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Hagenower Kreisblatt

17. Oktober 2017 | 19:15 Uhr

Hagenow : Fleischer von EU ausgebremst

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach 16 Jahren Hausschlachtungen muss Walter Strauß das Handwerk aufgeben

von
erstellt am 28.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Walter Strauß steht in seinem alten Schlachtraum. Bis vor einem halben Jahr zerlegte er hier drei bis vier Schweine in der Woche. Doch das ist nun Vergangenheit, sein Schlachtbetrieb in der Fritz-Reuter-Straße bleibt  geschlossen. „Ich habe hier die letzten Jahre Hausschlachtungen durchgeführt“, erzählt der Hagenower. „Doch das wurde mir jetzt vom Amt verboten.“

Nach dem angemeldeten Besuch des  Fachdienstleiters von der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung wurde Walter Strauß die Schlachtung von Tieren in seinen Räumlichkeiten untersagt. Die Begründung: Eine Hausschlachtung sei das Schlachten außerhalb eines Schlachthofes, soweit das Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers für den privaten häuslichen Verbrauch gewonnen und verwendet werden soll. In allen  anderen Fällen handele es sich um eine gewerbliche Schlachtung.

„Ich habe mein Gewerbe aber 1989 abgemeldet und die Räumlichkeiten nur für die Hausschlachtungen genutzt“, so der 78-jährige Schlachter.  Sonst stehen die Räume leer. „Das Schwein wurde hergebracht, hier geschlachtet und zerlegt, so wie die Besitzer es haben wollten und dann haben sie alles wieder abgeholt. Ich habe nichts weiter verkauft.“ Vielen sei die Schlachtung zu Hause auch gar nicht mehr möglich, so Strauß weiter. „Sie haben ja gar nicht mehr die Möglichkeiten die Tiere bei sich zu brühen, zu zerlegen oder richtig zu kühlen.“

Im Fall von Walter Strauß greift jedoch  das EU-Hygienepaket, das 2006 in Kraft trat und eine Zulassung des Betriebes sowie strengere Hygienevoraussetzungen als bei einer Hausschlachtung vorsieht. Nach Rücksprache mit Dr. Olav Henschel, Leiter des Fachdienstes Veterinär- und Lebensmittelüberwachung, stellt sich der Sachverhalt also wie folgt dar: „Hausschlachtungen sind im Landkreis nicht verboten. Im entsprechenden Fall handelt es sich aber nicht um eine Hausschlachtung, sondern um eine sogenannte Lohnschlachtung, also eine gewerbliche Schlachtung. Denn es waren nicht die eigenen Tiere, die dort im eigenen Haushalt geschlachtet wurden.“ Es sei möglich, Hausschlachtungen durch einen Schlachter auf einem Betrieb durchzuführen, in dem das Fleisch auch verbraucht wird. Hier seien aber die Entsorgung der Schlachtabfälle zu beachten sowie strengere Hygienevorschriften.

Walter Strauß fällt die Entscheidung schwer, aber für ihn steht nun fest: „Ich werde keine weiteren Hausschlachtungen mehr anbieten.“ Die Schlachträume, die in den 60er Jahren gebaut wurden,  auf EU-Norm umzurüsten, hätte keinen Sinn, so der Rentner weiter. „Es ist nur Schade um die Kunden, sie rufen heute noch an und würden gern ihr Schwein bei mir schlachten lassen.“

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