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Hagenower Kreisblatt

18. Oktober 2017 | 00:24 Uhr

Hagenow : Falsche Polizisten immer frecher

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gleich vier Anrufer an einem Tag nur in Hagenow. Revierchef Uwe Mathews: „Das hat eine völlig neue Qualität bekommen“

von
erstellt am 22.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Was würden Sie denken, wenn im Telefon 03883110 erscheint und sich ein freundlicher Polizist vorstellt, der auch noch Dienstgrad und seinen Namen nennt? Richtig, sie wären zwar verwundert aber sie würden zuhören. Genau diese Masche ist in Hagenow am Montag Abend gleich vier Mal versucht worden. Mal hätten die Polizisten bei einer Durchsuchung angeblich Unterlagen des Angerufenen gefunden, mal hätten sie auf einer Liste von Ganoven gestanden, die man gerade geschnappt habe. Ob man denn große Geldmengen im Haus horte, alleine wohne, ein Schließfach habe... Alles falsch und erlogen. In allen vier Fällen schöpften die Angerufenen Verdacht, legten schließlich auf und informierten die Polizei. „Wir sind erleichtert, dass die Betroffenen völlig richtig gehandelt haben. Und gleichzeitig besorgt, denn diese Anrufe markieren eine neue Qualität bei den Betrugsversuchen. Das hatten wir so noch nicht“, erklärte Hagenows Revierleiter Uwe Mathews gestern im Gespräch. Die Anrufe seien meist nach 20 Uhr erfolgt und über das Stadtgebiet verteilt gewesen. Die Polizei schließt nicht aus, dass die mutmaßlichen Betrüger Nummern und Adressen aus den öffentlichen Telefonbüchern hatten.

Mathews: „Niemand ruft von der 110 zurück und schon gar nicht die Polizei. Das geht technisch überhaupt nicht. Den Notruf kann man nur anrufen. Dort kann man im Notfall auch erfragen, ob dort etwas über einen eventuellen Polizeieinsatz bekannt ist.“

Gearbeitet wird bei derartigen Anrufen immer mit dem Überraschungseffekt. Auf die Frage nach Dienstgrad und Name kam z.B. „Hauptwachtsmeister Marten“. Den Dienstgrad trugen Polizisten nur zu DDR-Zeiten, und einen Herrn Marten gibt es im Hagenower Revier auch nicht.

Die Anrufer, so steht es in den Protokollen der Ermittler, waren stets freundlich und wirkten korrekt. Nur wenn es zu konkret wurde, legte man auf. So schnappte sich der Ehemann einer der Angerufenen das Telefon und kündigte an, Dienstgrad und Namen gleich überprüfen zu lassen. Da war das Gespräch plötzlich beendet.

„Wichtig ist, in so einer Situation nicht den gesunden Menschenverstand zu verlieren. Kein echter Polizist fragt am Telefon nach den Lebensumständen oder gar Geld oder Konten. Wenn jemand im Zuge von Ermittlungen aktueller Fälle direkt betroffen sein sollte, dann kommt die Polizei vorbei. Egal ob von der Schutzpolizei oder der Kripo“, weiß Mathews aus Erfahrung.

Und jeder Polizist besitze einen Dienstausweis, dessen Vorzeigen man auch immer verlangen kann. „Die Kripomarke reicht nicht, lassen Sie sich im Zweifel den Ausweis zeigen. Der hat aus Gründen der Sicherheit auch ein Hologramm. Den Ausweis haben alle Kollegen, und im Zweifel kann man auch noch mal bei uns im Revier unter 631 0 nachfragen.“ Die Hagenower Serie der betrügerischen Anrufe ist nur die Spitze eines Eisberges. Weitere Anrufe gab es in Dömitz oder Gadebusch.



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