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Land "kündigt" Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Fischereiaufsehern : Frank Ahlers fühlt sich abgeschoben

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Frank Ahlers gehört seit 16 Jahren der ehrenamtlichen Fischereiaufsicht in MV mit zu jenen, die Umweltsünder an den Gewässern und Fischräuber aufspüren. Nun hat das Land die Zusammenarbeit mit ihnen gekündigt.

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erstellt am 05.Dez.2012 | 11:01 Uhr

Boizenburg | Frank Ahlers ist sauer und enttäuscht: Seit 16 Jahren ist er in seiner Freizeit an den Gewässern unterwegs. Er gehört so zu sagen seit der Geburtsstunde der ehrenamtlichen Fischereiaufsicht in Mecklenburg-Vorpommern mit zu jenen, die Umweltsünder an den Gewässern und Fischräuber aufspüren. Das macht er, weil er selber ein leidenschaftlicher Angler ist und andererseits durch seine Tätigkeit der Umwelt und Natur ein wenig mehr Schutz bieten möchte. Jetzt gibt er seinen Aufseherausweis, der ihn dazu legitimierte, ab. Nicht etwa, weil er keine Lust mehr hat. Sondern, weil er es muss. Ganz genau so, wie zum Beispiel sein Gruppenleiter Hartmut Schröder aus Lüttenmark und all die anderen ehrenamtlichen Fischereiaufseher in Meck-Pomm.

Das Land hat die Zusammenarbeit mit ihnen gekündigt. In einem Schreiben informierte auch ihn das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV darüber, dass im Zuge der Überarbeitung des Landesfischereigesetzes zum Jahresende die Verwaltung der ehrenamtlichen Fischereiaufsicht vollständig an die Landkreise und kreisfreien Städte übergeben wird. Für die geleistete Arbeit gab es noch ein recht herzliches Dankeschön. Der Brief endete mit den Wünschen für alles Gute und vor allem für Gesundheit und mit freundlichen Grüßen.

Ein bisschen mau für ein 16-jähriges Engagement, findet Ahlers. Sicher gab es am Ende eines Jahres eine Aufwandsentschädigung. Doch die knapp 100 Euro machten nicht gerade reich, und Ausgaben hatten die Fischereiaufseher ja auch, wie etwa für den Sprit. Der Neu-Gülzer war schließlich viel mit dem Auto unterwegs. Zu Tatorten, wo Fische starben, wie zuletzt im Mahlbusen am Schöpfwerk Timkenberg. Irgendwie hatte sich der passionierte Petrijünger aus dem Haus von Minister Till Backhaus eine andere Reaktion erhofft, wenn solch ein Schritt nun schon nicht zu umgehen ist. Frank Ahlers fühlt sich vom Land wie abgeschoben und hegt Zweifel an der fachlichen Kompetenz der Landkreise auf diesem Gebiet. Da seien eine Fülle von Regelungen zu beachten, in vielen Fällen käme auch das Strafgesetzbuch zum Einsatz.

Die Fischereiaufseher, die bislang im Auftrag des Landes auf Tour waren, wissen, dass sie den Landesanglerverband MV mit in ihrem Boot haben. Der Geschäftsführer Axel Pipping konstatierte, dass die sehr intensiven Bemühungen, die zentrale Verwaltung der Fischereiaufsicht an und auf den Binnengewässern bei der oberen Fischereibehörde zu belassen, gescheitert seien. Ehrenamtliche Fischereiaufseher, die nach dem 1. Januar 2013 weiter ihre Tätigkeit ausüben wollen, werden gebeten, sich an die jeweiligen Landkreisen oder kreisfreien Städte zu wenden. Ansprechpartner werden aber nicht benannt. Dies kann natürlich nicht der richtige Weg sein, kritisiert der Verband, appelliert dennoch an seine Mitstreiter, weiter zu machen und bietet seine Hilfe an.

Frank Ahlers will weiter machen, als Fischereiaufseher des Landkreises. Er hat sich, wie er sagt, überreden lassen. Denn da sei mit den Jahren ein großes Vertrauensverhältnis gewachsen. Er will sich weiter für die Natur und Umwelt einsetzen. Und er will die Bürger, in der Regel sind es Angler, die ihn rufen, so sie Missstände entdecken, nicht enttäuschen. Seine eigene Enttäuschung sei, wie er meint, diesbezüglich mehr als genug.

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