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Wittenburg : „Familie ist größtes Geschenk“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Torsten Schirkowski aus Wittenburg leitet Blau-Kreuzler der Motelstadt sowie Umgebung und hofft auf eine neue Liebe in seinem Leben

von
erstellt am 18.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Sich gegenseitig annehmen, mit all seine Schwächen aber auch Stärken, das ist es, was die Gemeinschaft der Blaukreuzler ausmacht. Und die Suche nach Wegen aus der Sucht.

Torsten Schirkowski ist Alkoholiker, trockener, wie er betont. Und das seit zehn Jahren. Seit dieser Zeit ist er auch Mitglied beim Blauen Kreuz in Deutschland e.V., Begegnungsgruppe Wittenburg und Umgebung. Seit drei Jahren leitet er diesen Zusammenschluss. „Ich bin damals mit einer gewissen Schwellenangst da rein, aber dann habe ich mitbekommen, dass die anderen, zur Zeit 20, gegen die selben Dämonen ankämpfen, wie man selber“, gesteht der gebürtige Wittenburger.

Auf seine 25-jährige Trinkerkarriere sei er nicht besonders stolz, verrät er, dem Familie als größter Schatz gilt.

Leider habe er das erst viel zu spät begriffen, sagt Torsten Schirkowski, an dessen Sucht zwei Ehen zugrunde gingen. Heute arbeitet er als Maschinist und Kraftfahrer, verdient gutes Geld und hat kapiert: „Ich brauche keinen Alkohol, um glücklich zu sein.“

Rund vier Millionen Deutsche sind momentan alkoholkrank, rund 16 000 von ihnen sterben jährlich an der Sucht. Etwa ein Drittel aller Klinikeinweisungen, ein Viertel aller Arbeitsunfälle, sowie ein Sechstel aller Kündigungen gehen auf das Konto namens Alkohol. Das unbeschreibliche seelische Leiden der Familie und der Partner, die mit zerstört werden, ist damit noch nicht dokumentiert.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortet der 52-Jährige die beliebten Fragen zum Wochenende. In der heimischen Wohnküche, bei Hagebuttentee, während vor dem Fenster im nahen Wäldchen die Vogelwelt tapfer den Frühling begrüßt.
Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Ein Leben ohne Alkohol ist am schönsten. Das weiß ich heute. Es war eine bittere Erkenntnis.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Im Wald, egal, wo. Ich fahre oft mit dem Auto in die Natur, um spazieren zu gehen.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
In der Lehre zum Betriebsschlosser, da habe ich eine Maschine repariert in der Firma MKF Wittenburg
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Ich habe für meine damalige Freundin eine Gitarre gekauft, die sie sich sehnlichst gewünscht hatte. Mittlerweile sind beide weg. (schmunzelt)
Wo findet man Sie am ehesten?
Meist auf dem Bock irgendwo in Deutschland, also auf meinem Mercedes-Laster.

Welches Buch lesen Sie denn gerade?

„Games of Thrones“, ein wirklich spannendes Buch. Ich habe im Fernsehen übrigens gebannt alle Folgen der US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie gesehen.
Was stört Sie an anderen?
Oberflächlichkeit und Lüge, wobei letztere am Schlimmsten ist.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Schauspieler Sylvester Stallone, der hat so viel durch im Leben und sich nie unterkriegen lassen.
Was würden Sie gern noch können?
Gelassener zu sein, wenn das Leben einen wieder mal prüft.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Sich fallenlassen zu können bei Menschen, die diese Schwäche nicht gegen einen verwenden.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Das kommt darauf an. Normalerweise bin ich ein Kopfmensch. Doch ich habe auch die Erfahrungen gemacht, dass Bauchentscheidungen besser gewesen wären.
Wonach suchen Sie im Leben?
Nach Anerkennung und Zufriedenheit. Vor allem nach einer Frau und Partnerin, die bereit ist, mit mir ihr Leben zu teilen, ohne einen Supermann zu erwarten.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Cola light und ein Stück Butter. Meine Mutter sagt immer, wer keine im Kühlschrank hat, ist arm. Das ist so ein Satz der Nachkriegsgeneration.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich würde gern mal einen Winterurlaub machen, wie früher, mit Ski-Fahren.
Wen würden Sie gern mal treffen?
Unseren Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
bescheiden
Wo ist für Sie Heimat?
In Wittenburg, ganz klar.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Das war an der Ostsee in Beckerwitz, wo ich mit einigen Kumpels gezeltet habe. Da haben wir ordentlich einen drauf gemacht.
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Deutsche Küche, hier sehr gern die mecklenburgische Hausmannskost. Nichts Extravagantes. Ich liebe beispielsweise Rippchen mit Kartoffeln und Sauerkraut. Lecker..... (schließt genießerisch die Augen)
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf meine Arbeit, sie gestattet mir ein gutes Auskommen und damit ein kleines Stück Unabhängigkeit.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
1. Weiter ohne Alkohol zu leben.

2. Weiter einer geregelten Arbeit nachgehen zu können.

3. Eine Frau, die das Herz am rechten Fleck hat.

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