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Ein Tag als Tischlerin : Exakt auf den Millimeter genau

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Auch wenn die Produktionsabläufe gleich sind, schaffen Tischler mit Leidenschaft und Präzision immer wieder ein neues Ergebnis

Die Luft ist gefüllt mit einer Mischung aus zarten Lackgerüchen und dem Duft nach frisch gehobeltem Holz, wobei letzterer deutlich dominiert. Ich, SVZ-Volontärin Jacqueline Worch, fühle mich an einen Baumarkt erinnert, bin heute aber eigentlich zu Gast in der Tischlerei Schweidt. Tischlergeselle Dan Homberger wird mir zeigen, worauf es in dem Handwerk ankommt und was es zu tun gibt. Als ich ihn kennenlerne, muss ich beinahe schreien, denn die Kopfhörer, die meine Ohren vorm Tischlereilärm schützen, verhindern auch, dass wir uns akustisch gut verstehen.

Und doch geht es gleich ans Werk. Heute soll ein Einbauregal maßgerecht angefertig werden. Auf mehreren Blatt Papier hat Dan Homberger bereits alle Maße und die entsprechenden Schnitte notiert. Ein Brett nach dem anderen sägt er zu, geht dabei vorsichtig und genau vor. „Das Schwierigste an der Arbeit ist, den Blick fürs Detail nicht zu verlieren“, erklärt der Zachuner. „Man kommt mit der Zeit in Versuchung, bei bestimmten Dingen zu sagen ,Ach komm, das geht schon so’, aber das darf man nicht. Man muss immer exakt arbeiten, denn in diesem Beruf geht es um jeden Millimeter“, so der 29-Jährige.

Vor 13 Jahren hat Dan Homberger seine Lehre zum Tischlergesellen begonnen, seit etwa acht Jahren ist er in der Tischlerei Schweidt in Lübtheen tätig. Der Zachuner erzählt, dass es schon immer sein Wunsch gewesen sei, Tischler zu werden. Die Vielfältigkeit, die dieser Beruf bieten würde, sei dabei das Reizvolle. „Die Abläufe in der Produktion sind eigentlich immer gleich“, so der Tischlergeselle, „doch was am Ende dabei herauskommt ist immer anders, immer neu. Das macht es so besonders und abwechslungsreich.“

Das bestätigt auch Volker Schweidt. Der Tischlermeister hat den 1950 gegründeten Betrieb mit der Wende von seinem Vater übernommen. Seit 33 Jahren ist er nun im Tischlerhandwerk tätig, doch noch immer leuchten seine Augen vor Begeisterung, wenn er darüber spricht. „Es macht Spaß zu sehen, was aus den einzelnen Teilen entsteht. Am Ende des Tages sieht man, was man geschaffen hat“, so der 62-Jährige. Ein Meister, sieben Gesellen und zwei Lehrlinge sind in seinem Betrieb beschäftigt. Sie alle zeigen die gleiche Begeisterung für Holzarbeiten wie Volker Schweidt selbst.

Nachdem die einzelnen Bretter zugeschnitten sind, sollen sie bekantet werden. Das heißt, dass die Schnittstellen der Bretter je nach Dicke der Kante, die drauf kommen soll, mittels einer Maschine zunächst abgefräst und dann mit einer Kante beklebt werden. „Die Kanten werden noch geglättet und abgerundet. So sind die Schnitte später nicht mehr sichtbar“, erklärt Dan Homberger. Die Maschine würde ihm das Bekanten von Holzbrettern und -platten sehr erleichtern, weswegen es ihm Spaß machen würde, daran zu arbeiten, so der junge Handwerker weiter.

Ob er auch selbstgebaute Möbel zuhause habe, möchte ich wissen. „Naja, wie heißt es: Der Schuster selbst hat die schlechtesten Schuhe“, erwidert der 29-Jährige mit einem Lachen. Bei ihm würden zwar selbst gemachte Möbel stehen, doch nicht immer sei die Lust vorhanden, nach der Arbeit in der Tischlerei auch privat noch an Möbeln zu werkeln. Doch in seinem Beruf agiert Dan Homberger mit Leidenschaft und Präzision, zwei Eigenschaften, die auch Tischlermeister Volker Schweidt für unabdingbar hält.

In einem Nebenraum lackieren Gesellen und Lehrlinge soeben die neuen Rahmen für die Schaufenster eines Geschäftes in Hagenow. Schon bald werden sie in strahlendem Weiß dort zu sehen sein. Und wenn ich ab sofort an ihnen vorbeilaufe, werde ich daran denken, wie sie geschaffen wurden und wie viel Präzision und Hingabe für das Handwerk in ihnen steckt.

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