Nach Sturm "Niklas" : Forstleute warnen vor Osterspaziergang im Wald

In den Bantiner Buchen stehen je zur Hälfte Laubbäume und Nadelbäume. Die Fichten als Flachwurzler konnten Sturm Niklas am wenigsten entgegensetzen. Forstamtsleiter Dr. Christof Darsow (r.) und Revierförster Heiko Berkhauer begutachten die Windbruchschäden.
In den Bantiner Buchen stehen je zur Hälfte Laubbäume und Nadelbäume. Die Fichten als Flachwurzler konnten Sturm Niklas am wenigsten entgegensetzen. Forstamtsleiter Dr. Christof Darsow (r.) und Revierförster Heiko Berkhauer begutachten die Windbruchschäden.

Umgestürzte Bäume durch Sturm „Niklas“ können für Lebensgefahr bei Besuchen sorgen

svz.de von
03. April 2015, 21:15 Uhr

Nach Sturm „Niklas“, der die letzten Tage regelrecht eine Schneise der Verwüstung durch das Land  zog, warnen nun Forstleute vor dem Betreten der Wälder.

„Das kann lebensgefährlich sein. Die orkanartigen Böen haben für jede Menge Windwurf gesorgt. Durch den Regen zuvor waren die Böden bereits aufgeweicht, so dass der Wind viele Bäume samt Wurzelteller umgelegt hat“, sagt Revierförster Heiko Berkhauer. Der 45-Jährige betreut seit 2011 etwa 2000 Hektar Wald im Revier Lassahn am Schaalsee.

„Die Bantiner Buchen hat es dieses Mal ganz besonders schlimm erwischt. Hier liegen ungefähr  500 Festmeter als Bruchholz, das meiste sind Fichten. Sie sind Flachwurzler. Und es besteht immer noch die Gefahr, dass weitere Bäume umbrechen oder Äste herunterfallen. Wir appellieren deshalb an die Bevölkerung, die Wälder samt ihren Wegen  die nächsten Tage  zu meiden. Wir sind zwar bereits am Aufräumen, aber wir werden bis Ostern nicht alles geschafft haben. Bei mir im Revier liegen allein um die 700 Meter Festmeter  umgestürzt. Das ist ein Viertel des Jahreseinschlages.“

Dasselbe Schicksal hatte die Forstleute bereits im Januar 2015 arg gebeutelt. „Wir waren jetzt gerade fertig mit dem Aufräumen und Aufarbeiten. Nun der nächste Sturm“, zuckt Berkhauer ein wenig genervt von den Naturgewalten die Schultern. Und das zu recht: „Wir müssen jetzt, wo es allmählich wärmer wird,  schnell beräumen, damit  uns nicht der Borkenkäfer  die geworfenen und gebrochenen Fichten  besiedelt. Von dort aus breitet er sich dann nämlich auf die Nachbarbäume aus.“

Man wolle den Wald und seine öffentlichen Wege für die Bevölkerung zu Ostern nicht sperren,  betont auch der Leiter des zuständigen Forstamtes Radelübbe, Dr. Christof Darsow, gegenüber der SVZ. „Aber jeder sollte sich selbst sehr gut überlegen, ob er sich und seine Familie, besonders die Kinder, dieser möglichen großen Gefahr aussetzen will. Denn viele Bäume sind gegeneinander gefallen. Die Möglichkeit, dass sie gänzlich umstürzen, besteht sekündlich. Das kann auch bei absoluter Windstille  geschehen.  Auch sind viele Waldwege noch nicht wieder passierbar. Niemand  kann und will hier Sicherheitsprognosen abgeben“, warnt der Fachmann eindringlich, der für ein riesiges Forstamtsgebiet von rund 17 000 Hektar zwischen Warlitz und Utecht zuständig ist.

„Der  letzte Sturm hat uns in diesem Waldbereich mindestens 5000 Festmeter Bruchholz beschert. Das ist fast ein Viertel unseres gesamten Holzeinschlages von etwa 32 000 Festmetern  pro Jahr. Um sich diese immense Menge besser vorstellen zu können, sollte man vielleicht wissen, dass auf einen Lkw rund 25 Festmeter passen“, berichtet Darsow weiter.  Der wirtschaftliche Schaden durch den Sturm sei enorm, weil Bruchholz natürlich nicht die gleichen Preise erziele, wie ganz normal eingeschlagene Bäume. Wie lange die Aufräumarbeiten noch andauern, vermag zur Zeit keiner zu sagen. Darsow: „Das hängt auch ein bisschen von der Witterung der nächsten Tage ab, wie wir vorankommen.“

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