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Fliesenmuseum Boizenburg : Es könnte das Aushängeschild sein

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Das ehrenamtlich betriebene Erste Deutsche Fliesenmuseum Boizenburg kämpft mit Mitgliederschwund, Überalterung und Finanznöten.

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2017 | 05:00 Uhr

In der Fliesenstadt Boizenburg gibt es das Erste Deutsche Fliesenmuseum mit einer einzigartigen Sammlung.  Solch ein Museum wird von einer Stadt mit diesem Beinamen und ihren Entscheidern als Aushängeschild gehegt und gepflegt und bestens finanziell ausgestattet - könnte man denken. Doch dem ist nicht so. Das Fliesenmuseum wurde 1998 durch einen ehrenamtlichen Verein gegründet und wird nach wie vor von ihm betrieben.   Der Verein kann sich von dem jährlichen Zuschuss der Stadt nur eine bezahlte Hilfskraft leisten, die das Museum zu den Öffnungszeiten in der Woche von Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr offen hält.  Am Wochenende wird das Museum für Einheimische und vor allem Touristen von 22 ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern offen gehalten, zur Zeit ist das jedoch nur jeweils von 14 bis 16 Uhr möglich. „Wir haben das Problem, dass nicht wenige von unseren Helfern inzwischen über 80 Jahre alt sind“, berichtet Vorstandsmitglied Wolfgang Ebert  im Gespräch mit der SVZ. „Und es gibt mittlerweile außer mir niemanden mehr, der Führungen anbieten kann.“

 Abgesehen von der Betreuung der Besucher zu den Öffnungszeiten gibt es in so einem Museum selbstverständlich noch jede Menge mehr zu tun. Ausstellungen müssen  ausgedacht, vorbereitet und organisiert werden. Das heißt nicht nur, sich um die Ausstellungsgegenstände zu kümmern, sondern sie auch geeignet zu repräsentieren und die Presse- bzw. Öffentlichkeitsarbeit dafür zu meistern. Ganz abgesehen  von dem technischen Betrieb im Hintergrund, der funktionieren muss.

Das Interesse an diesem besonderen Museum ist durchaus groß. 2000 Besucher sahen sich im vergangenen Jahr die Ausstellungen auf  zwei Etagen in dem  historischen Haus inmitten der Boizenburger Altstadt an. Sie kamen aus allen Ecken Deutschlands, aber auch aus Australien, Amerika, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden.

Seit vergangenen Herbst ist Christian Lempp, der schon Vorsitzender des Kino-Clubs ist, nun auch der Vereinsvorsitzende des Fliesenmuseums. „Dieses Haus hat so viele Möglichkeiten, man könnte so  viel damit machen“, ist sich der erfahrene Organisator sicher.

Die Ausstellung modern umgestalten, Besuchern die Möglichkeit geben, eine eigene Fliese zu gestalten und zu brennen, am Wochenende Kaffee  mit Waffeln in Form von Fliesen anbieten oder Kontakte zu allen deutschen Universitäten und Hochschulen mit Design- oder Keramik-Studiengängen herstellen. Wenn man denn Manpower und Geld hätte ...

„Im letzten Jahr konnten wir Ezio Gutzemberg (alias Jens Tander, d. Red.) für unsere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und für Gestaltungsaufgaben gewinnen“, erklärt Christian Lempp. Die Fähigkeiten des Kommunikations-Designers und Fotografen  werden gebraucht, um  Informationsmaterial des Museums zeitgemäß zu gestalten, ebenso wie den wichtigen Internetauftritt, aber vor allem auch für die Gestaltung der Ausstellungsräume und nicht zuletzt für die Pflege und Neuerschließung von Kontakten  mit potentiellen Besuchern. Dafür stellte die Stadt im letzten Jahr ein Honorar für 28 Stunden im Monat zur Verfügung. Doch weil auch das Heimatmuseum   auf die Fähigkeiten des Kuhlenfelders angewiesen ist und die Kassen knapp, soll diese Stundenzahl nun auf beide Museen aufgeteilt werden. Damit kann selbstverständlich nur noch das allernotwendigste getan werden und  wahrscheinlich  noch nicht einmal das. Hinzu kommt, dass Ezio Gutzemberg sagt: „Wenn die Stadtvertreter diese Entscheidung nicht überdenken, werde ich aus Boizenburg wegziehen.“ Denn von irgendetwas muss auch  ein  Kommunikations-Designer  leben.

Das wäre in der jetzigen Situation ein kaum  auszugleichender Verlust  für das Museum,  welches gerade plant, die Repräsentation seiner Dauerausstellung einer  dringend notwendigen Modernisierung zu unterziehen, ebenso wie die  Beleuchtung im Museum, die derzeit aus 60er-Jahre-Neonröhren besteht. Auch fördert die OSPA den Ankauf einer großen und einmaligen Sammlung mit Boizenburger Jugendstilfliesen. Aber auch diese sollte professionell präsentiert werden. Manchmal kann man so sparen, dass der dadurch entstehende Schaden nicht mit dem eingesparten Geld in einem sinnvollen Verhältnis steht.

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