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Kritik an Bürgermeister : Es rumort ganz gewaltig in Vellahn

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gemeindevertretung fordert Rücktritt von Bürgermeister Ulrich Stein. Der hält Vorwürfe für haltlos und teils unwahr, bietet Gespräch an.

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 08:00 Uhr

„Er ist unserer Meinung nach als Bürgermeister nicht länger mehr tragbar und sollte, um weiteren Schaden von der Gemeinde abzuwenden, zurücktreten“, bricht gestern am Telefon Detlef Westphalen den Stab über den Dorfoberen Ulrich Stein. Und sagt, die gesamte 12-köpfige Gemeindevertretung wisse er mit dieser Forderung hinter sich, da mit Stein nicht mehr zu reden sei.

Der 73-Jährige erinnert sich beispielsweise an die konstituierende Sitzung der Gemeindevertreter, die er vor zweieinhalb Jahren als Senior zu Beginn geleitet habe. „Ich wollte damals den Tagesordnungspunkt Hauptsatzung und Änderung von der Tagesordnung nehmen lassen. Der Bürgermeister hat mich davon abgebracht. Dennoch habe ich einige kritische Anmerkungen dazu gemacht.“ Während dieser Versammlung habe nämlich der Eindruck entstehen können, bzw. sei entstanden, dass vorherige Absprachen wie z.B. Fraktionsbildung getroffen worden seien, die die Abstimmungen beeinflussen sollten. „Ich habe es missfallend zur Kenntnis genommen“, sagt Westphalen, der schon etliche Jahre Erfahrungen in der Gemeindever- treterarbeit habe. Dass der Bauhof nach Zarrentin überführt werden sollte, sei ein weiterer Streitpunkt gewesen. „Dieses war ein Bestreben des Bürgermeisters, das die bisherigen Gemeinderäte immer abgelehnt haben“, sagt der Rodenwalder. „Der Gemeinderat hat einer Zusammenführung des Vellahner und des Zarrentiner Amtsbauhofes nicht zugestimmt. Dennoch hat Ulrich Stein seine Bürgermeister-Aufgaben zum großen Teil an die Amtsverwaltung übertragen, womit der Gemeinderat mehrheitlich nicht einverstanden war. Das ist nicht das Verhalten eines Bürgermeisters“, kritisiert Westphalen. Und berichtet weiter: Stein habe veranlasst, dass Beiträge für den Kommunalanzeiger, die die Gemeinde betreffen, bewertet und in einem Fall auch unterdrückt worden seien. „Das ist für mich unerträglich und erinnert an Zensur. Erstaunt bin ich auch über die Verwaltung, die so etwas zulässt.“

Schließlich der Eklat bei der letzten Gemeindevertreterversammlung, bei der Stein – entgegen der Hauptsatzung Paragraf 3, Absatz 3 - Anwohner zu einem abendlichen Tagesordnungspunkt diskutieren ließ. „Obwohl wir ihn darauf hingewiesen haben, hat er es zugelassen und somit den Eklat herbeigeführt.“

Eskaliert war der Zorn der gewählten Volksvertreter am 23. Januar. Hier war unter anderem auch über die Zukunft des Töpferteiches beraten worden, hatten die Angler einen Unterschriftenliste mit 470 Namen überreicht. Mit ihr sprechen sich etliche Bürger aus Vellahn, Kloddram, Banzin, Melkof, Albertinenhof, Rodenwalde, Goldenbow, Jesow, Marsow, Tüschow, Camin, Wulfskuhl, Bennin, Friedrichshof, Brahlstorf, Dersenow, Düssin und Schildfeld für die Machbarkeitsstudie zum Erhalt des einst so beliebten Angelgewässers aus.

Der so Gescholtene weiß nach eigenen Worten nicht, warum die Vertretung geschlossen seinen Rücktritt fordert. „Die Vorwürfe sind unhaltbar, alles war rechtens und legitim“, sagt Ulrich Stein auf SVZ-Anfrage. „Ich bin jederzeit zu Gesprächen bereit. Wenn ich Fehler gemacht haben sollte, können wir darüber reden. Dass ich eine Diskussion zum Töpferteich zugelassen habe, liegt an der Brisanz des Themas, da sollte der Bürger schon angehört werden.“ Dass offensichtlich die Chemie zwischen ihm und der Gemeindevertretung nicht stimme, bedauere er sehr. „Fairerweise hätten wir schon lange mal darüber reden müssen.“

Der Vellahner Bauhof werde immer noch eigenständig geführt, nimmt Zarrentins Leiter des Amtes für Bau, Regionalentwicklung und Ordnungsangelegenheiten, Dirk Schiewer, Vellahns Ehrenamtlichen in Schutz. Von einer Zusammenführung könne gar keine Rede sein. „So war es auch nicht abgestimmt, sondern nur die Beaufsichtigung des Tagesgeschäftes sowie strategische Anleitung und Hilfestellungen.“ Die Vellahner hätten diese Aufgabe in den letzten zehn Jahren bereits eigenständig ausgeführt und wüssten so am besten, wann, welche Arbeit wo im Gemeindegebiet anstünde.

Bauausschussvorsitzender und Gemeindevertreter Mike Gerke sieht die derzeitige Situation so wörtlich „als verfahrene Kiste“. Alles sei besser als der jetzige Zustand. „Echte Kommunikation ist nicht vorhanden.“

Kommentar: Miteinander reden – von Thorsten Meier
Offensichtlich hat sich in Vellahn etwas aufgestaut, was bei rechtzeitigem Dialog hätte verhindert werden können. Übereinander reden hat noch nie etwas Gutes bewirkt, miteinander reden dafür umso mehr. Ob die Gemeinde dem Dorfoberen das Vertrauen tatsächlich entzieht, bleibt abzuwarten.

 

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