Dellien : „Es muss auch Verrückte geben!“

Hans-Jürgen Niederhoff mit seinem Poitou-Esel „Elise“
Hans-Jürgen Niederhoff mit seinem Poitou-Esel „Elise“

Hans-Jürgen Niederhoff züchtet auf seinem Hof alte Haustierrassen Er möchte diese erhalten, weil sie vom Aussterben bedroht sind

svz.de von
06. Mai 2017, 12:00 Uhr

Bist du böse oder lieb? Das ist die erste Frage, die ich auf dem Hof Niederhoff stelle. Allerdings nicht an den Eigentümer Hans-Jürgen Niederhoff, sondern an Bruno, einem Großspitz. Der Hund knurrt, sein Herrchen ist nicht zu sehen, und ich versuche mich vorsichtig bemerkbar zu machen. - Wenig später werde ich von Hans-Jürgen Niederhoff begrüßt, deutlich freundlicher als von Bruno. Der 69-Jährige lädt mich zum Kaffee in die Küche ein, der Hund muss draußen bleiben.

Hans-Jürgen Niederhoff ist ein Tierfreund, durch und durch. Auf seinem Hof und Weiden hält er insgesamt knapp 300 Tiere. „Ich züchte alte Haustierrassen und möchte sie erhalten, weil sie vom Aussterben bedroht sind“, erzählt er. „Ich habe unter anderem Thüringer Waldziegen, Pommersche Landschafe und einen Poitou-Esel.“ Außerdem hält Niederhoff Heckrinder, Katzen und Koniks, eine Ponyrasse. Der gebürtige Kaarßener arbeitete schon zu DDR-Zeiten in der Landwirtschaft. Gleich nach der Wende habe er dann Flächen von der LPG ausgelöst. „Ich wollte schon immer eine eigene Scholle bewirtschaften.“ Zunächst noch konventionell, später stellte er dann auf Ökolandbau um. „Im Nebenerwerb“, wie Niederhoff betont. Davon leben könne er nicht. „Für das was ich mache, muss man Idealist sein. Ein Betriebswirt würde wahrscheinlich sagen: Das geht so nicht! Aber es muss auch Verrückte geben.“ Inzwischen ist sein Bio-Rindfleisch in der Region allerdings gefragt. Er verkauft es auf dem Hof und beliefert damit auch Hotels in Neuhaus und Lüneburg. „Die Tiere machen viel Arbeit, aber ich kann nicht kürzer treten und bleibe lieber in Bewegung“, meint Niederhoff grinsend.

In Bewegung sind auch ständig seine Augen, als er SVZ-Redakteur Robert Lehmann die beliebten Fragen zum Wochenende beantwortet. Und sie fangen an zu leuchten, wenn er von seiner Frau Christa, seinen beiden Kindern, den vier Enkelkindern und seinen Tieren spricht.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Ich bin optimistisch eingestellt. Mein Motto ist deshalb wohl: Nimm es, wie es kommt und mache das Beste draus.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Da gibt es einige. Zwischen den Heckrindern auf der Koppel, auf dem Sudedeich oder auf der Bank vor dem Haus. Auf der Koppel kann ich allerdings am besten entspannen.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Das weiß ich gar nicht mehr genau. Ich habe früher auf dem Hof meiner Eltern mitgearbeitet und manchmal gab es dafür Taschengeld.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Ich habe es gespart. Zusammen mit dem Geld von meiner Konfirmation habe ich mir dann mein erstes Fahrrad gekauft. Das war grün und hatte klapprige Räder, daran kann ich mich noch gut erinnern.
Wo findet man Sie am ehesten?
Auf der Koppel, dem Acker oder dem Hof. Das ist schwer zu sagen, aber darum habe ich ja ein Handy.

Was stört Sie an anderen?
Neid und Habgier! Wenn einer den Hals nicht voll kriegt. Es soll immer mehr sein und das stört mich. Ich bin mit dem zufrieden, was ich habe und kann mich für andere freuen. Das können viele nicht mehr.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Es gibt Menschen, die viel für die Gesellschaft getan haben. Aber Helden? Richard von Weizsäcker war ein Vorbild, weil er gerade heraus war.

Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Vor allem Gesundheit für die Familie, das ist das Beste was passieren kann.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Eigentlich mehr ein Bauchmensch. Ich bin ruhig und vertraue auf mein Gefühl.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Mettwurst und Schinken sind immer da.
Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich bin wunschlos glücklich und zufrieden mit dem was ich habe. Ich habe eine schöne Frau, zwei Kinder, vier Enkelkinder. Was will man mehr?
Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?
Die Bundeskanzlerin - mit ihr würde ich gerne über viele Probleme unserer Zeit sprechen. Das würde mir Spaß machen.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
Kompromissbereit!
Wo ist für Sie Heimat?
Dellien - die Gemeinde Amt Neuhaus, das ist meine Heimat und hier gehe ich auch nicht weg.
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich liebe die deutsche Küche, Rouladen mit Rotkohl und vor allem: Kartoffeln. Alles andere ist nicht so relevant. Mein Onkel hat uns früher immer zum Chinesen eingeladen, das war für mich ein Graus. Mittlerweile esse ich aber auch mal Nudeln. Die wollen meine Enkel immer haben und ich esse dann mit. Da kann ich ja nicht sagen, dass es nicht schmeckt.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf meine Tiere und die Arbeit auf dem Hof. Wenn ich das nicht hätte, würde ich eingehen.
Welches Buch lesen Sie gerade?

Roger Willemsen, „Das hohe Haus: Ein Jahr im Parlament“ und „Der Rinderflüsterer“ von Ernst Hermann Maier. Ich lese meist abends im Bett ein paar Seiten, ansonsten komme ich nicht dazu.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Kann ich heute noch nicht sagen, will ich auch nicht. Das wird sich ergeben. Das ist Schicksal.

Wem sollen wir ebenfalls diese Fragen stellen?

Wilhelm Siefert, der Vorsitzende vom Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband. Er ist ein ehemaliger Kollege und wir kennen uns schon sehr lange. Dem können Sie das auch mal antuen.

Ähm, antuen?

(lacht) Nein, Nein. Es hat Spaß gemacht.

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