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Hagenower Kreisblatt

16. Dezember 2017 | 18:02 Uhr

Flughafen: Jetzt kommt die Rechnung

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2012 | 06:27 Uhr

Parchim/Ludwigslust | Der Parchimer Flughafen wird in den kommenden Jahren die Finanzen des neuen Landkreises Ludwigslust-Parchim mit bisher nicht einkalkulierten Millionensummen belasten. Nach einer bisher internen Informationsvorlage des Landkreises, die SVZ vorliegt, geht es um eine Summe von insgesamt 7,8 Millionen Euro. Vier Millionen der noch anstehenden Verbindlichkeiten des alten Landkreises Parchim sollen dabei durch noch ausstehende Kaufpreisraten des chinesischen Flugplatzbesitzers gedeckt werden. Selbst wenn das klappt, stehen dem Landkreis ab 2015 weitere Verbindlichkeiten in Millionenhöhe ins Haus.

Damit könnten dann auch Städte und Gemeinden des alten Landkreises Ludwigslust für den Parchimer Traum vom Großflughafen zur Kasse gebeten werden. Bisher waren alle davon ausgegangen, dass die Verbindlichkeiten aus dem Altkreis Parchim ausschließlich von den dortigen Kommunen getragen werden. Es geht um 15 Millionen Euro. Nach der jüngsten Analyse des neuen Landkreises ist dieses Ergebnis wohl nicht mehr zu halten. Es ist nicht die erste finanzielle Last in Größenordnung, die der alte Kreis Parchim hinterlassen hat. Bereits kurz nach der vom Land durchgedrückten Kreisfusion wurde plötzlich die Sanierung des maroden Parchimer Theaters auf die Tagesordnung gebracht. Geschätzte Gesamtkosten: bis zu sechs Millionen Euro.

Nun der Flughafen. Seit Dezember hatten die Fachleute im Kreis an einer umfassenden und vor allem schonungslosen Analyse gearbeitet. Das zwölf Seiten umfassende Papier legt dann auch in bisher nicht da gewesener Offenheit das finanzielle Abenteuer offen, das vor allem das Land, aber auch der Altkreis Parchim für die Vision eines Großflughafens zwischen Hamburg und Berlin zu gehen bereit waren. Ergebnis: "Die finanzielle Lage des Altkreises Parchim geht zu einem nicht unerheblichen Anteil auf das frühere finanzielle Engagement des Landkreises für den Flughafen Parchim zurück", heißt es dann auch im Bericht. Zugleich werden auch die Schuldigen genannt: "Das Projekt ist im Kern auch von einem erheblichen Landesinteresse getragen gewesen." Warum es soweit kam, wird in der zum Papier gehörenden Chronologie der Flughafenentwicklung deutlich. Schon 1993 hatte das Innenministerium dem Landkreis Parchim vorgegeben, bei einer Landesbeteiligung einen Eigenbetrieb zu gründen. Der Eigenanteil des Landkreises wurde über Kredite finanziert. Dann gab es Ausbauprogramme, erst gigantisch, dann kleiner, aber dennoch teuer. Und immer wieder griff der alte Kreis zu Krediten. Das fiel öffentlich zunächst nicht auf, weil das Abenteuer Flugplatz inzwischen in einem Eigenbetrieb abgewickelt wurde. Schließlich die Einsicht, dass es die öffentliche Hand nicht regeln kann, private Investoren mussten her. Der erste Anlauf mit der Wiggins Group Pic. scheiterte schnell, dann war der Chinese Jonathan Pang mit Link Global Logistics Co. Ltd am Zug. Er sollte 30 Millionen Euro zahlen, aber schon wenig später stand das in Frage. Der alte Parchimer Kreistag senkte schließlich in seiner Not den Kaufpreis auf 17,25 Millionen Euro, dafür verpflichtete sich der Investor, für 7,9 Millionen Euro zu investieren. Zumindest der lange erwartete Bau des Flughafen-Towers hat nun begonnen.

Auch wenn die Privatisierung gelungen scheint, bleibt nun der neue Landkreis auf vielem sitzen: Künftige Zinsen für bestehende Kredite, Eigenanteil für die weiter anstehende Grundwassersanierung, Kosten für die Herstellung der vertraglich zugesicherten Munitions- und Altlastenfreiheit, Kosten der Sanierung der ehemaligen Mülldeponie und die Herstellung einer Lkw-Zufahrt mit Anbindung an die Landesstraße.

Der Kassensturz in Sachen Flughafen soll noch in dieser Woche im Finanzausschuss und später in der Märzsitzung des Kreistages beraten werden. Das Thema birgt erheblichen Sprengstoff, vor allem im Altkreis Ludwigslust. Schon jetzt ist klar, dass die Kreisumlage für die Kommunen in diesem Teil des Kreises deutlich steigen wird, auch ohne Altschulden. Der Kreis Ludwigslust war ja mit einem Plus von mehr als zwei Millionen in die Zwangsehe mit den Parchimern gegangen. Nicht einkalkuliert sind bisher die Kosten für die Sanierung des Landestheaters und nun für den Flugplatz.

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