Verhärtete Fronten im Kampf um Schalißer Weg : Forderung: Klage gegen das Biosphärenamt

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Entschlossen begründete Jürgen Baumgarten (CDU) am Donnerstag seinen Willen für eine Klage gegen die einstweilige Verfügung des Amtes für das Biosphärenreservat, den Schalißer Weg für die Öffentlichkeit zu sperren.

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12. November 2010, 07:58 Uhr

Zarrentin | "Irgendwann ist das Maß voll. Immer wieder werden wir vertröstet. Unsere Widersprüche werden vom Amt für das Biosphärenreservat abgeschmettert. Und dessen Leiter zeigt sich nie gesprächsbereit. Es wird Zeit, dass wir Flagge zeigen und nicht vor dem Biosphärenamt einknicken." Kurz, aber entschlossen begründete Jürgen Baumgarten (CDU) am Donnerstagabend seinen Willen für eine Klage gegen die einstweilige Verfügung des Amtes für das Biosphärenreservat, den Schalißer Weg für die Öffentlichkeit zu sperren. Wie er denken inzwischen fast alle Zarrentiner Stadtvertreter. "Wir haben uns bemüht und Kompromisse angeboten. Aber das Amt kommt uns keinen Schritt entgegen", sagt Jürgen Schröder (SPD). Und so stimmte auf der jüngsten Stadtvertretersitzung die große Mehrheit unter Applaus der vielen Zarrentiner Zuhörer für eine Klage am Schweriner Verwaltungsgericht gegen das Biosphärenamt.

Anlass für die Klage ist ein Bescheid des Biosphärenamtes, in dem der Widerspruch des Amtes Zarrentin und vieler einzelner Zarrentiner gegen die Sperrung des Weges abgelehnt wird. Darin schreibt der Leiter des Biosphärenamtes Klaus Jarmatz unter anderem: "Bei dem Wegeflurstück handelt es sich seit der Sperrung zu DDR-Zeiten aus Grenzsicherungsgründen nicht mehr um einen öffentlichen Weg." Laut Schutzgebietsverordnung sei es in Naturschutzgebieten verboten, Flächen außerhalb der gekennzeichneten Wanderwege zu betreten. Vorprüfungen hätten zudem ergeben, dass eine Öffnung des Weges voraussichtlich zu erheblichen Beeinträchtigungen von geschützten Vogelarten führen werde. Da der Kranichrast- und Schlafplatz am Schaalsee nicht nur artenschutzrechtliche, sondern auch eine touristische Bedeutung habe, wünsche sich Klaus Jarmatz einen konstruktiven und sachlichen Umgang mit diesem Thema.

Konstruktiv und sachlich - das wünschen sich auch die Zarrentiner Stadtvertreter. Sie hatten im September eine vierköpfige Arbeitsgruppe zusammengerufen, die sich mit dem Biosphärenamt in Gesprächen zu dem Weg verständigen sollte. Bis heute habe es erst ein Treffen gegeben - zum Bedauern der Zarrentiner wieder ohne den Leiter des Biosphärenamtes Klaus Jarmatz. "Phantom" nennen ihn die Mitglieder der Bürgerinitiative für Rad- und Wanderwege inzwischen. "Sein Verhalten ist befremdlich", sagt auch Bürgermeisterin Greta Glass. Alle Terminanfragen habe Jarmatz bis heute aus zeitlichen Gründen abgelehnt. "In seinem öffentlichen Amt als Leiter einer Behörde wünschen wir uns von ihm mehr Anstand, mit den Menschen vor Ort zu reden", sagte Glass auf der Stadtvertretersitzung.

Mit der Klage erhoffen sich die Stadtvertreter eine Klärung der Frage, ob der Schalißer Weg öffentlich ist oder nicht. Margret Kammlodt versteht die Klage vor allem als Signal: "Wir können so nicht mit uns umgehen lassen. Wir vertreten hier auch die Bürger. Und wenn mehr als tausend Zarrentiner für die Öffnung des Schalißer Weges ihre Unterschrift geben, müssen wir uns dafür auch einsetzen." Wichtig sei ihr, dass trotzdem weiter mit dem Biosphärenamt verhandelt wird. Das aber hatte bereits in vorgesprächen angekündigt, die Verhandlungen im Falle einer Klage abzubrechen.

Ein von der Zarrentiner Stadtverwaltung beauftragtes Anwaltsteam gibt der Klage wegen bestehender EU-Richtlinien übrigens kaum Erfolgsaussichten. Wie auch immer der Streit ausgeht - fest steht, dass das Verfahren bis zu zwei Jahren dauern kann. Das hat Vor- und Nachteile, sagt Stadtvertreter Nikolaus Johanssen (Bürgerbündnis für Zarrentin und Umgebung) . "Zum einen blockiert es die Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat. "Zum anderen aber werde jetzt endlich mal ein Schlussstrich gezogen. Es wird Zeit, dass wir in dieser Sache zu Potte kommen!"

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