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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 13:18 Uhr

Boizenburg : Flucht, Praktikum, Ausbildung!

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Javid Jafari kam als 14-jähriger aus dem Iran und nutzt jetzt seine Chance als Auszubildender bei Drinkuth

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 08:00 Uhr

Es ist Donnerstag 13.30 Uhr. Im Foyer der Drinkuth AG stehen an die 15 junge Menschen. Es sind die Auszubildenden der Firma, die sich regelmäßig am Donnerstag zum gemeinsamen Austausch treffen. Einer von ihnen ist Javid. Der 19-Jährige ist seit dem 1. August Auszubildender bei Drinkuth und lernt Maschinenanlagenführer. Bis es dazu kam, musste der junge Mann allerdings einige Hürden überspringen. Er stieß dabei aber auch immer wieder auf helfende Hände.

Zunächst hat es das Schicksal  nicht gut mit Javid gemeint. Er, afghanischer Herkunft, wuchs im Iran auf. Dort werden Afghanen jedoch als Minderheit diskriminiert. So wurde Javid zum Beispiel verweigert, eine Schule zu besuchen. Deswegen entschloss er sich zur Flucht. Ohne seine Familie machte er sich 14-jährig auf den Weg, um über die Türkei, Griechenland und weitere Staaten nach Deutschland zu gelangen. Während seiner Flucht konnte  der Jugendliche immer nur auf sich selbst vertrauen.

Das sollte sich grundsätzlich ändern, als er im Februar 2015 nach Boizenburg kam. Er schaute  einfach mal bei der SG Motor vorbei und traf auf offene Arme. Da war nämlich unter anderem der Co-Trainer der Männermannschaft, Marco Paul. Schnell stellte der 34-jährige Gruppenleiter bei Drinkuth fest: „Da ist ein junger Mensch, der Fuß fassen will.“ Und deswegen setzte er sich bei Freya Kistenbrügger und Anja Ahrens aus dem Personalwesen der Firma für ein Praktikum ein. Keine Selbstverständlichkeit, waren doch die Deutschkenntnisse des Jugendlichen zunächst gering. Doch er zeigte Engagement und traf damit auf die Zuneigung von Firmenseite. Zu einer festen Anstellung kam es  im Jahr 2016 zunächst jedoch noch nicht. „Dafür war sein Deutsch damals leider zu schlecht“, erzählt Kistenbrügger. Sie fährt allerdings fort: „Wir haben den Kontakt zu Javid aber nie abbrechen lassen und ihm gesagt, dass er mit besseren Sprachkenntnissen eine gute Chance habe, angestellt zu werden.“

Und die Drinkuth AG hielt Wort. Unterstützt durch die Agentur für Arbeit setzte sich Javid im Zuge der Berufsvorbereitung für junge Ausländer ein Jahr auf die Schulbank und paukte neben Fächern wie Mathe vor allem Deutsch. Dabei erzielte er so gute Noten, dass er sich in diesem Jahr erneut bei Drinkuth bewarb und eingestellt wurde. 

Ein wichtiger Punkt für die Anstellung war hierbei das Angebot der Assistierten Ausbildung vom UFAT-Bildungswerk. Die Einrichtung  unterstützt Javid bei den  Hindernissen seiner Ausbildung. Kistenbrügger ergänzt dazu:„ UFAT ist auch aus unserer Sicht eine große Unterstützung. Da gibt es das gezielt geschulte Personal.“ Dabei steht dieses Programm jedem Ausbildungsbetrieb zur Verfügung. Bei Drinkuth ist Marco Paul deswegen nicht nur Javids Praktikumsbetreuer sondern jetzt auch sein Vorarbeiter und beide, die sich beim Fußball kennenlernten,  freuen sich darüber.

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