Forscherdrang im Museum

Die Regale im neu entstandenen Archiv füllen sich langsam: Johannes Herbst und Christiane Lengnink packen mit an. kaho
Die Regale im neu entstandenen Archiv füllen sich langsam: Johannes Herbst und Christiane Lengnink packen mit an. kaho

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27. Februar 2010, 01:57 Uhr

Linstow | Mehr Kontinuität bitte! So heißt es aus dem Wolhynier-Museum Linstow, Kreis Güstrow. Das UmsiedlerMuseum gewährt Einblick in die Geschichte und die Arbeits- und Lebenswelt der Wolhyniendeutschen (aus Polen stammend) bei ihrem Neubeginn in Linstow.

Kontinuität ist erwünscht in Bezug auf jenen Mitarbeiter des Heimatvereins Linstow (Träger), der zu den Öffnungszeiten des Geländes vor Ort ist und kompetent erklären kann. Das macht derzeit Christiane Lengnink, angestellt bei der Gemeinde über das Modell "Kombilohn". Seit Juni 2008 arbeitet sie im Sinne der Wolhynier, doch ihr Job ist befristet auf drei Jahre. Bald muss der Verein sich wieder um jemand Neues bemühen. Aber die Geschichte der Wolhynier habe man nicht in drei Tagen erklärt. "Und nicht alle Leute, die vom Arbeitsamt kommen, interessieren sich dafür", sagt Johannes Herbst, der Vorsitzende des Heimatvereins Linstow.

Monografie soll entstehen

Diesem Problem will der Verein - einzigartig in Deutschland - begegnen. Er unterschreibt einen Vertrag mit dem historischen Institut der Uni Rostock. Mitarbeiter von dort werden in Linstow die Wolhynier erforschen. Innerhalb eines dreiviertel Jahres soll eine Monografie entstehen. Thema ist die Geschichte der Wolhynier im Allgemeinen und im Besonderen in Linstow, der Forschungsstand und die Entstehung des Museums. Das Projekt kostet gut 5000 Euro, getragen von Land, Kreis und Privatleuten.

"Wir müssen etwas in der Hand haben, zeigen, dass wir forschen, dass unsere Einrichtung großen Wert hat", begründet Herbst. Und er erwähnt den Paragraphen 96 des Vertriebenengesetzes, wonach Bund und Länder verpflichtet sind, sich mit der Historie Vertriebener zu befassen, ihr Kulturgut aufrecht zu erhalten. Das geschieht in Linstow seit mehreren Jahren, nun sei es an der Zeit, in den Genuss einer institutionellen Förderung zu kommen. Die Person, die zukünftig "Hausherr" im Museum ist, soll fest angestellt und nach Möglichkeit auch von seiner Ausbildung her geschichtlich fit sein - "ein Geschichtslehrer vielleicht", so Herbst. Denn eines sei klar: Das Schicksal der Wolhynier eigne sich hervorragend dazu, Themen wie Migration und Integration zu erläutern.

Der Verein hat Trümpfe in der Hand. "Materiell ist bei uns alles vorhanden." 2009 konnten die Bauarbeiten am Dachgeschoss der Museumsscheune abgeschlossen werden. Drei Räume sind entstanden: ein Veranstaltungsraum für den Verein, ein Archiv und ein Büro.

Im Büro sollen die Mitarbeiter der Uni Rostock forschen können.

Noch etwa 20 Wolhynier, die entweder in in Wolhynien oder im Warthegau geboren wurden, leben noch in Linstow. Der Heimatverein hat bundesweit 50 Mitglieder.

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