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Insolvenzantrag für Natur-Erlebnispark in Nieklitz : Finanznot im Zukunftspark

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Seit Monaten wurden keine Sozialversicherungsbeiträge mehr gezahlt, weshalb die Krankenkasse IKK Insolvenzantrag über das Vermögen der Nieklitzer Ökologie- und Ökotechnologie-Stiftung stellte.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 04:36 Uhr

Nieklitz | Finanzieller Engpass im Zukunftszentrum Nieklitz: Seit Monaten wurden keine Sozialversicherungsbeiträge mehr gezahlt, weshalb die Krankenkasse IKK Insolvenzantrag über das Vermögen der Nieklitzer Ökologie- und Ökotechnologie-Stiftung (Nicol) gestellt hat. Sie betreibt den Erlebnispark "Mensch - Natur - Technik - Wissenschaft". Dem Amtsgericht Schwerin zufolge wurde in dieser Woche ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.

Zentrums-Initiator und Leiter Prof. Dr. Berndt Heydemann (84) bleibt weiter optimistisch. "Wir kriegen die Gelder ran, um die Rückstände zu begleichen", sagte er gestern auf Nachfrage. In zwei bis drei Wochen soll die Summe aufgebracht sein. Er fürchtet jetzt aber, dass durch die "Skandalisierung" um den Insolvenzantrag die Besucherzahlen kaputt gehen und betont deshalb, dass der Park weiter geöffnet bleibt. Alle sieben Mitarbeiter sollen bleiben. 500 000 Euro jährlich fehlten dort zuletzt, nachdem das Land 2008 den Geldhahn zudrehte. Geld, das Heydemann jedes Jahr von "außen rangeholt" habe. Auch Preisgelder, wie zuletzt vom Umweltpreis, flossen in seinen Lebenstraum. Insgesamt habe er sieben Millionen Euro Eigenmittel ins das Zentrum gesteckt. Und er will auch in Zukunft "alles dafür tun", damit es erhalten bleibt. Wenngleich er weiß, dass er dafür auf staatliche Mittel angewiesen ist. Von der mecklenburgischen Landesregierung werde es jedenfalls keine weitere Unterstützung geben, hieß es gestern auf Nachfrage aus dem zuständigen Landwirtschaftsministerium. Zwischen 1998 und Ende 2007 sind fast 6,9 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln geflossen. Konkrete Kostennachweise und ein zukunftsfähiges Konzept habe Heydemann nicht vorlegen können. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus strich deshalb im April 2008 die Gelder, "weil die wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht gewährleistet war". Dabei sah das Land zu Beginn "die Chance, den Wissenschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern mit dem Zukunftszentrum zu stärken". MV habe es als "Ideenschmiede" gesehen, als attraktiven Standort zur Darstellung angewandter und praxisnaher Forschung im Bereich der Bionik.

Klaus-Dieter Müller, Bürgermeister in Gallin, hofft, dass es weitergeht mit dem Zentrum. Denn er sieht durchaus Potenzial in dem Projekt. "Es ist sehr interessant", sagte er. Kita-Kinder seiner Gemeinde, zu der Nieklitz gehört, seien öfter dort gewesen. Es werde nur zu wenig Werbung dafür gemacht, findet er. Planerisch würde er den Betreiber gerne unterstützen.

Auch das Biosphärenamt Schaalsee würde eine Insolvenz bedauern. Jahrelang sei es Partner des Zentrums. "Wir haben uns gegenseitig im Marketing unterstützt", sagte Elke Dornblut. Das Zukunftszentrum sei ein Ausflugstipp für Touristen.

Auf dem 185 000 Quadratmeter großen Areal in Nieklitz will der frühere Umweltminister Schleswig-Holsteins Heydemann seit 1998 Menschen die Schönheit der Natur vermitteln. 12 000 Besucher finden jedes Jahr den Weg dorthin, weitere 170 000 in die bundesweiten Ausstellungen des Zentrums, so Heydemann. Von den Eintrittsgeldern, auswärtigen Vorträgen und anderen wissenschaftlichen Projekten in ganz Deutschland lebe die Stiftung. Und Heydemann streckt jetzt gezielt die Fühler nach Schleswig-Holstein, Hamburg oder Niedersachsen für Entwicklungsaufträge aus. "Dadurch bauen wir auf."

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