Simson SR1 : Familienerbstück im neuen Glanz

Glücklich und zufrieden: Kurt Dreyer (l.) und Jan Reinecke (r.) Fotos: Reinecke
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Glücklich und zufrieden: Kurt Dreyer (l.) und Jan Reinecke (r.) Fotos: Reinecke

Jan Reinecke hat eine alte Simson SR1 in mühevoller Kleinarbeit aufgearbeitet

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19. Februar 2018, 12:00 Uhr

Das er es irgendwann einmal bekommen würde, war wohl schon früh klar. Die Frage war eigentlich nur, in welchem Zustand? Vor knapp drei Jahren war es dann soweit: Jan Reinecke bekam das alte Simson SR1 von seinem Opa, Kurt Dreyer, geschenkt. „Das war genau das Richtige“, sagt der heute 37-jährige Zarrentiner. „Vor einigen Jahren habe ich ein Interesse an alten Simson und generell DDR-Fahrzeugen entwickelt.“

Nicht verwunderlich, denn das SR1, das geschenkt bekommen hat, war das erste Moped seines Uropas. „1956 hat es mein Vater auf dem Bauernmarkt in Schwerin gekauft“, erzählt Kurt Dreyer, der damals mit dabei war. „Auf diesem Markt gab es immer seltene Sachen.“ Und eine echte Rarität war auch dieses Moped. „Das Besondere ist die Farbe, Diaphanblau, die war eigentlich nur für Mopeds bestimmt, die für den Export vorgesehen waren. Warum mein Uropa so eins auf einem Bauernmarkt kaufen konnte, ist für uns ein Rätsel“, meint Jan Reinecke.

Und ganz im Gegensatz zur Farbe, war ihm etwas anderes schnell klar: Die Simson wird wieder originalgetreu aufgebaut. „Nach und nach habe ich damit begonnen die richtigen Teile für den SR1 zu besorgen.“ Denn einige seien nicht mehr zu gebrauchen gewesen oder im Laufe der Jahre durch Teile des Nachfolgers SR2 ersetzt worden. „Die waren einfach verbreiteter. Vom SR1 wurden von 1955 bis 1957 nur rund 152 000 Stück gebaut. Und die Preise für die Ersatzteile sind unverschämt hoch“, erzählt Reinecke. Allein ein Sattel werde auf dem Gebrauchtwarenmarkt zwischen 200 bis 500 Euro gehandelt. Dennoch stand für ihn im vergangenen Jahr fest, das Moped bis Anfang 2018 wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen.

„Da es sich um ein Ehrenstück handelt, wollte ich es wieder so aufbauen, wie es einst das Suhler Werk verlassen hat. Vielleicht sogar noch besser!“, meint Jan Reinecke. Er schraubte das Moped komplett auseinander, ließ Teile lackieren, auf Hochglanz polieren oder neu verchromen. Vor wenigen Tagen konnte er das Projekt erfolgreich abschließen, und seine Großeltern zu sich einladen. Sie sollten das Moped als Erste besichtigen.

„Opa Kurt hat nichts geahnt. Er hat zwar gewusst, dass ich den Wiederaufbau geplant habe, aber nicht, dass es so schnell geht.“ Die Freude war bei dem 83-jährigen Neuenkirchener umso größer. Ganz genau guckte er sich das Gefährt an und dachte dabei wohl auch an seinen Vater. „Uropa hätte gesagt: Ein Ding der Unmöglichkeit“, so Kurt Dreyer.

Für Jan Reinecke ging so ein Traum in Erfüllung. „Mir war es extrem wichtig, dass Opa das gute Stück neu aufgebaut erlebt. Deshalb habe ich viele Stunden in der Garage verbracht. Meine Lebensgefährtin hat immer Verständnis gehabt, dafür kann ich mich gar nicht genug bedanken.“

Nach der Arbeit soll nun der Spaß im Vordergrund stehen. Für Sonntagsfahrten und zu Oldtimertreffen, werde das SR1 aus der Garage geholt, meint Jan Reinecke. Die erste Runde hat es am Wochenende gut überstanden. „Es lief noch nicht so, wie ich es mir vorstelle, aber es ist gelaufen“, so das Fazit.


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