Lübtheen : Fleißige Handwerker zu sehen

Bert Compas ist erst seit einem Monat neuer Ortshandwerkermeister.
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Bert Compas ist erst seit einem Monat neuer Ortshandwerkermeister.

Die 26. Messe der Griesen Gegendlockte wieder tausende Besucher und sogar Politik-Prominenz nach Lübtheen.

svz.de von
01. Mai 2017, 05:00 Uhr

Viele Besucher der Messe der Griesen Gegend in Lübtheen staunten am Montagmittag nicht schlecht, als Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf ihrem Festplatz auftauchte. Nicht wenige zückten ihr Handy, um schnell ein Foto zu schießen. Anders als Landwirtschaftsminister Till Backhaus und Landrat Rolf Christiansen (beide SPD) oder Bürgermeisterin Ute Lindenau war Manuela Schwesig zum ersten Mal auf der Messe von Handwerksbetrieben und Unternehmen der Region, die in diesem Jahr bereits zum 26. Mal stattfand. ,Ich habe schon viel über die Messe gehört und wurde vom Landkreis und von der Stadt eingeladen“, erklärte sie ihr Erscheinen. „Ich nehme solche Termine sehr gern wahr. Das ist immer eine schöne Gelegenheit, Menschen kennen zu lernen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Und diese Gelegenheit nutzte sie weidlich aus. Überall, wo sie bei ihrem Rundgang hinkam, ließ sie sich entweder das Gewerbe erklären oder wechselte ein paar Worte.

Till Backhaus, der aus Neuhaus stammt und lange Zeit als Abteilungsleiter in der LPG Lübtheen gearbeitet hat, wurde ungefähr von jedem zweiten Besucher von sich aus angesprochen, so dass er Mühe hatte, sich auf die Erklärungen für die Bundesministerin zu konzentrieren.

Elektrikermeister Rudolf Pfitzner erklärte Schwesig und Backhaus beispielsweise, wie schwer es sei, Mitarbeiter zu finden: „Ich bin ja nur noch allein. Früher waren wir drei Leute.“ Er müsse trotz seiner 68 Jahre jetzt noch so lange durchhalten, bis er in ein oder zwei Jahren die Firma an seinen Sohn übergeben könne.

Auch Bert Compas, erst seit einem Monat neuer Ortshandwerkermeister in Lübtheen und mit seinen beiden Brüdern Inhaber einer Glas- und Metallbaufirma, beklagte, dass seine Firma seit Monaten ergebnislos Arbeitskräfte suchen würde.

„Da haben wir in der Vergangenheit Fehler in der Politik gemacht“, räumte die Ministerin ein. „Da wurde zu sehr in den Mittelpunkt gerückt, dass die jungen Leute Abitur machen und studieren sollen. Dabei kann man auch mit einer Ausbildung in einem Handwerksberuf eine gute Zukunft haben.“

Rudi Pfitzner bemängelte noch, dass die Kinder heute nicht mehr mit einem Hammer umgehen könnten, sondern vor dem Fernseher oder PC aufwachsen würden. Er habe die polytechnische Ausbildung in der DDR gut gefunden, da gehörte ab der 7. Klasse alle wöchentlich ein Tag in einem Produktionsbetrieb zum Unterricht. Außerdem kritisierte der Elektrikermeister, dass man sich als Betrieb nicht trauen könne, einen Flüchtling einzustellen und auszubilden, weil deren Aufenthaltsstatus so lange unklar bleibe.

„Die Entscheidung über den Aufenthaltsstatus von Asylbewerbern muss in Zukunft unbedingt schneller fallen“, erklärte Manuela Schwesig im Gespräch mit der SVZ. „Und die, die eine Ausbildung haben, müssen bleiben können.“

Privat sei sie gerade bei der Eingewöhnung ihrer einjährigen Tochter Julia in den Kindergarten, verriet die Ministerin, die zwischen ihrer Familie in Schwerin und ihrem Arbeitsort in Berlin pendeln muss. Dabei würde sie sich mit ihrem Mann abwechseln, die Hälfte der vergangenen Woche habe sie im Kindergarten verbracht. „Dabei habe ich zum einen festgestellt, dass die Kitakosten immer noch zu hoch sind, und zum anderen, was für einen tollen Job die Erzieherinnen und Erzieher machen.“

Auf Bundesebene hat sich Manuela Schwesig derzeit die Abschaffung der Lohnungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zur Aufgabe gemacht. Sie setzt sich dafür ein, dass Väter und Mütter nach der Elternzeit in Teilzeit arbeiten können und zum Ausgleich ein Familiengeld erhalten, danach aber auch beide wieder in Vollzeit zurück in ihren Job können.

„Das wird aber bisher von der CDU und der Bundeskanzlerin geblockt“, so die Familienministerin.

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