Rettung für den Woezer See : Fischen im Trüben – damit See wieder klar wird

Renaturierung am Woezer See: Gestern begann das Abfischen von Karpfen und Bleien – die Wühlfische sind eine Ursache für die zunehmende Verlandung

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04. Dezember 2013, 18:26 Uhr

Stefan Sandrock ist schon wieder zurück an Land. Der Biologe hat gestern Morgen vom Boot aus mit einer Schatulle Wasser von der tiefsten Stelle des Woezer Sees geschöpft und mit einer Secchi-Scheibe die Sichttiefen gemessen. Seine Kollegen werden die Wasserproben später im Labor auf den Chlorophyll- und Phosporgehalt untersuchen.

Jetzt steht der Wissenschaftler am Ufer und schaut über den See. Weit hinten im Nebel tuckert der Fischer mit seinem Kahn langsam im Kreis. Er wirft das Zugnetz aus, in dem Hunderte von Karpfen, Bleien, Plötzen, Hechten und Zandern zappeln werden. Bleie und Karpfen – auf die haben es die Biologen abgesehen. Sie durchwühlen auf der Suche nach Larven und Zooplankton den schlammigen Seeboden und erschweren damit die Ansiedlung von Wasserpflanzen. „Die sind hier aber ganz wichtig, weil sie Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen und damit wie ein Wasserfilter wirken“, sagt Sandrock. Der Wissenschaftler aus Nienhagen betreut das von der EU geförderte Renaturierungsprojekt am Woezer See.

Als er hier im Juli Wasserproben nahm, konnte man keine 15 Zentimeter tief in den See blicken. „Wer den Ellenbogen ins Wasser hielt, hat seine Finger schon nicht mehr gesehen“, sagt Sandrock.

Gemeinsam mit dem Leiter des Biosphärenamtes Klaus Jarmatz wartete der Biologe gestern in der Kälte an der Woezer Badestelle, bis der Fischer das erste große Fangnetz ans Ufer hievte. 500 Kilogramm schwer schätzt Fischer Thies von der Bimes Binnenfischerei aus Leezen den Fang. Im Netz waren auch asiatische Silberkarpfen. „Einer so dick wie ein kleines Schwein“, sagt Jarmatz. In den achtziger Jahren waren die exotischen Tiere zur Entkrautung in den See gesetzt worden. Heute sind die Biologen froh über jedes dieser schweren Tiere, das aus dem See gezogen wird. „Denn so ein Karpfen frisst täglich ein Pfund Larven aus dem Seegrund. „Die Flöhe fehlen später als Algenfresser“, sagt Jarmatz. Zander und Hechte, die die Fischer beim Abfischen aus dem See holen, werden wieder zurück in den See gesetzt. „Die Raubfische sind wichtig, weil sie die Friedfische fressen und damit mehr Plankton erhalten“, sagt Sandrock. Im Frühjahr sollen deshalb noch weitere Hechte und Zander in den See gesetzt werden.

Jarmatz, der Fischerei und Meeresbiologie studiert hat, will sich die Arbeit vor Ort nicht entgehen lassen. „So etwas erlebe ich vielleicht einmal in drei Jahren“, sagt er. Das Projekt sei auch für ihn äußerst spannend, weil man hier in offene biologische Systeme eingreife und die Erfolgsgarantie nicht gegeben sei. Ob und in welchem Maße sich die Qualität des Sees verbessert, könne man frühestens in fünf Jahren sagen. Sicher sei auch, dass der ein Meter tiefe See früher oder später verlanden werde. Die Renaturierung zögere den Verlauf nur hinaus. Bis dahin aber profitieren auch die Menschen aus den anliegenden Gemeinden von dem Projekt: Die ehemalige Woezer Badestelle könnte wiederbelebt werden. Das Geld für einen Steg wäre da – nur die Gemeinde muss sich noch dafür aussprechen.

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