zur Navigation springen

Arbeitsmarkt im Blick : Fachkräfte schwerer zu haben

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Arbeitsagenturchef Heyden referiert über Arbeitsmarkt und Fachkräfte / Ausbildungsabbrecher und Pendler im Fokus

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 16:10 Uhr

Den einen Königsweg zur Sicherung von Fachkräften in der Region gibt es nicht. Dafür aber mehrere Möglichkeiten, um mittelfristig offene Stellen in den Betrieben zu besetzen. So lautet das Fazit von Dirk Heyden, Vorsitzender der Geschäftsführung der Schweriner Agentur für Arbeit.

Gefragt seien vorausschauende Lösungen, auch von den Firmen selbst, sagte der Arbeitsmarktexperte am Montag Abend vor knapp 25 Zuhörern bei einem Forum des Unternehmerverbandes Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust. Jeder Unternehmer sei auch Gestalter der Arbeitsbedingungen, betonte Heyden.

Er empfahl, in die Bildung auch bereits qualifizierter Arbeitnehmer dauerhaft zu investieren, der Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter mehr Aufmerksamkeit zu schenken sowie im Umgang mit den Kollegen den richtigen Ton zu treffen. Ein wichtiger Faktor sei auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten und Kita-Angebote.

Gute Arbeits- und Lebensbedingungen hätten einen nicht unerheblichen Einfluss, für Personal attraktiv zu werden. Dass es sich lohnt, hier zu leben und zu arbeiten, sei eine gute Werbung für jedes Unternehmen.

Die Situation sei ernst und werde noch ernster, sagte der Arbeitsagenturchef weiter. Der Fachkräftemangel betreffe mittlerweile alle Regionen. Heyden verwies darauf, dass die Arbeitslosigkeit im Landkreis Ludwiglust-Parchim zwischen 2005 und 2013 um fast 46 Prozent zurückgegangen ist, die Zahl an offenen Stellen aber weiterhin sehr hoch ist. Etwas mehr als 40 Prozent der in Westmecklenburg als unbesetzt gemeldeten Jobs entfallen auf den Landkreis.

Die Personalnot mittelfristig verschärfen wird den Analysen der Arbeitsagentur auch der Umstand, dass in 15 bis 20 Jahren die gut qualifizierten geburtenstarken Jahrgänge regulär in Rente gehen. Ein Teil der heute 50-Jährigen möchte sogar bereits mit 63 Jahren und damit früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Erschwerend kommt der Trend zur Akademisierung der Arbeitswelt hinzu, wie Heyden es ausdrückte. Die Schulabgängerzahlen in Mecklenburg-Vorpommern und die der Abiturienten stiegen zwar leicht an, die duale Ausbildung profitiere dennoch nicht davon. Zu viele Eltern bleuten ihren Kindern ein, ein Studium statt eine Lehre aufzunehmen. Die Abbrecherquote sei mittlerweile „erschreckend“ hoch.

Gleichzeitig gibt es Heydens Worten zufolge eine zu hohe Zahl an Schülern, die ihre Ausbildung nicht zu Ende bringen. Viele davon hätten falsche Vorstellungen von dem Beruf und dessen Anforderungen, andere hätten zu schlechte Noten.

Er riet den Unternehmen, angesichts der schwerer werdenden Besetzung von Ausbildungsplätzen auch schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben. Helfen könnte dabei das Instrument der betrieblichen Einstiegsqualifizierung. Das Langzeitpraktikum von mindestens 6 bis maximal 12 Monaten biete den Vorteil für Firmen, die künftigen Auszubildenden und deren Fähigkeiten in der Praxis kennenzulernen. Durch die Rückgewinnung der vielen Berufspendler lässt sich Heyden zufolge ein weiteres Fachkräftereservoir erschließen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen