag, 20. Januar. Nach einer kurzen Auswertung auf den Satellitenkarten wurden Steffen Hollerbach und Helmut Eggers stutzig. Am 18. Januar war die Störchin morgens gegen 4 Uhr gestartet, um Nahrung in der Nähe ihres Schlafplatzes zu suchen. Scheinbar war sie hier nicht erfolgreich und flog 20 Kilometer nach Westen. Hier suchte sie weiter Nahrung bis ca. 11 Uhr. Doch dann kamen die nächsten Koordinaten nur noch von einem einzigen Punkt. Die internen Beschleunigungssensoren des Senders meldeten keine Bewegung mehr - dem Storch musste etwas zugestoßen sein!

Doch am 21. Januar meldete der Sender erneut Positionsdaten, erstaunlicherweise hatte sich der Sender wieder bewegt... Eine genaue Analyse der Daten zeigte jedoch, dass sich der Storch nur im Schritttempo bis zu einer nahe gelegenen Siedlung bewegte. Die Beschleunigungssensoren zeigten ein völlig untypisches Bewegungsbild für einen Storch. Es blieb nur eine Erklärung: der tote Storch oder auch nur der Sender wurde von jemanden gegen 15 Uhr gefunden und mit nach Hause genommen.

Die letzen Ortung am 21. Januar kam aus der Siedlung in Manungu im Distrikt Kongwa. Auf dem Satellitenbild kann man die Hütte ausmachen, aus der die letzte Meldung kam. Steffen Hollerbach und Helmut Eggers bemühen sich momentan sehr intensiv, Verbindungen zu Vogelfreunden in Tansania aufzunehmen, um den Sender zu bergen und Näheres über die Fundumstände zu erfahren. Es ist ein schwieriges Unterfangen, doch sie hoffen auf Erfolg.

Die Besitzer Störchin wurde von Helmut Eggers im Jahr 2009 in Pinnau als Nestjunges beringt. Am 7. Juni 2016 wurde sie in der Nähe ihres Brutnestes in Besitz besendert. Von diesem Tag an bis zum 21. Januar 2017 legte Frau Störchin die enorme Strecke von 25  900 Kilometern zurück, das besagen die aufgezeichneten Daten des Senders. Hochgerechnet kann man davon ausgehen, dass die Besitzer Störchin in einem Storchenjahr 50  000 km geflogen ist. Da sie 7,5 Jahre wurde, hat sie also insgesamt in ihrem Leben eine Strecke von über 375  000 Kilometern zurückgelegt.

Nun kommt diese Störchin nicht mehr zurück und Steffen Hollerbach und Helmut Eggers bangen, ob das Nest in Besitz von einem anderen Storch besetzt wird. Sie hoffen jetzt um so mehr, dass der zweite Senderstorch, der männliche Storch aus Gülze, wieder unbeschadet in die Sudeniederung zurückkehrt und dort erfolgreich brütet. Momentan ist er von seinem Brutnest in Gülze 4  950 Kilometer entfernt.

Den letzten Daten nach hielt er sich erst in Äthiopien auf und flog dann südwärts nach Kenia. Er durchquerte das ganze Land, machte Halt im Tsavo-Nationalpark bei den roten Elefanten, flog dann nach Tansania und war einige Zeit in der Serengeti-Wüste.

Den Heiligabend verbrachte der Gülzer im berühmten Serengeti-Nationalpark. Schon am 25.Dezember machte er aber kehrt und flog wieder nach Norden. Er durchquerte wieder ganz Kenia, streifte Äthiopien und den Südsudan und hält sich nun schon seit geraumer Zeit im Sudan auf.

Gestern meldete sich der Gülzer Storch vom Ufer des Blauen Nil nahe der sudanesischen Stadt ad-Damazin. Hoffentlich hat er einen guten Rückflug nach Gülze, wünschen sich die Storchenbeauftragten.

Wer selbst nachsehen möchte, wo sich der Gülzer Storch gerade aufhält, kann das unter www.movebank.org tun. In der Suchleiste auf dieser Seite muss „Sudewiesen“ eingegeben werden.

 

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